Kommunikation, digital Workplace, Computer, Tablets, Smartphones & Co.

Der moderne Arbeitsplatz als Mittel zur Mitarbeiterbindung

| Autor / Redakteur: Dr. Uwe Heckert / Andreas Donner

Die Arbeitsplatzausstattung ist ein wesentlicher Punkt für Mitarbeiter, um bei Arbeitgebern die Spreu vom Weizen zu trennen.
Die Arbeitsplatzausstattung ist ein wesentlicher Punkt für Mitarbeiter, um bei Arbeitgebern die Spreu vom Weizen zu trennen. (Bild: © beeboys - stock.adobe.com)

Die digitale Kluft in der deutschen Wirtschaft wächst. Eine Studie zum Thema "Technologie-Vorreiter versus Tech-Nachzügler" zeigt: Unternehmen, die ihre Arbeitsplätze nicht mit zeitgemäßer Technologie ausstatten, leben in Zeiten des Fachkräftemangels gefährlich.

Weniger als ein Viertel – 22 Prozent – der Unternehmen in Deutschland sind technologische Vorreiter, 19 Prozent sind technologische Nachzügler. Das ergab eine aktuelle Umfrage*, die das Marktforschungsinstitut Loudhouse in 12 Ländern für Unisys durchgeführt hat. Dabei verfügt Deutschland über signifikant weniger technologische Vorreiter als der globale Durchschnitt (hier sind 32 Prozent technologische Vorreiter) und die niedrigste Zahl an digitalen Vorreitern in allen 12 Ländern, in denen die Studie durchgeführt wurde. Das muss sich dringend ändern!

Moderne Technologie und Mitarbeiterbindung

Nun geht es bei der digitalen Transformation zum einen um Effizienz und Kostenminimierung, Kundenbindung, Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit – zum anderen aber auch um die Versorgung der eigenen Mitarbeiter mit modernen Computern, Smartphones & Co. Hier zeigen die Studienergebnisse: Unternehmen, die ihre Arbeitsplätze nicht mit zeitgemäßer Technologie ausstatten, leben in Zeiten des Fachkräftemangels gefährlich.

Als Nachzügler in Sachen Digitalisierung riskieren sie massiven Frust in der Belegschaft – und mehr Kündigungen als Technologie-Vorreiter. So äußerten sich fast die Hälfte (45 Prozent) der Mitarbeiter von ‘technologischen Nachzüglern’ negativ über ihren Arbeitgeber – im Vergleich zu 11 Prozent der Arbeitnehmer bei Technologie-Vorreitern. Außerdem sind 84 Prozent der Angestellten bei den High-Tech-Unternehmen zufrieden mit ihrem Job, bei den Slow-Tech-Unternehmen hingegen nur 17 Prozent.

Fast ein Drittel (30 Prozent) der Arbeitnehmer von technologischen Nachzüglern sind ihrem Arbeitgeber gegenüber negativ eingestellt, was direkt mit einem drohenden Verlust von Arbeitskräften korreliert: Arbeitnehmer bei Technologienachzüglern (15 Prozent) sind sieben Mal eher bereit, ihren Arbeitgeber zu wechseln als ihre Pendants bei technologischen Vorreitern (zwei Prozent). Die Ergebnisse machen klar: moderne Technologie am Arbeitsplatz muss endlich als Mittel zur Mitarbeiterbindung gesehen werden – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Unternehmen, die sich darum nicht kümmern, haben hier einen erheblichen Nachteil im Kampf um die besten Talente.

Mitarbeiter wollen moderne und mobile Endgeräte – Deutschland hinkt hinterher

Endgeräte sind der größte Schmerzpunkt für Mitarbeiter von technologischen Nachzüglern: 46 Prozent klagen, dass veraltete Endgeräte sie davon abhalten, produktiver zu sein. Das sind mehr als drei Mal so viele im Vergleich zu High-Tech-Unternehmen, wo 13 Prozent angaben, unter überholten Endgeräten zu leiden. Deutschland liegt hier im internationalen Vergleich zurück: Nur 37 Prozent der Befragten in Deutschland verfügen über die passende technische Ausstattung, um überall bzw. mobil arbeiten zu können, weltweit ist das bei 49 Prozent so. 39 Prozent in Deutschland nutzen einen Laptop in der Arbeit versus 56 Prozent auf globaler Ebene. Auch in puncto Smartphone-Einsatz hinken deutsche Arbeitnehmer hinterher: Hierzulande nutzen 51 Prozent geschäftlich ein Smartphone, weltweit tun das 63 Prozent.

