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Digitale Zukunft für Schulen Warum der Digitalpakt 2.0 mehr ist als nur WLAN und Whiteboards

Von Torsten Gerharz und Jürgen Rongen 6 min Lesedauer

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Der Digitalpakt 2.0 soll Schulen bis 2030 mit fünf Milliarden Euro digitalisieren. Im Fokus stehen leistungsfähige Netzwerke, IT-Sicherheit und nachhaltige Infrastrukturen – doch Altbauten, Legacy-Systeme und Koordination erschweren die Umsetzung.

Digitalpakt 2.0 bringt Milliarden für Schul-IT. Gefordert sind tragfähige Netzwerke, sichere WLANs und nachhaltige Infrastrukturen.(Bild: ©  Jittapon - stock.adobe.com)
Digitalpakt 2.0 bringt Milliarden für Schul-IT. Gefordert sind tragfähige Netzwerke, sichere WLANs und nachhaltige Infrastrukturen.
(Bild: © Jittapon - stock.adobe.com)

Die Digitalisierung öffentlicher Einrichtungen steht im Mittelpunkt des Digitalpakts 2.0. Neben Endgeräten und Lernplattformen bildet eine leistungsfähige IT-Netzwerkarchitektur die Grundlage für eine nachhaltige Transformation. Leistungsfähige Netzwerke entscheiden darüber, ob digitale Anwendungen im Bildungsbereich wirklich erfolgreich sind oder an technischen Hürden scheitern.

Nach monatelangen Verhandlungen haben Bund und Länder im Dezember 2024 den „Digitalpakt 2.0“ beschlossen, der bis 2030 insgesamt fünf Milliarden Euro in die digitale Infrastruktur der Schulen investiert. Ein zentraler Fokus liegt auf dem Aufbau leistungsfähiger Netzwerke, der Stärkung der IT-Sicherheit und der langfristigen Wartung.

Digitalpakt 2.0: Infrastruktur stärken, Bildung digital voranbringen

Mit dem Digitalpakt 2.0 stehen insgesamt fünf Milliarden Euro bereit, von denen rund 2,25 Milliarden Euro gezielt in den Ausbau digitaler Infrastrukturen fließen. Diese Investitionen sind eine historische Chance, um Schulen, öffentliche Institutionen und kommunale Verwaltungen nachhaltig auf die digitale Zukunft vorzubereiten und bestehende infrastrukturelle Defizite zu beheben. Die zentralen Schwerpunkte des Programms sind:

  • Leistungsfähige WLAN-Infrastrukturen mit modernen Sicherheitsstandards.
  • Flächendeckender Aufbau moderner Netzwerkarchitekturen.
  • Einführung einheitlicher Sicherheits- und Datenschutzstandards.
  • Entwicklung einer souveränen Verwaltungs-Cloud im Sinne eines Multi-Cloud-Ansatzes.
  • Nachhaltigkeit in der IT-Infrastruktur, um ressourcenschonende Lösungen zu etablieren.

Für öffentliche Institutionen, insbesondere Schulen und kommunale Verwaltungen, bietet der Digitalpakt 2.0 eine einmalige Chance, dringend benötigte Investitionen in ihre digitale Infrastruktur vorzunehmen. Doch die Umsetzung ist komplex und geht mit einer Reihe von Herausforderungen einher. Historische Gebäude, bestehende Netzwerke und unterschiedliche Nutzungsprofile erschweren die Planung erheblich. Es bedarf anpassungsfähiger und wirtschaftlich tragfähiger IT-Netzwerke, die gleichzeitig eine nahtlose Integration der Stromversorgung sicherstellen – ein oft unterschätzter, aber entscheidender Faktor für den Erfolg.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Schulen, Kommunen und andere öffentliche Einrichtungen stehen zudem vor weiteren erheblichen Herausforderungen. Diese betreffen sowohl finanzielle als auch organisatorische und technische Aspekte. Trotz der Fördermittel ist eine präzise Ressourcenplanung nötig, um einmalige Investitionen in eine langfristige Strategie zu überführen. Zudem sind rechtliche Vorgaben wie die DSGVO einzuhalten.

Technische Defizite stellen eine weitere Hürde dar. Benötigt werden leistungsfähige, stabile und zugleich flexible Infrastrukturen, um wachsende Datenvolumina zu bewältigen. Zusätzlich müssen Schulträger, Kommunen bis hin zu Landesbehörden koordiniert werden. Und nicht zuletzt müssen vorhandene Legacy-Systeme in Schulen und Verwaltungen in neue Cloud- und Netzwerkumgebungen integriert werden.

