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Fibre Channel over Ethernet
Fibre Channel ist schnell und zuverlässig. Es existiert großes Wissen über Anwendung, Optimierung und Betrieb. Andererseits ist der Betrieb zweier unterschiedlicher Kommunikations-Infrastrukturen immer problematisch, und das nicht nur an den Übergabepunkten. Denkt man nun darüber nach, die Kommunikations-Infrastruktur zu vereinheitlichen und somit zu vereinfachen, zeigt sich, dass es unheimlich praktisch wäre, wenn man z.B. Fibre Channel ebenfalls über Ethernet abwickeln könnte.
Bis jetzt war dieser Gedanke nicht nahe liegend, denn die meisten Fibre-Channel-Netze laufen mit Übertragungsgeschwindigkeiten von 1, 2, oder 4 Gbit/s. Und ein 2- oder 4-Gbit/s Fibre Channel System mit Gigabit Ethernet Link Aggregation nachzubilden, ist ein etwas absurder Gedanke.
Aber: Erlösung naht, und zwar einerseits in Form neuer Standards, die man sofort „brauchen“ kann und andererseits in Form von Produktangeboten der einschlägigen Hersteller.
Die für die RZ-Restrukturierung wesentlichen Standards sind:
- IEEE 802.3 ae 10 Gigabit Ethernet. Der klassische, schon 2002-2003 verabschiedete Standard deckt neben dem lokalen auch den Metro- und Wide-Area-Bareich ab. Er nimmt aber wenig Rücksicht auf die bestehende Verkabelungssituation und Systeme nach diesem Standard wurden bislang im lokalen Bereich nur sehr zögerlich eingeführt.
- IEEE 802.3 ak 10 GBASE-CX4 von 2004 erlaubt die Verwendung von Twinax-Kabeln für die Übertragung auf ein paar Dutzend Metern. Systeme in diesem Sinne sind jedoch offensichtlich unbeliebt und deshalb heute sehr günstig zu haben.
- IEEE 802.3 an 10 GBASE-T von 2006 bringt 10 Gigabit über ein maximal 100m langes Kupferkabel der „erweiterten“ Kategorie 6. Viele RZs haben in vorauseilendem Gehorsam Kat 7 Verkabelungen installiert, die im angestrebten Sinne nun nie benötigt werden – aber auch 10 GBASE-T darauf schön rund.
- IEEE 802.3 aq 10 GBASE-LRM von 2007. Durch Optimierungen auf der Transceiverseite können hier auch „schlechtere“ bestehende Multimode-Glasfaser-Verkabelungen bis 220 m benutzt werden. Diese Variante ist ein echter Preishammer, Module gibt es schon ab 800 Euro.
- IEEE 802.3 ba 40/100 Gigabit Ethernet. Es ist vollkommen klar, dass man sich spätestens im Kernnetz der Frage nach 40 Gigabit nicht entziehen kann, wenn man Server mit 10 GbE anbindet. Ansonsten würde man nur die Aggregationsproblematik nach oben verschieben. Der Standard wird 2009 fertig.
- INCITS T11 FCoE. Der Standard Fibre Channel over Ethernet dient der Konsolidierung, indem so auch Fibre Channel Daten über ein (zu diesem Zweck leicht angereichertes) Ethernet laufen können. Der Standard ist so konstruiert, dass nur die physikalische Übertragung ersetzt wird, alle bekannten und beliebten FC-Funktionen bleiben erhalten. Wird noch 2008 fertig.
- „Lossless Ethernet“ wird zwar gerne als Standard bezeichnet, ist aber keiner. Es geht hier lediglich darum, die bei Hochlastsituationen in Switches übliche Funktion des Wegwerfens von Paketen zu eliminieren, da dies z.B. für FCoE untragbar ist.
Viele Hersteller haben derzeit bestimmte Teilmengen der genannten Standards in ihren Geräten implementiert und bieten diese im Rahmen einer zugrunde liegenden Strategie meist unter blumigen Namen wie z.B. „Converged Enhanced Ethernet“ an.
Um jedoch genau zu wissen, was man im Einzelfall tatsächlich erhält, muss man oft sehr genau hinsehen und die technischen Daten detailliert hinterfragen. Um Sie genau in diesen Fragen bestmöglich zu unterstützen, wird IP-Insider das Thema FCoE und Netzkonsolidierung in Rechenzentren in den kommenden Wochen in zahlreichen weiteren Artikeln aufgreifen.
Über den Autor
Dr. Franz-Joachim Kauffels ist seit mehr als 25 Jahren als unabhängiger Unternehmensberater, Autor und Referent im Bereich Netzwerke selbständig tätig. Mit über 15 Fachbüchern in ca. 60 Auflagen und Ausgaben, mehr als 1.200 Fachartikeln sowie unzähligen Vorträgen ist er ein fester und oftmals unbequemer Bestandteil der deutschsprachigen Netzwerkszene, immer auf der Suche nach dem größten Nutzen neuer Technologien für die Anwender.
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