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Was tut sich bei Funkwerk Enterprise Communications? Krise? Ja. – Katastrophe? Nein. FEC-Marketier Maier klärt auf

Redakteur: Ulrike Ostler

Kaum sind sie da, sind sie auch schon wieder weg. Das gilt nicht nur für Naschwerk, sondern seit geraumer Zeit auch für die Geschäftsführer der Nertzwerksparte der Funkwerk AG, der Funkwerk Enterprise Communications GmbH. Und jetzt werden auch noch die WLAN-Standorte konsolidiert. Was ist da los?

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FEC-Marketier Maier: „Wir haben nichts zu verbergen.“
FEC-Marketier Maier: „Wir haben nichts zu verbergen.“
( Archiv: Vogel Business Media )

Nachdem die Plattform-Integration abgeschlossen ist, soll die WLAN-Entwicklung zu Beginn 2009 von Neu-Ulm zum FEC-Hauptsitz nach Nürnberg verlegt werden, kündigt das Unternehmen an. Dort ist bereits die IP-Access-Entwicklung ansässig und auch die Vertriebs- sowie Support-Stellen für den Produktbereich WLAN, die bei der Unternehmensgründung noch in Neu-Ulm angesiedelt waren, sind bereits nach Nürnberg umgezogen.

Im November verließ Funkwerk-CEO Thomas Bruckbauer das Unternehmen, obwohl er erst im August eingestellt worden war. Das Channel-Magazin „CRN“ behauptet, er habe das Heft niemals richtig in der Hand gehabt. Der „heimliche Herrscher“ im Unternehmen sei Johann Schmid-Davis, der seit Herbst 2004 als CFO für die Bereiche Finanzen und Personal verantwortlich zeichnet.

Bruckbauer war auf Werner Mehr gefolgt, der zusammen mit Helmut Adamski die FEC-Aufgaben im Februar dieses Jahres von Hans-Ekkehard Domröse (63) übernahm. Dieser schied zum 31. Januar nach fünfjähriger Tätigkeit für das Unternehmen und als Vorstand der Funkwerk AG „aus persönlichen Gründen“ aus. Adamski sollte für den Bereich Messaging zuständig sein und Mehr für den Bereich Netzwerke.

Kaum vier Wochen später verließ Mehr das Unternehmen wieder. Zuvor aber entließ er Sönke Weisner, der als Senior Vice President Business Development bei FEC beschäftigt war sowie Andreas Bloom, Director Product Marketing und Mitgeschäftsführer bei der Tochter Aphona GmbH mit Sitz in Wien.

Chef-Roulette

Um den Geschäftsbereich kümmerte sich dann zwischenzeitlich der Funkwerk-Vorstandsvorsitzende Hans Grundner und Torsten Urban, COO bei FEC, um Vertrieb und Marketing.

Die Fluktuation auf dem FEC-Chefsessel fällt zusammen mit einer wirtschaftlichen Krise des Unternehmens. Denn im Jahr 2007 verlor FEC mit France Telecom seinen größten Kunden. Während die Funkwerk AG das vergangene Jahr mit einem Umsatzplus von 20 Prozent und 14,4 Millionen Euro Gewinn abschließen konnte, stürzte FEC in rote Zahlen. Nach 92 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2006 machte FEC im vergangenen Geschäftsjahr nur noch 74,7 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis sank 2007 auf 1,3 Millionen Euro im Minus.

Im aktuellen Geschäftsbericht zum dritten Quartal dieses Jahres heißt es: „Die Restrukturierung von Enterprise Communication ist weit vorangeschritten und wird bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.“

Zu den FEC-Turbulenzen befragte IP-Insider den derzeitigen Marketing-Leiter Alexander Maier:

Die Geschäftsführerwechsel sorgen für jede Menge Unruhe und deuten auf tiefgehende und nicht einfach aufzulösende Probleme. Steckt FEC nach wie vor in einer Krise?

Alexander Maier: Tatsächlich brachten die Geschäftsführerwechsel Unruhe. Anfang des Jahres wechselte Werner Mehr aus dem Konzern zur FEC. Seine spezielle Aufgabe war es, die Unternehmensprozesse zu straffen. Doch schon ziemlich schnell stellte er fest, dass dem Unternehmen weniger die effizienten Prozesse fehlten, sondern der Großkunde France Telekom. Das Unternehmen hatte zuvor einem großen Retailer in Frankreich gekündigt.

Das Tochterunternehmen des französischen Carrier One Access bekam nun die Aufträge, obwohl unsere Produkte und Preise besser waren. Das war wohl eine Art Starthilfe, da One Access zuvor nie richtig ein Bein auf die Erde bekommen hat.

