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Die Zukunft der Telekommunikationsbranche Disaggregation: Schlüssel­kom­po­nen­te für mo­der­ne Telco-Stacks

Von Richard Brandon

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Der drastische Anstieg des Datenverkehr setzt unsere Infrastruktur unter enormen Druck – Druck, der in naher Zukunft noch weiter zunehmen wird. Es warten große Herausforderungen auf die Telekommunikationsbranche. Doch es gibt eine Lösung: die Disaggregation von Netzen.

Disaggregation ist längst Standard – und damit nicht länger die disruptive Technologie, für die sie einst gehalten wurde.
Disaggregation ist längst Standard – und damit nicht länger die disruptive Technologie, für die sie einst gehalten wurde.
(Bild: © – AliFuat – stock.adobe.com)

Die Covid-19-Pandemie wirkt sich noch immer auf die Telekommunikationsbranche aus. Viele der aufgetretenen Bewegungseinschränkungen, wie z.B. die Telearbeit, sind nach wie vor vorhanden, und die meisten Unternehmen haben sich für hybride Arbeitsformen entschieden. Infolgedessen hat der Datenverkehr drastisch zugenommen und angesichts von Entwicklungen wie dem Metaverse wird die Nachfrage nach Telekommunikationsdiensten nur noch weiter steigen. Es ist also an der Zeit, sich zu fragen, ob der eigene Telco-Tech-Stack für die heutigen und die zukünftigen Herausforderungen gerüstet ist.

Die drei großen Herausforderungen der Telekommunikationsunternehmen

Die erste Herausforderung ist der hohe Netzwerkverkehr und die fehlende Toleranz gegenüber Ausfallzeiten. Der Anstieg des Voice- und des Datenverkehrs mag für Unternehmen großartig erscheinen, doch er geht nur selten mit Umsatzsteigerungen einher und setzt die Anbieter unter immensen Druck. Verstärkt wird dieser Druck dadurch, dass ein schlechtes Netz das Image eines Telekommunikationsunternehmens beschädigen kann. Um die Leistung zu steuern oder zu verbessern, können Telcos in mehr Infrastruktur investieren. Doch leider führt der Ausbau von Kapazitäten in einem Bereich oft nur zu Engpässen in einem anderen Teil des Netzes.

Die zweite Herausforderung sind Engpässe in der Lieferkette – einschließlich Hardware-, Arbeits- und Geräteknappheit. Dies führt derzeit zu erheblichen Verzögerungen bei der Aufrüstung des 5G-Netzes, die von einer Vielzahl an Hardware abhängt – Chips, Funkausrüstung und 5G-Türme, um nur einige zu nennen. Leider werden wir angesichts der Folgen der Null-Covid-Strategie in China, des Russland-Ukraine-Kriegs und einer ganzen Reihe anderer geopolitischer Faktoren in absehbarer Zukunft wahrscheinlich Störungen in der Lieferkette erleben.

Die dritte Herausforderung ist die digitale Qualifikationslücke. Da die Telekommunikationsunternehmen von traditioneller Hardware zu nativen Cloud-Strategien übergehen, benötigen sie neue Fähigkeiten von Ingenieuren, die mit Cloud-Technologien vertraut sind. Vor zwei Jahren wurde der Telekommunikations-Cloud-Markt auf 25 Mrd. US-Dollar geschätzt und soll bis 2026 auf 74 Mrd. US-Dollar anwachsen. Die damit verbundene Herausforderung besteht darin, dass besondere Fähigkeiten und Schulungen erforderlich sind, um den aktuellen und künftigen Anforderungen dieser wachsenden Branche gerecht zu werden, wobei jedoch eine wachsende Qualifikationslücke sowohl bei internen als auch bei ausgelagerten Mitarbeitern besteht. Das Angebot an Technikern, die Strom-, Glasfaser- und Funkausrüstungen an Telekommunikationsstandorten installieren können, ist bereits gering, und wie man sich vorstellen kann, ist ein Ingenieur, der sich auch mit der Cloud auskennt, ein seltener Fund.

Die Lösung heißt Netzdisaggregation

Die Netzdisaggregation ist die Grundlage eines modernen, zukunftssicheren Telco-Technologiestacks. Einfach ausgedrückt geht es darum, die Netzwerkausrüstung in Komponenten aufzuteilen, die unabhängig voneinander funktionieren und eingesetzt werden können. Entscheidend ist, dass die Disaggregation des Netzes Hardware und Software voneinander trennt, sodass sie unabhängig voneinander betrieben werden können – das genaue Gegenteil einer monolithischen Legacy-Telekommunikationsinfrastruktur.

