Netzwerk-Grundlagen – Infrastruktur-Basics für eine perfekte interne Kommunikation

Normgerechte und neutrale Verkabelungen für garantiert hohe Qualität

12.02.2008 | Autor / Redakteur: Gerhard Kafka / Andreas Donner

Eine systematische Verkabelung verhindert Kabelsalat (Quelle: pixelio)
Eine systematische Verkabelung verhindert Kabelsalat (Quelle: pixelio)

Wenn ein Bürogebäude oder ein komplettes Unternehmen eine neue Netzwerkinfrastruktur erhalten soll, ist häufig auch eine Erweiterung oder Erneuerung der Verkabelung fällig. Um mit den neuen Kabeln eine solide Basis für die nächsten 15 Jahre zu schaffen gilt es jedoch, einige wichtige Normen peinlich genau zu beachten.

Die Idee einer strukturierten Verkabelung für lokale Netzwerke wurde bereits 1985 geboren. Bis zur Verabschiedung von internationalen Standards im Jahr 1995 mussten von den einschlägigen Gremien, insbesondere der amerikanischen ANSI (American National Standards Institute) und der EIA/TIA (Electronic Industry Association/Telecommunications Industries Association) eine Vielzahl von Parametern definiert werden.

Die EIA/TIA-Spezifikationen wurden zunächst Bestandteil des ISO/IEC 11801 Standards, der schließlich hier in Deutschland in die Norm DIN 50173 übernommen wurde. Bei der Ausschreibung eines Verkabelungsprojektes sollte auf die Einhaltung dieser Norm bzw. auf die Anwendung der jüngsten Edition (derzeit 2007) des Standards unbedingt geachtet werden. Fehlt dieser Hinweis, könnte ein Anbieter auch auf die früheren Editionen von 1995, 2000 und 2003 zurückgreifen, wodurch sich Diskrepanzen ergeben können, die gegebenenfalls zu Problemen führen.

Die Normen der Serie 50173 decken fünf verschiedene Einsatzbereiche für anwendungsneutrale Kommunikationskabelanlagen ab. Die Inhalte von 50173-2 beziehen sich beispielsweise auf den Einsatz in einer Büroumgebung und geben u.a. Empfehlungen für die Anzahl und Positionierung von Anschlussdosen in Bürogebäuden. Bei einer Neuverkabelung ist zu berücksichtigen, dass bei der Planung dieser Infrastruktur ein Lebenszeitraum von 10 bis 15 Jahren angenommen werden sollte.

Normung anwendungsneutraler Kommunikationskabelanlagen

Im Oktober 2007 wurden in einer Mitteilung des Gemeinschaftsunterkomitees (GUK) 715.3 im DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik im DIN (Deutsches Institut für Normung e. V., Berlin) und VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V., Frankfurt/M.)) „Informationstechnische Verkabelung von Gebäudekomplexen“ die aktuellen Normen und Norm-Entwürfe beschrieben.

Demnach wurde die ursprünglich für den Bürobereich entwickelte Europäische Norm EN 50173-1 überarbeitet, weil die Prinzipien der Anwendungsneutralität zunehmend auch auf andere Bereiche übertragen werden können. Dazu wurde die Norm komplett revidiert und als Normenreihe EN 50173 neu strukturiert. Insbesondere wurde darauf geachtet, dass solche Anforderungen und Eigenschaften, die für mehrere bzw. alle Gebäudearten zutreffen, nur einmal festgelegt werden. Die betreffenden Festlegungen sind in EN 50173-1 enthalten und werden von den anderen Normen der Reihe in zutreffender Weise zitiert. Zur Realisierung einer anwendungsneutralen Kommunikationskabelanlage in einem bestimmten Umfeld (Gebäudeart, Standort) ist daher der betreffende Teil X (X = 2, 3, 4 und 5) stets zusammen mit dem grundlegenden Teil 1 der Norm (EN 50173-1) anzuwenden.

Alle fünf Normen der Reihe EN 50173 wurden 2007 als Europäische Normen (EN) ratifiziert, ihre Veröffentlichung als DIN-EN-Normen ist eingeleitet. DIN-Normen gelten als anerkannte Regeln der Technik und sind dementsprechend in Deutschland anzuwenden. Sie sind demzufolge auch rechtsverbindlich. Dies gilt insbesondere für öffentliche Ausschreibungen, die ggf. europaweit und auf der Basis von ENs erfolgen müssen.

Die in den Fachgremien diskutierten neuen Verkabelungsklassen EA und FA sind noch nicht in der EN 50173-1 enthalten, da die entsprechenden Spezifikationen international (und damit auch europäisch) noch nicht abgeschlossen sind.

Zur Evaluierung bestehender Verkabelungen hinsichtlich ihrer Eignung zur Unterstützung von 10 GBASE-T (Ethernet mit 10 Gbit/s Übertragungsrate) wurde der Fachbericht CLC/TR 50173-99-1 „Guidelines for the support of 10 GBASE-T“ erarbeitet, der von CENELEC (Comité Européen de Normalisation Electrotechnique = Europäisches Komitee für elektrotechnische Normung mit Sitz in Brüssel) im Dezember 2007 veröffentlicht wurde.

Tabelle 1 erläutert den Zusammenhang der europäischen Normen mit den entsprechenden internationalen Arbeiten.

Ergänzend zu den Entwurfsnormen EN 50173-X liegen die Normen der Reihe DIN EN 50174-X (VDE 0800-174-X) für Aspekte der Planung und Installation sowie DIN EN 50310 (VDE 0800-2-310) für Potentialausgleichs- und Erdungsmaßnahmen vor. Diese Normen befinden sich derzeit ebenfalls in der Überarbeitung. Dazu wurden die in Tabelle 2 dargestellten Normentwürfe zur Kommentierung durch die Fachöffentlichkeit bis Ende November 2007 vorgelegt:

Das Prüfen installierter Verkabelung wird schließlich in DIN EN 50346 (Ausgabe 2003) behandelt. Zu dieser Norm hat CENELEC soeben die Änderung 1 ratifiziert, die u.A. ein XML-Schema zum plattformübergreifenden Austausch von Messwerten definiert. Die Veröffentlichung als DIN-Norm ist in Vorbereitung.

Über den Autor

Gerhard Kafka arbeitet als freier Fachjournalist für Telekommunikation in Egling bei München.

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