Übrigend gibt es bald wieder eine Ausschreibung. Und jetzt sind wir wieder bei der Auswahl dabei, nachdem wir die ersten Hürden schon genommen haben.

Nach Dr. Mehr kam Thomas Bruckbauer.

Alexander Maier: Thomas Bruckbauer kam unter anderem deswegen zu uns, weil die Sagem-Gruppe seinen bisherigen Arbeitgeber Dr. Neuhaus verkaufen wollte. Außerdem brachte er sehr viel Erfahrung in unserem Geschäft mit.

Doch dann stellte sich heraus, dass Dr. Neuhaus nicht zu den Konditionen veräußerbar war, wie die Sagem-Leitung sich das vorgestellt hatte. Sie bot Bruckbauer nicht nur seine bisherige Position wieder an, sondern auch mehr Kompetenzen im Sagem-Konzern. Dieses Angebot konnte und wollte er nicht ausschlagen. Das hätte keiner in seiner Position getan. Jedenfalls war er dadurch relativ schnell wieder weg.

Jetzt wird es vorerst keinen neuen FEC-Geschäftsführer geben. Es soll der Eindruck vermieden werden, bei Funkwerk gäbe sich die Unternehmensleitung die Klinke in die Hand. Trotzdem bleibt FEC nicht führerlos. Die Koordination aller Vertriebsaktivitäten für den Channel, für die Carrier und auf internationaler Ebene liegt bei dem ehemaligen Elmeg-Chef Wolfgang Haderich.

Die Verantwortung für die Produktkoordination, beziehungsweise -strategie liegt bei Torsten Urban. Als Director Produkt-Marketing sitzt er zudem im Management-Board des Konzerns.

„CRN“ ließ die Öffentlichkeit indes wissen, dass alle Geschäftsführer große Umstrukturierungspläne hatten, die aber an dem Finanzchef Johann Schmid-Davis gescheitert seien. Er habe weder Ahnung vom Geschäft noch von den Produkten, halte aber das Zepter in der Hand, zitiert das Blatt FEC-Mitarbeiter.

Alexander Maier: Herr Schmidt arbeitet sei 2004 als CFO für FEC, verantwortet also die Finanzen und das Personal-Management. Zuvor war er im Funkwerk-Konzern für das Controlling zuständig. Aber dass er der große Strippenzieher im Hintergrund sei […], das ist völliger Quatsch. Er hat sich noch nie in die Produkt oder Unternehmensstrategie eingemischt. Die Aussagen über ihn gehen vermutlich auf ehemalige Mitarbeiter zurück. Natürlich mussten wir, nachdem wie France Telekom als Kunden verloren hatten, umstrukturieren und entlassen. Da sind wohl einigen emotional die Pferde durchgegangen.

Steht die Verlegung der WLAN-Entwicklungsabteilung von Neu-Ulm nach Nürnberg im Zeichen der Konsolidierung?

Alexander Maier: Wir möchten die Entwicklungsabteilung gerne nach Nürnberg verlegen, zumal sich die anderen WLAN-Abteilungen auch schon dort befinden. Das schafft Möglichkeiten zu Synergien. Doch noch ist das letzte Wort darüber nicht gesprochen.

Denn aktuell haben wir ein kleines Loch. Wir suchen wir nach mindestens drei WLAN-Entwicklern. Der Markt scheint jedoch gerade einen Engpass zu haben. Nun kommt es darauf an, wo Fachkräfte gefunden werden können. Ist das eher im Raum Ulm möglich, bleibt die Abteilung dort, wo sie ist.

Wie sind denn die Aussichten in diesem Jahr?

Alexander Maier: Zahlen kann ich nicht nennen, da der Konzern als börsennotiertes Unternehmen an diesbezügliche Auflagen gebunden ist. Aber insbesondere das Channel-Geschäft in Deutschland läuft so gut, dass wir nahe an unser Ziel herankommen werden, trotz der allgemeinen Finanzkrise!

Und wie sieht es international aus? Können Sie den Umsatz, den Sie einst mit France Telekom gemacht haben, kompensieren oder schleudert Sie der Wegfall dieses Kunden von der Champions League zurück in die Regionalliga?

Alexander Maier: Als Regionallegist würde ich uns nicht bezeichnen. Wir spielen eher im Mittelfeld der 2. Bundesliga. Doch im Ernst: Ganz können wir die Umsatzeinbußen durch den Verlust des Kunden France Telekom nicht ausgleichen. Aber wir sind auf gutem Wege. Außerdem haben wir ein paar gute Gelegenheiten, bei Carriern im Ausland Ausschreibungen zu gewinnen, etwa in Frankreich und Spanien.

Herr Maier, Danke für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ulrike Ostler

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