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Developer Happiness Index von Honeypot Deutschlands IT-Fachkräfte – was sie wollen und was nicht

Autor / Redakteur: Heidi Schuster / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Seit Jahren werden in Deutschland IT-Fachkräfte händeringend gesucht und die Corona-Pandemie hat diesen Mangel sogar noch verstärkt. Der Bitkom sprach zuletzt von 124.000 unbesetzten Tech-Stellen. Doch was wollen Fachkräfte eigentlich?

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Deutschlands IT-Fachkräfte sind nicht die glücklichsten.
Deutschlands IT-Fachkräfte sind nicht die glücklichsten.
(Bild: Aldeca Productions - stock.adobe.com)

Unternehmen, die digital gut aufgestellt sind, kommen besser durch die Coronakrise, doch dafür sind IT-Fachkräfte nötig, an denen es seit Jahren in Deutschland mangelt.

Um mehr Tech-Talente nach Deutschland zu bekommen und das IT-Recruiting zu verbessern lohnt sich ein Blick darauf, was Softwareentwickler glücklich und zufrieden macht: welche Faktoren in Bezug auf ihre Karriere erachten sie als wichtig, in welchen Bereichen sind sie hierzulande zufrieden und wo herrscht Nachbesserungsbedarf. Die Jobplattform Honeypot hat dazu eine Studie zum Thema Developer Happiness durchgeführt, bei der von Dezember 2019 bis Februar 2020 weltweit rund 4.000 Entwickler aus 98 Ländern befragt wurden.

Wie zufrieden sind Softwareentwickler?

Deutsche Softwareentwickler bewerten ihre Zufriedenheit mit 64 von 100 möglichen Punkten, 3 Punkte mehr als der globale Durchschnitt – sie sind damit auf Platz 8 weltweit. Entwickler in Dänemark (71 Punkte), Österreich (67 Punkte), der Schweiz (67 Punkte) und den Niederlanden (67 Punkte) sind aber glücklicher.

Am wichtigsten ist deutschen Developer die Work-Life-Balance (74 %), aber nur 38 Prozent sind in ihrem derzeitigen Job auch damit zufrieden. Frauen (83 %) gewichten diesen Faktor dabei sogar noch höher als Männer (73 %). Für Frauen ist die Work-Life-Balance nicht nur wichtiger, unter ihnen ist auch ein größerer Teil unzufriedener damit als unter Männern. Sie sind auch unzufriedener als die Frauen weltweit. 39 Prozent der Entwicklerinnen weltweit sind mit ihrer Work-Life-Balance sehr zufrieden, verglichen mit 33 Prozent der Entwicklerinnen in Deutschland.

Die Arbeitsumgebung und die Unternehmenskultur sind für 67 Prozent sehr wichtig, zufrieden damit sind lediglich 25 Prozent. Die Möglichkeit zu lernen und zur Weiterbildung sind 60 Prozent der deutschen Entwicklern sehr wichtig. Aber auch hier ist die tatsächliche Zufriedenheit mit 21 Prozent deutlich niedriger als der Wunsch danach.

Die Frage nach dem Geld

Erstaunlich ist bei der Umfrage, dass nur für 31 Prozent der Befragten das Gehalt sehr wichtig ist. Allerdings sind auch nur 16 Prozent mit ihrem Einkommen zufrieden.

Nach den Daten des Developer Happiness Index beträgt das Durchschnittsgehalt für einen in Deutschland arbeitenden Software-Entwickler etwa 50.418 Euro. Die niedrigsten gemeldeten Gehälter lagen bei etwa 18.000 Euro für Einstiegspositionen, während die erfahrensten Entwickler Gehälter von über 200.000 Euro verzeichneten.

Einige Studienteilnehmer gaben auch Gehälter im höheren sechsstelligen Bereich an – höchstwahrscheinlich Gehälter von technischen Spezialisten und Developern in Managementpositionen.

Es gibt einige leichte Unterschiede zwischen den Gehältern von männlichen und weiblichen Entwicklern in Deutschland. Hierbei ist aber wichtig zu beachten, dass die vorliegende Stichprobengröße für männliche Entwickler deutlich größer ist als die für weibliche Entwickler. Aus den Daten geht hervor, dass der Unterschied zwischen den Gehältern von männlichen und weiblichen Entwicklern etwa 2 Prozent beträgt – zum Vorteil der Männer. Der größte merkliche Unterschied besteht zwischen männlichen und weiblichen Junior-Developern – Einstiegsgehälter sind für Frauen deutlich höher. Das könnte mit der hohen Nachfrage nach weiblichen Entwicklern in der Branche zusammenhängen.

Insgesamt ist die Gender Pay Gap in Deutschland mit 2,2 Prozent zum Nachteil der Frauen sehr gering. In Westeuropa gibt es eine durchschnittliche Gender Pay Gap von 16 Prozent, in Nordeuropa sind es 17 Prozent.

Den gesamten Developer Happiness Index von Honeypot für Deutschland finden Sie hier.

Und weltweit?

Von den 10 Ländern mit den glücklichsten Developern, sind 9 in Europa. Kanada ist das einzige Land außerhalb Europas unter den Top 10 mit 62 Prozent an glücklichen Entwicklern. Die glücklichsten kommen aus Nordeuropa (67 %) – sie haben auch die wenigsten Wochenarbeitsstunden.

Die Work-Life-Balance ist der wichtigste Faktor für die Zufriedenheit von Entwicklern. Aber: In Nordamerika ansässige Entwickler sind am zweitzufriedensten mit ihrer Work-Life-Balance, obwohl sie weltweit am längsten arbeiten.

Zu Beginn der beruflichen Laufbahn ist weltweit die Bezahlung zwischen Frauen und Männern fast gleich. Nach zwei Jahren Berufserfahrung vergrößert sich der Unterschied jedoch. Frauen verdienen im globalen Schnitt 9 Prozent weniger als Männer. Trotzdem sind weibliche Entwickler mit ihrem Gehalt tendenziell zufriedener als männliche Entwickler.

Gender Pay Gap: In Osteuropa werden männliche Entwickler 22 Prozent schlechter bezahlt als weibliche Entwickler. In jeder anderen Region werden Männer besser bezahlt als Frauen. Die Regionen mit der größten Gender Pay Gap zum Nachteil von Frauen sind Nord- und Südamerika mit -21 Prozent und -35 Prozent.

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