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Ethernet als Plattform für die Standortvernetzung und den Aufbau weltweiter VPNs

Ethernet External Network-to-Network Interface (ENNI) hilft dem globalen Ethernet auf die Sprünge

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Umfangreiche Abstimmung zwischen Carriern und Providern

Auch wenn die Protokolle und Funktionalitäten durch die verschiedenen MEF-Spezifikationen eindeutig definiert sind, in der Praxis ist der Übergang zwischen Netzen mehrerer Operatoren alles andere als einfach. Schließlich gilt es nicht nur, eine physikalische Verbindung zu schaffen, die eine fehlerfreie Übertragung ermöglicht, sondern eben die vereinbarten Servicequalitäten (QoS) und Service Level Agreements (SLAs) über mehrere Netze hinweg sicherzustellen.

„Diese Aufgabe”, so Carsten Rossenhövel, Managing Director des European Advanced Network Test Center (EANTC) in Berlin, „erfordert umfangreiche Abstimmungen zwischen den Betreibern, die bisher im Einzelfall auch schon einmal mehrere Monate dauern.“ Denn im Geschäftsalltag geht es bei vielen Anwendungen um garantierte Bandbreiten, Latenzzeiten und Verfügbarkeiten. „Hier“, so Carsten Rossenhövel weiter, „muss etwa im Fehlerfall eindeutig bestimmt werden können, in welchem Segment das Problem auftritt und was von wem zu tun ist.“

Dies betrifft insbesondere die Fragen des übergreifenden Managements. „Mit Ethernet OAM existiert eine Familie von Spezifikationen, die Fehler-Management und Performance-Monitoring sowohl bei Intra-Provider- als auch bei Inter-Provider-Services ermöglichen“, so Rossenhövel weiter. Der nächste konsequente Schritt war die Definition einer allgemeingültigen Schnittstelle zwischen den Netzen, der ENNI; Ethernet External Network-to-Network Interface, wie sie in der MEF-Spezifikation 26 beschrieben ist.

Auf dieser Basis hat das MEF mit dem Global Interconnect Programm einen Weg geschaffen, durch die Standardisierung der Übergabe zwischen Netzwerkbetreibern die Bereitstellung und Fehlerbeseitigung grundlegend zu vereinfachen. Erreicht wird damit eine deutliche Reduzierung der Bereitstellungszeit von Inter-Provider-Services sowie eine erhebliche Kostenreduzierung beim Management der Services.

Das gesamte Programm ruht auf mehreren Säulen. Basis bilden die detaillierten technischen Spezifikationen für standardisierte Ethernet-Interconnects, die in der Praxis durch entsprechende Tests und Zertifizierungen von Hardware und Services verifiziert werden. Zur konkreten Abwicklung stellt das MEF darüber hinaus weitergehende Werkzeuge für das Partner Engagement und das Provisioning bereit.

Praxistauglichkeit beweisen

Diese Initiativen haben entsprechende Früchte getragen: Von nahezu Null im Jahre 2001 hat der weltweite Umsatz mit Carrier-Ethernet-Services bereits im Jahre 2008 einen Umfang von 22 Milliarden USD erreicht und wird bis zum Jahr 2013 bei 34 Milliarden USD liegen, weil immer mehr Unternehmen die Vorzüge des Protokolls für die eigenen Aufgabenstellungen nutzen.

Und tatsächlich kann Ethernet im WAN in den unterschiedlichsten Disziplinen punkten. Das betrifft etwa die einfache Integration der WAN-Verbindung in die bestehende LAN-Infrastruktur, die große Flexibilität durch einfache Skalierung von Bandbreiten oder auch die hohe Verfügbarkeit. Carrier Ethernet ist damit prädestiniert für eine Vielzahl von Unternehmensanwendungen, von der Vernetzung von Filialen über Rechenzentrumsanbindung bis zu globalen VPNs.

Allerdings müssen neue Technologien erstens beweisen, dass sie in der Praxis die Versprechen halten können, und zweitens bedarf es eines Angebotes, das in puncto Verfügbarkeit, Preis-Leistungs-Verhältnis und Qualität konkurrenzfähig ist.