Anforderungen an moderne IT-Netzwerke

Wird der Fokus auf die technischen Anforderungen gelegt, zeigt sich, wie IT-Netzwerke gestaltet werden müssen, um langfristige Skalierbarkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit zu gewährleisten. Die Anforderungen umfassen:

  • Skalierbarkeit: Netzwerke müssen so konzipiert sein, dass sie auf steigende Nutzerzahlen und wachsende Datenvolumen reagieren können. Dies betrifft sowohl kabelgebundene LAN- als auch kabellose WLAN-Infrastrukturen.
  • Redundanz: Kritische Komponenten wie Router, Switches und Firewalls sollten redundant ausgelegt sein, um Ausfälle zu minimieren.
  • Netzwerksegmentierung: Eine klare Trennung zwischen Verwaltungs-, pädagogischen und Gastnetzen erhöht sowohl die Sicherheit als auch die Effizienz des Datenflusses.
  • Zentrale Verwaltung: Ein zentrales Managementsystem erleichtert die Administration, Überwachung und Fehlersuche.

Modulare Architekturen, die flexibel erweiterbar sind, stellen sicher, dass die Netzwerke langfristig zukunftsfähig bleiben. Technologien wie VLANs, SDN und moderne Routing-Protokolle (z. B. OSPF) spielen hierbei eine entscheidende Rolle.

Stromversorgung und Nachhaltigkeit: Grundlage einer zukunftsfähigen IT-Infrastruktur

Viele ältere Schulgebäude und ihre bestehenden elektrischen Installationen sind nicht auf moderne IT-Anforderungen ausgelegt. Hier sind integrierte Lösungen gefragt, die die Stromzufuhr für Endgeräte sichern und auf zukünftige Anforderungen ausgelegt sind. Unterbrechungsfreie Stromversorgungssysteme (USVs) verhindern Netzwerkausfälle und schützen kritische Komponenten wie Server und Netzwerkgeräte. Gleichzeitig helfen energieeffiziente Strommanagement-Konzepte, den Energieverbrauch zu senken und die Betriebskosten langfristig zu reduzieren.

Nachhaltigkeit in der Netzwerkinfrastruktur

Nachhaltigkeit ist ein zentraler Aspekt der Digitalisierungsstrategien und spielt auch im Digitalpakt 2.0 eine wichtige Rolle. Neben der Förderung moderner IT-Netzwerke wird verstärkt auf umweltfreundliche und zukunftssichere Lösungen gesetzt. Investitionen in energieeffiziente Technologien und modulare Netzwerklösungen tragen dazu bei, Ressourcen zu schonen und Betriebskosten langfristig zu senken. Bereits in der Planungsphase sollten Aspekte wie ein reduzierter Stromverbrauch und die Verwendung langlebiger Materialien berücksichtigt werden, um eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Infrastruktur zu gewährleisten. Mit modularen Architekturen wird zudem die Grundlage geschaffen, die Netzwerke flexibel an zukünftige Anforderungen anzupassen, ohne unnötige Ressourcen zu verschwenden. Solche Lösungen setzen Maßstäbe für eine Digitalisierung, die ökologische und ökonomische Ziele miteinander verbindet.

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Brandschutz: Sicherheit in der Digitalisierung

Besonders in älteren Gebäuden muss die IT-Infrastruktur so integriert werden, dass keine zusätzlichen Risiken entstehen.

  • Brandsichere Kabelkanäle: Die Installation von Netzwerkkabeln und Stromleitungen muss den geltenden Brandschutzvorschriften entsprechen. Brandsichere Kabelkanäle und Durchführungen sind essenziell, um die Ausbreitung von Feuer und Rauch zu verhindern.Access Points in Brandschutzbereichen: WLAN-Access-Points müssen in sensiblen Bereichen so installiert werden, dass sie weder die Rauchmelderfunktion beeinträchtigen noch zusätzliche Risiken darstellen.
  • Brandschutzkonzepte: Jede IT-Infrastruktur sollte Teil eines umfassenden Brandschutzkonzepts sein, das sowohl die Sicherheit von Personen als auch die Verfügbarkeit kritischer Systeme gewährleistet.

Smarte WLAN-Planung: Mehr als nur Access Points

Der Digitalpakt 2.0 fordert flächendeckende WLAN-Versorgung und setzt auf moderne Standards wie Wi-Fi 6, um zuverlässige Netzwerke in Schulen zu etablieren. Doch die reine Vorgabe reicht nicht aus: Erst durch professionelles Know-how wird gewährleistet, dass diese Ziele in der Praxis umgesetzt werden.

Ein effektives WLAN-Design umfasst weit mehr als die Bereitstellung moderner Technologien:

  • Access-Point-Standorte: Nur durch präzise Ausleuchtungsmessungen lässt sich eine störungsfreie Versorgung erreichen.
  • Nahtloses Roaming: Essenziell, um unterbrechungsfreie Verbindungen in großen Gebäuden sicherzustellen.
  • Elektromagnetisches Umfeld: Hier zeigen sich oft unvorhergesehene Störfaktoren wie Baumaterialien oder elektrische Anlagen, die detaillierte Analysen erfordern.
  • Power over Ethernet (PoE): Access Points können über PoE nicht nur mit Strom versorgt, sondern auch flexibel und effizient positioniert werden. Dies ist besonders in älteren Gebäuden ein entscheidender Faktor, da zusätzliche Stromleitungen vermieden und damit Kosten eingespart werden können.