Es gibt verschiedene Arten der Netzdisaggregation: Disaggregation der Verwaltungsebene, Systemdisaggregation, Disaggregation der Diensteebene, Siliziumdisaggregation und Disaggregation der Steuerungsebene. Unabhängig von der Form, die sie annimmt, bleiben die Beweggründe der Telekommunikationsunternehmen für die Einführung der Netzdisaggregation dieselben: mehr Flexibilität und niedrigere Kosten, genauer gesagt 40 Prozent weniger.

Der Flexibilitätsaspekt von disaggregierten Netzen ist ein entscheidender Faktor. Bislang war die Entwicklung der traditionellen Telekommunikationsinfrastruktur durch feste Software- und Hardwarekombinationen begrenzt.

Die Disaggregation der Netze schafft hier Abhilfe. Im Gegensatz zu herkömmlichen monolithischen Systemen kombinieren disaggregierte Netzwerke kostengünstige Standardhardware mit cloudnativer disaggregierter Routing-Software. Dies ermöglicht es Netzbetreibern, ihre Netze mit einer Cloud-Native-Methode zu strukturieren. Dies macht die Netzwerkdisaggregation zu einer robusten, einfacher zu beschaffenden und kostengünstigeren Option, die den Nutzern sogar Einsparungen von mehr als 40 Prozent (CAPEX und OPEX) über fünf Jahre ermöglicht.

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Die Disaggregation von Netzen wird heute durch kostengünstige, in großen Stückzahlen hergestellte Netzwerkchipsätze, das „Merchant Silicon“, ermöglicht. Merchant-Silicon-Chipsätze werden für den Bau einer neuen Art von leistungsstarken und preiswerten „Bare-Metal-Switches“ verwendet. Diese Bare-Metal-Switches sind wie herkömmliche Routersysteme aufgebaut, aber preiswerter als vergleichbare Standard-Telekommunikationsgeräte.

Disaggregierte Netze entschärfen auch das Problem des Fachkräftemangels. Dank der Einfachheit der Übernahme gängiger Betriebssysteme und der fortgeschrittenen Fähigkeiten der Software sind weniger menschliche Arbeitskräfte für die Verwaltung oder Erweiterung des Netzes erforderlich. Ja, die vorhandenen Techniker müssen geschult werden, wie man Netze nach diesem Konzept aufbaut und verwaltet. Aber angesichts der Vorteile disaggregierter Netze (Skalierbarkeit, Flexibilität, Cloud-Kompatibilität, keine Bindung an einen bestimmten Anbieter und Kosteneffizienz) scheint dies durchaus lohnenswert.

Wie wirkt sich die Netzdisaggregation auf die Sicherheit aus?

Aufgrund der weltweiten anhaltenden geopolitischen Spannungen müssen Telekommunikationsunternehmen mehr denn je für Sicherheitsbedrohungen sensibilisiert sein. Feindliche Staaten greifen häufig die Telekommunikationsinfrastruktur ihrer Gegner an, um eine verdeckte Überwachung durchzuführen. Selbst unbegründete Behauptungen über Sicherheitsverletzungen können die Kundenbeziehungen von Telekommunikationsunternehmen ernsthaft gefährden. Telekommunikationsunternehmen sind ein beliebtes Ziel, weil sie die Daten von Millionen von Kunden übertragen. Ein Beispiel für einen durch Daten provozierten Angriff auf ein Telekommunikationsunternehmen ist der jüngste Angriff auf das australische Telekommunikationsunternehmen Optus, bei dem 10 Mio. Kundendaten abgegriffen wurden.

Die Disaggregation ermöglicht es den Telekommunikationsunternehmen, White-Box-Hardware von verschiedenen Händlern zu kaufen und unabhängige Software von einem zuverlässigen Anbieter zu verwenden. Sollte ein Sicherheitsproblem auftauchen, kann die Hardware dank der Disaggregation problemlos ausgetauscht werden, ohne dass die physische Infrastruktur beeinträchtigt wird. Mit White-Box-Hardware muss man sich weniger Sorgen um die Sicherheit machen, da die Hardware selbst eine leere Leinwand ist. Mit der Software können Sie disaggregierte Systeme nutzen, welche Bare-Metal-Switches in IP/MPLS-Switches umwandeln, die in Telekommunikationsnetzen verwendet werden.

Richard Brandon.
Richard Brandon.
(Bild: RtBrick)

Die Disaggregation von Netzwerken ist unbestritten die Zukunft der Telekommunikationsbranche – sie erweitert die Kapazität der Infrastruktur nach Bedarf und bietet Flexibilität ohne Anbieterbindung. Mit Blick auf die Zukunft wird die Disaggregation bereits zur Standardpraxis für Telekommunikationsunternehmen. Sie ist nicht länger die disruptive Technologie, für die sie einst gehalten wurde.

Über den Autor

Richard Brandon ist VP of Strategy and Business Development bei RtBrick.

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