Suchen

Apple und Samsung stehen in der Kritik Diskussion über Arbeitsbedingungen nun auch in der IT-Industrie

| Autor / Redakteur: Harry Jacob / Katrin Hofmann

Seit 2009 ist Corporate Social Responsibility ein Aspekt der TCO-Zertifizierung. Doch Aufmerksamkeit erhalten die sozialen Zustände der IT-Produktion erst, wenn konkrete Firmen am Pranger stehen. Nach Apple hat es nun Samsung getroffen. Die Koreaner wollen sich für Verbesserungen einsetzen. Doch das dauert.

Firma zum Thema

Nach einer Massenschlägerei beim Apple-Zulieferer Foxconn im September dieses Jahres mussten viele Mitarbeiter ins Krankenhaus.
Nach einer Massenschlägerei beim Apple-Zulieferer Foxconn im September dieses Jahres mussten viele Mitarbeiter ins Krankenhaus.
(Bild: VBM-Archiv )

„Wir suchen und entwickeln Maßnahmen, die Überstunden jenseits des gesetzlich zulässigen bis Ende 2014 abzubauen“, teilte Samsung kürzlich mit. Der koreanische IT-Gigant will seine Zulieferer also dabei unterstützen, in den kommenden zwei Jahren die Produktion so zu gestalten, dass sie nicht mehr gegen bestehende Gesetze verstößt.

Das ist zumindest schon ein kleiner Fortschritt. Angestoßen wurde er von der Arbeitsrechtsorganisation China Labor Watch. Die hatte Anfang September über massenhafte Überstunden und andere Missstände bis hin zu Kinderarbeit berichtet. Samsung hat daraufhin eine Untersuchung aller Partnerfirmen in Gang gesetzt.

In einem Zwischenbericht Ende November kam das Unternehmen zu dem Ergebnis, dass es zwar keine Kinderarbeit bei den Zulieferern gebe, aber verschiedene andere soziale Missstände, für deren Beseitigung Samsung einen Teil der Verantwortung übernimmt. Bis Ende des laufenden Jahres will Samsung alle Lieferanten überprüft haben und entsprechende Maßnahmen gemeinsam mit diesen entwickeln.

Kunden werden kritischer

Schon lange ein Thema sind die Produktionsbedingungen in der Textilindustrie. Kinderarbeit ist dort inzwischen verpönt, aber ansonsten hat sich wenig geändert. Durch Vorfälle wie die Brandkatastrophe in Bangladesh bekommt das Thema aber wieder mehr Aufmerksamkeit.

Im Finanzbereich hat sich nach der Aufdeckung der Exzesse der vergangenen Jahre die Erkenntnis breitgemacht, dass die Kunden nicht so sehr wie die die eigenen Händler nach Profiten gieren, sondern auch auf soziale Aspekte des Wirtschaftens Wert legen. So gibt es bereits einige Institute, die zum Beispiel damit werben, nicht mehr mit Lebensmitteln zu spekulieren.

Unter den IT-Produzenten steht insbesondere Foxconn im Fokus der Berichterstattung. Der asiatische Produzent, der praktisch für die gesamte IT-Industrie produziert, hatte mit einer beispiellosen Selbstmordserie zu kämpfen, die den Arbeitsdruck der Angestellten deutlich machte. Eine Massenschlägerei in einem iPhone-Werk von Foxconn fiel schließlich auch auf Apple zurück.

Apple macht sich angreifbar

Angesichts spektakulärer Erfolge bei der Gewinnmaximierung (Rohmarge im vergangenen Quartal über 40 Prozent, die Steuerquote auf Auslandsumsätze bei 1,9 Prozent) fragen sich immer mehr Menschen, ob das grüne und soziale Image, das sich Apple auf seiner Website gibt, mit der Realität in Einklang steht. Eine konkrete Nachfrage von IT-BUSINESS zu den Aussagen bezüglich der Zulieferer blieb leider unbeantwortet.

Sogar Bundespräsident Joachim Gauck sprach in seiner Rede zu einem verantwortungsvollen Kapitalismus Mitte November den Kulthersteller direkt an: „Wo Handys zum Lifestyle werden, sind Produktionsbedingungen immer öfter nicht egal. Man kann morgens um fünf Uhr für das neueste Gerät anstehen. Man kann aber auch einen ganzen Tag lang vor dem Laden gegen unmenschliche Arbeitsverträge protestieren.“

Welchen Weg Samsung und Apple einschlagen, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 37294680)