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Aktive und passive optische Netze: sieben Mythen und ihr Wahrheitsgehalt

PON oder Ethernet-PtP – was ist die bessere letzte Glasfaser-Meile

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5. Die Investitionskosten sind bei passiven optischen Netzen geringer als bei aktiven optischen Netzen

Ein Blick auf das gesamte Investitionsvolumen für eine Glasfaserinfrastruktur verdeutlicht, dass der größte Kostenblock nicht bei den Technikkomponenten, sondern bei der Erstellung der Glasfasertrassen, der Hausanschlüsse und der Verzweigerpunkte etc. entsteht.

Auf die Erdarbeiten im weitesten Sinne entfallen mehr als 80 Prozent der Ausgaben. Zutreffend ist, dass die Anschaffungskosten für einen GPON-Port niedriger sind als bei Ethernet-PtP, weil die Kosten aufgrund des optischen Splitters durch viele Kunden geteilt werden. Die Rechnung geht jedoch nur auf, wenn alle angeschlossenen Wohneinheiten die Dienste beziehen und somit alle Ports geschaltet sind.

Da sich bei einem neu erschlossenen Gebiet nicht jeder von Anfang an für zusätzliche Dienste des Netzbetreibers entschließt, hat der Provider zwei Möglichkeiten: Erstens kann er bereits alle Splitter und Ports installieren, nimmt in Kauf, dass die Infrastruktur nur teilweise ausgelastet ist und sich die Investition erst später auszahlt. Die zweite Möglichkeit ist, anfangs nur eine geringe Zahl von Ports und Splittern zu installieren. Steigt später der Bedarf, entsteht ein nachträglicher Aufwand und zusätzliche Kosten.

Bei einem Ethernet-PtP-System wird pro Kunde eine dedizierte Glasfaser vom Hausanschluss bis zur Zentrale bereitgestellt und es sind nur die Kunden an einen aktiven Port angeschlossen, die tatsächlich einen Dienst beziehen.

6. Passive optische Netze basieren auf Standards und sind somit herstellerunabhängig

Die wichtigsten Kenngrößen zur Funktionsweise von PON-Systemen sind durch Standards (beispielsweise ITU-G.984 für GPON) festgelegt. Allerdings ist es bis heute nicht gelungen, tatsächliche Interoperabilität von den optischen Netzabschlüssen eines Herstellers zum optischen Leitungsabschluss (OLT) eines anderen Herstellers zu erreichen.

Dies ist auch künftig nicht zu erwarten, denn durch das Punkt-zu-Mehrpunktverfahren von PON-Systemen müssen komplizierte Algorithmen abgestimmt und im Netzwerkmanagement abgebildet werden. Um eine optimale Systemleistung zu erreichen, müssen bei PON-Systemen alle Komponenten (optischer Leitungsabschluss, Netzabschluss und Splitter) von einem Hersteller stammen.

Ethernet-PtP-Systeme dagegen nutzen zur Übertragung standardisierte Ethernet-Schnittstellen, wie sie bereits vielfach in Metro- und Kernnetzen verwendet werden. Daher gibt es auch keine Herstellerabhängigkeit.

7. Passive optische Netze sind zukunftssicher

Wollen Netzbetreiber mit möglichst geringen Anfangsinvestitionen in einem kurz- bis mittelfristigen Investitionshorizont viele Privatkunden versorgen, spricht einiges für den Einsatz von GPON-Systemen. Sie stellen in den nächsten drei bis fünf Jahren eine ausreichende Bandbreite zur Verfügung und können in diesem Zeitraum kostengünstig betrieben werden.

Wollen Netzbetreiber nach einer Erweiterung und dem Ausbau ihrer Infrastruktur auch in den nächsten 10 bis 15 Jahren eine möglichst hohe Bandbreite und unterschiedlichste Dienste für Privat- und Geschäftskunden bereitstellen, benötigen sie eine flexible und ausbaufähige Netzstruktur. Diese Vorteile finden sich bei Ethernet-PtP eher als bei PON-Systemen, denn Änderungen und völlig neue Anforderungen an die Systemtechnik lassen sich mit Ethernet-PtP einfacher und schneller umsetzen.

Zumindest auf einem Gebiet konnten passive optische Netze lange Zeit ein Alleinstellungsmerkmal für sich verbuchen: mit ihnen waren Netzbetreiber in der Lage, auch Kabelfernsehdienste anzubieten. Heute sind auch für Ethernet-PtP-Systeme Lösungen verfügbar, mit denen das ehemals aufwändige Einspeisen der Kabel-TV-Signale über ein externes WDM-System überflüssig wird. Der Vorsprung von PON-Systemen ist damit dahin.

Fazit

Ein generischer Technologie-Vergleich kann nur eine erste Orientierung bieten. Interessant ist ein geografischer Vergleich: Während in Asien Netzbetreiber passive optische Netze bevorzugen, ermittelte eine Studie des FTTH Council Europe, dass in Europa über 80 Prozent der FTTH/FTTB-Installationen auf Ethernet-PtP basieren (IDATE-Studie FTTH Council Europe 02/2009).

Die aktive optische Technik eignet sich aus Sicht von Keymile besonders für Netzbetreiber, die entweder eine eigene Glasfaserinfrastruktur verlegen oder entbündelte Glasfaserstrecken („Glas-TAL“) nutzen und damit neben Privatkunden auch Geschäftskunden, Mehrfamilienhäuser, Behörden, Universitäten etc. adressieren möchten. In diesen Fällen werden Flexibilität, Qualität und Sicherheit gefordert, die PON-Netze strukturbedingt nur sehr schwierig erfüllen können.

Über den Autor

Klaus Pollak ist Head of Consulting & Projects bei Keymile.

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