Mobile Broadband Forum in Zürich

5G-Entwicklung: Huawei fordert neue Denkweise

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Der stellvertretende Huawei-Vorsitzende Ken Hu bei seiner Rede beim Mobile Broadband Forum 2019 in Zürich.
Der stellvertretende Huawei-Vorsitzende Ken Hu bei seiner Rede beim Mobile Broadband Forum 2019 in Zürich. (Bild: Huawei)

Huawei betonte auf seinem Mobile Broadband Forum in Zürich den Mehrwert, den 5G den Verbrauchern und der Industrie bereits gebracht habe. Für die weitere Entwicklung forderte der stellvertretende Vorsitzende Ken Hu politische Unterstützung und sektorübergreifende Zusammenarbeit.

„Wir haben große Fortschritte gemacht“, sagte Hu. „Aber um das Beste aus 5G herauszuholen, müssen wir zusammenarbeiten, um die wahren Herausforderungen zu meistern, die vor uns liegen: Bandbreite, Standortressourcen und branchenübergreifende Zusammenarbeit. 5G ist nicht nur schneller als 4G. Es wird eine ganz andere Rolle in unserem Leben spielen, weshalb wir als Branche umdenken müssen, um die zukünftige Entwicklung voranzutreiben.“

5G wird weltweit immer schneller

Weniger als ein Jahr nach Festsetzung der Standards seien 5G-Netze bereits in großem Umfang kommerziell eingesetzt worden, viel schneller als bei 4G. Bisher hätten Mobilfunkanbieter in mehr als 20 Märkten insgesamt 40 kommerzielle 5G-Netze gestartet. Bis zum Ende des Jahres erwarte man mehr als 60.

5G sei die Beschleunigung des Benutzererlebnisses. In Südkorea, das als erster Markt ein kommerzielles 5G-Netz eingeführt habe, hätten lokale Mobilfunkanbieter in weniger als sechs Monaten mehr als 3,5 Mio. 5G-Kunden gewonnen. Ein Großteil dieses Wachstums sei auf neue Dienste wie 5G-betriebene AR/VR und 360-Grad-HD-Live-Sportsendungen zurückzuführen. Allein mit diesen Diensten sei der Datenverbrauch bei den ersten 5G-Anwendern um den Faktor drei gestiegen – bis zu 1,3 Gigabyte pro Monat.

Neben dem wachsenden Datenkonsum, so Hu, würden die Mobilfunkanbieter auch mehr Einnahmequellen beobachten. So habe beispielsweise der südkoreanische Mobilfunkanbieter LG U+ im Rahmen seiner Premium-Datenpläne 5G-basierte VR/AR-Dienste veröffentlicht. In den ersten drei Monaten nach dem Start von 5G sei der Anteil an Premiumkunden von 3,1 auf 5,3 Prozent gestiegen.

Die neuen industriellen 5G-Applikationen würden von den unterschiedlichsten Branchen genutzt. „Es gibt bereits 5G-Applikationen für verbessertes mobiles Breitband, Unterhaltung und Produktion“, sagte Hu. „Wir können zwar noch nicht sicher sagen, welche weiteren Anwendungen wir in Zukunft sehen, aber im Moment ist klar, dass jede einzelne Branche durch die 5G-Technologie profitieren wird.“

Förderliche Richtlinien für Bandbreite und Standorte

Hu merkte an, dass die Frequenzbestände, insbesondere die Kosten und die Verfügbarkeit von Frequenzen, eines der größten Hindernisse für Unternehmen seien, denen sie sich in Zukunft stellen müssten. „Wir hoffen, dass die Regierungen den Mobilfunkanbietern mehr Frequenzen zur Verfügung stellen können und flexiblere Preismodelle in Betracht ziehen. Dies würde die anfängliche Investitionsbelastung der Mobilfunkanbieter beim Aufbau ihrer 5G-Netze verringern.“

Darüber hinaus empfahl Hu, dass Regierungen schon jetzt beginnen müssten, den neuen Frequenzbedarf für die nächsten fünf bis zehn Jahren abzudecken, 6-GHz-Frequenzen seien dafür ein guter Startpunkt.

„Unsere Branche braucht mehr Unterstützung beim Aufbau von 5G-Ressourcen“, fuhr Hu fort. „Die Kosten sind immer noch zu hoch und die Verfügbarkeit von 5G bleibt konstant hinter der Nachfrage zurück. Die Aufsichtsbehörden sollten sich dieser Situation annehmen und sie verbessern, indem sie mehr öffentliche Infrastrukturen für die gemeinsame Nutzung öffnen und Hilfestellung beim Ausbau anbieten.“

So habe beispielsweise die Stadtverwaltung in Shanghai beschlossen, multifunktionale Versorgungsmasten zu nutzen. Bis Ende 2020 sollen die Masten auf insgesamt 500 Kilometern öffentlicher Straßen installiert werden, um 30.000 weitere 5G-Standorte unterstützen zu können. Dies seien 75 Prozent mehr, als die Gesamtzahl der derzeit in der ganzen Stadt gebauten Mobilfunkbasisstationen.

In Europa würden Ministerien direkt mit den Mobilfunkanbietern zusammenarbeiten, um den Mitbenutzungsbedarf für 5G-Standorte und andere Formen der öffentlichen Infrastruktur (wie Ampeln, Schilder und Bushaltestellen) zu ermitteln und so die Kosten durch eine gemeinsame Nutzung der Infrastruktur zu senken.

Ausbau der sektorübergreifenden Zusammenarbeit

Abschließend betonte Hu die Bedeutung der sektorübergreifenden Zusammenarbeit. „Wir haben noch einige Herausforderungen in Bezug auf vertikales Branchenwissen, Use Cases und Business-Case-Entwicklung. Deshalb müssen wir gemeinsam innovativ sein. Wenn wir einen aufgeschlossenen Verstand bewahren und mit Industriepartnern zusammenarbeiten, um echte Probleme zu identifizieren und gemeinsam zu erforschen, was funktioniert und was nicht, wird es uns leichter fallen, die Stärke von 5G zu entfesseln.“

Um sektorübergreifende Innovationen und stärkere regionale Zusammenarbeit zu fördern, eröffnete Huawei sein erstes 5G Joint Innovation Center for Europe mit Sitz in Zürich. Das Zentrum, ein Gemeinschaftsprojekt von Huawei und dem Schweizer Mobilfunkbetreiber Sunrise, könne als Innovationsplattform europäischen Unternehmen dazu dienen, branchenübergreifende Zusammenarbeit und branchenspezifische 5G-Lösungen zu entwickeln.

„Jedes Land hat seine eigenen wirtschaftlichen Stärken. Auf diese Bereiche können wir uns konzentrieren und 5G-Technologie mit branchenspezifischen Lösungen kombinieren, um die Wettbewerbsfähigkeit jedes Landes zu verbessern“, so Hu abschließend.

Das Mobile Broadband Forum am 15. und 16. Oktober 2019 in Zürich versammelte mehr als 1.500 Vertreter von Mobilfunkanbietern, vertikalen Branchen, Equipmentherstellern, Normungsorganisationen, Analystenfirmen und den Medien. In der Messehalle wurden 5G-Technologie, kommerzielle Lösungen und eine breite Palette von 5G-Anwendungen für Einzelverbraucher, Haushalte und Unternehmen präsentiert – darunter 5G-basierte Cloud-AR/VR-, 8K-Rundfunk-, Cloud-Gaming, Machine-Vision- und Fernbedienungslösungen.

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