Die Praxistauglichkeit von Inter-Carrier-Netzen hat Ethernet spätestens mit den umfassenden Praxistests von EANTC und Ancotel mit den elf Netzbetreibern Belgacom ICS, Equinix, Expereo International, Golden Telecom, Kazakh Telecom, Level 3, P&T Luxembourg, Teragate, Tinet, Ucomline und XO Communications unter Beweis gestellt. Die zentralen Komponenten kamen dabei von Alcatel-Lucent (Interconnect-Switch), MRV (managed CPE Geräte an den Außenstandorten) und Spirent Communications (Messgeräte).

Hinsichtlich der Angebote für Unternehmen können nun auf Basis von Global Interconnect die Netzbetreiber und Service-Provider im Wettbewerb beweisen, welche wirtschaftlichen Vorteile der Service für Unternehmen bereithält. Dabei ist Wholesale ein Stichwort, das in diesem Zusammenhang mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Weil auf Basis der ENNI-Schnittstelle (Ethernet Network-to-Network Interface) und des Global Interconnect Programms des MEF die Bereitstellung von Carrier-übergreifenden Verbindungen schnell, einfach und zuverlässig möglich ist, stellen auch in Deutschland die Netzbetreiber ihre Kapazitäten anderen Providern zur Verfügung und öffnen so den Raum für individuelle Services und Angebote.

Der Kunde profitiert vom Wettbewerb

An Attraktivität für den Kunden gewinnen Ethernet-Dienste etwa auch dadurch, dass Unternehmen wie Ericsson in Deutschland Carriers-Carrier Managed Ethernet Services über Richtfunk anbietet, mit denen Netzbetreiber unabhängig vom Standort oder den verfügbaren Kabelinfrastrukturen Ethernet-WAN-Zugänge realisieren können. Joachim Bürkle, Solutions Manager Transport Networks bei Ericsson: „Ethernet ist nicht an das Transportmedium gebunden. Microwave ist heute eine überaus wirtschaftliche Alternative, Bandbreite und Services auch dort bereitzustellen, wo die klassischen Carrier nicht ihre Investitionsschwerpunkte setzen.“

Profitieren können davon langfristig die Kunden. Anstatt von den Angeboten der Platzhirsche, neudeutsch „Incumbents“ abhängig zu sein, eröffnen sich ihnen maßgeschneiderte Alternativen durch regionale oder spezialisierte Player. Wenn die Verbindung zwischen Carriern trotz unterschiedlicher Hardware, unterschiedlichem Netzdesign und Parametern dennoch schnell, für den Kunden nahtlos und ohne Qualitätseinbußen zu schaffen ist, dann sind dem Wettbewerb wenig Schranken gesetzt. So sieht es etwa auch Thomas Bender, Head of Global Telco & Access Management Germany bei BT: „Wir können als Serviceprovider heute effizienter handeln und Ethernet-Dienste zeitnah und qualitätsgerecht ausliefern. Die Kunden haben den Vorteil, globale Ethernet-Produkte mit einheitlich definierten Parametern hochqualitativ und flächendeckend nutzen zu können.“

Der Wholesale-Gedanke, also der Weiterverkauf von Ethernet-Services hat mittlerweile auch eine institutionelle Entsprechung gefunden. Mit Carrier-Ethernet-Exchanges wollen Unternehmen wie CENX und Equinix die Netzwerkübergänge zwischen verschiedenen Carriern zentralisiert managen und so verfügbare Kapazitäten und Services koordinieren. Equinix betreibt bereits Carrier Ethernet Interconnect Netzknoten an zwölf Standorten weltweit. Bei CENX ist nach entsprechenden Installationen in den USA, Hong Kong und London ist ein entsprechender Knoten nun auch für Frankfurt avisiert.

Mit der Verfügbarkeit von zertifizierten Infrastrukturkomponenten und Netzen, der Definition von Netzübergängen und der Bereitstellung von Services für die Netzkopplung unter Einhaltung der vereinbarten Servicegarantien für den Kunden hält Carrier Ethernet nun alle Trümpfe in der Hand, sich zur ersten Wahl beim Aufbau von regionalen oder weltumspannenden Anwendernetzen zu entwickeln. Es ist an den Providern, diese Karte zu spielen und gemeinsam mit ihren Kunden an entsprechenden Angeboten und Projekten zu arbeiten.