IT-Sicherheit und Datenschutz: Schutz für Netzwerke und Daten

Die Vorgaben des Digitalpakts 2.0 legen großen Wert auf sichere Netzwerkinfrastrukturen, um Datenintegrität und Datenschutz zu gewährleisten. Dies umfasst allgemeine Anforderungen wie die physische Trennung von Verwaltungs- und pädagogischen Netzwerken sowie die Einhaltung strenger DSGVO-Richtlinien. Doch für eine belastbare Netzwerksicherheit reicht das nicht aus:

  • VLANs: Die effiziente Segmentierung durch Virtual Local Area Networks (VLANs) ermöglicht die sichere Trennung unterschiedlicher Nutzergruppen.
  • Fortschrittliche Firewalls: Physische und virtuelle Firewalls pro Segment bieten nicht nur Grundschutz, sondern ermöglichen maßgeschneiderte Sicherheitsregeln. Dadurch können beispielsweise Lehrkräfte andere Zugriffsrechte erhalten als Schüler.
  • Software-Defined Networking (SDN): Diese Technologie hebt die Sicherheitsarchitektur auf ein neues Niveau, indem sie dynamische Netzwerksteuerung und zentralisierte Richtlinienumsetzung kombiniert. Besonders größere Einrichtungen profitieren von dieser Flexibilität.

Sicherheit für Schüler und Lehrkräfte: Notfall-Reaktion-Gefahren-Systeme (NGRS)

Ein sicheres Lernumfeld erfordert nicht nur den Schutz digitaler Daten, sondern auch physische Sicherheitsmaßnahmen. Schulen müssen in der Lage sein, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und schnell darauf zu reagieren. Ein Notfall-Reaktion-Gefahren-System (NGRS) bietet eine strukturierte Lösung, um kritische Situationen zuverlässig zu bewältigen. Moderne Frühwarnsysteme analysieren Gefahrensituationen in Echtzeit und erkennen potenzielle Bedrohungen wie Feuer oder unbefugten Zutritt zum Schulgelände.

Sobald eine Gefährdung identifiziert wird, leitet das System sofort Gegenmaßnahmen ein. Lehrkräfte, Verwaltungsmitarbeiter und Einsatzkräfte erhalten umgehend eine Alarmierung, die klare Handlungsanweisungen enthält. Klare Notfallpläne unterstützen eine koordinierte Evakuierung und stellen sicher, dass alle Beteiligten schnell und effektiv reagieren können. Das System passt sich an die jeweiligen Anforderungen an – von kleinen Grundschulen bis zu großen Bildungseinrichtungen. Apps und Online-Plattformen sorgen für schnelle Kommunikation und Koordination.

Durch die Kombination aus vernetzter Sensorik, direkter Alarmierung und klar definierten Abläufen erhöht das NGRS die Sicherheit an Schulen erheblich. Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte profitieren von einer geschützten Umgebung, die ein ungestörtes Lernen und Arbeiten ermöglicht.

Digitalisierung als fortlaufender Prozess

Der Digitalpakt 2.0 bietet die Chance, Schulen langfristig digital fit zu machen. Damit die Investitionen nicht verpuffen, braucht es eine klare Strategie, die nachhaltige, sichere und skalierbare IT-Infrastrukturen in den Mittelpunkt stellt. Eine durchdachte Umsetzung muss alle relevanten Aspekte berücksichtigen – von technischer Planung über Betrieb und Wartung bis hin zu Datenschutz und Sicherheitskonzepten.

Torsten Gerharz.(Bild:  Prior1)
Torsten Gerharz.
(Bild: Prior1)

Jürgen Rongen.(Bild:  Prior1)
Jürgen Rongen.
(Bild: Prior1)

Zukunftstechnologien wie Edge Computing, KI-gestützte Netzwerke und neue Funkstandards erhöhen die Anforderungen an schulische IT kontinuierlich. Schulen, Verwaltung und Politik stehen vor der Aufgabe, nicht nur aktuelle Herausforderungen zu bewältigen, sondern Lösungen zu entwickeln, die mit den technologischen Entwicklungen Schritt halten. Eine strategische Herangehensweise hilft, technische, rechtliche und organisatorische Hürden frühzeitig zu identifizieren und praktikable Lösungen umzusetzen.

Über die Autoren

Torsten Gerharz ist Teamkoordinator Datennetze bei der Prior1 GmbH.

Sein Kollege Jürgen Rongen ist Teamkoordinator Datennetze bei der Prior1 GmbH.

Artikelfiles und Artikellinks

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