BYOD als Risiko

31 Prozent der deutschen Arbeitnehmer nutzen dabei ihr privates Smartphone für berufliche Zwecke, während 23 Prozent ein Smartphone vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt bekommen. Fast die Hälfte (44 Prozent) derjenigen Befragten, die ihr privates Endgerät – mehrheitlich Smartphones – am Arbeitsplatz nutzen, greifen auf Apps und Websites zurück, die die IT-Abteilung ihrer Arbeitgeber nicht unterstützt – mehrheitlich mit der Begründung, diese seien besser als die, die das Unternehmen zu Verfügung stelle bzw. ihr Unternehmen biete keine passende Alternative an. Sicherheitsrichtlinien werden dabei außer Acht gelassen. Außerdem haben 58 Prozent der Befragten schon einmal bewusst Sicherheitsrichtlinien umgangen, um schneller oder effizienter zu sein. Zu diesen Vorgängen zählt beispielsweise das Aufschreiben von Passwörtern oder das Speichern von Passwörtern im Browser oder das Downloaden von Daten auf einen USB-Stick.

Infografik Digitale Dividende.
Infografik Digitale Dividende. (Bild: Unisys)

Künstliche Intelligenz und IoT sind die Treiber der Arbeitsplatz-Transformation

Für die Studie wurden Arbeitnehmer auch zu ihrer Einschätzung bezüglich junger Technologien und deren Potenzial für die Zukunft befragt. So betrachten 33 Prozent aller Umfrage-Teilnehmer in Deutschland Künstliche Intelligenz (KI) als besonders aufstrebende Innovation, die das Zeug dazu hat, ihre Arbeitsumgebung innerhalb der nächsten fünf Jahre grundlegend zu verändern. 26 Prozent der gleichen Stichprobe schätzen Internet-of-Things (IoT)-Technologien als starken Transformations-Treiber am Arbeitsplatz ein. Erstaunlich ist: Während die Mehrheit der Befragten sich mit diesen Begriffen durchaus vertraut zeigt, gaben nur 23 bzw. 19 Prozent an, tatsächlich zu verstehen, was hinter IoT und KI steckt.

Die Angst vor dem Wandel

Wer sich mit neuen Technologien auskennt, hat offenbar auch eher Angst, künftig von ihnen ersetzt zu werden: 65 Prozent der Mitarbeiter in High-Tech-Unternehmen nutzen bereits Intelligenz-basierte Anwendungen. Das könnte eine Erklärung dafür sein, warum mit 36 Prozent fast doppelt so viele Mitarbeiter bei den Vorreitern meinen, in fünf Jahren könnte ihr Job von Maschinen übernommen werden, als bei den Nachzüglern (19 Prozent).

Systeme und Anwendungen sind nicht wirklich intuitiv oder einfach zu nutzen und es mangelt am Support durch Experten: Nur ein Viertel aller Befragten in Deutschland ist der Meinung, dass die Systeme und Anwendungen, die in ihrem Unternehmen zum Einsatz kommen, ausreichend intuitiv und einfach zu nutzen sind. Hier gibt es sowohl für die Unternehmen als auch für Technologieanbieter noch Nachholbedarf. Auch in Sachen IT-Support sind viele Mitarbeiter unzufrieden: So gaben nur 25 Prozent an, einfachen Zugang zum IT-Support durch Experten zu haben.

Fazit

Insgesamt zeigen die Studienergebnisse, dass es noch viel zu tun gibt in Sachen Digitalisierung am Arbeitsplatz. Wegweisend ist, dass die Arbeitnehmer eine recht genaue Vorstellung davon haben, was zu einem guten digitalen Arbeitsplatz dazugehört – gute Orientierungspunkte für die Verantwortlichen in den Unternehmen. Denn letztendlich sind motivierte, zufriedene und langjährige Mitarbeiter genauso wichtig wie Kostenoptimierung, Steigerung von Effizienz und Produktivität, Wachstum, Kundenbindung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit, weil sie diese Faktoren mit ihrer Arbeit beeinflussen. Je mehr technologische Unterstützung und Vereinfachung sie dabei erfahren, desto positiver sind auch die Auswirkungen auf diese Faktoren.

Dr. Uwe Heckert.
Dr. Uwe Heckert. (Bild: Unisys)

Über den Autor

Dr. Uwe Heckert ist Vice President Public Sector EMEA und Geschäftsführer der Unisys Deutschland GmbH.

*Über die Studie
Im Rahmen der Studie wurden im April 2018 mehr als 12.000 Arbeitnehmer im Alter zwischen 18 und 64 in 12 Ländern befragt – 1.000 in Deutschland. Hauptgegenstand der Befragung war, wie sich Technologie am Arbeitsplatz auf den Alltag der Arbeitnehmer auswirkt. Die Kategorisierung nach Technologie-Vorreitern und -Nachzüglern erfolgte anhand der Qualifizierung der Arbeitgeber durch ihre Mitarbeiter als Unternehmen, das in Bezug auf Technologie entweder vor oder hinter der Konkurrenz liegt.

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