Eine SD-WAN-Architektur lenkt mittels Software-Defined Networking den Datenverkehr beim Senden von Daten über große geografische Distanzen hinweg und verbessert so die Konnektivität. So weit kurz und knapp die Faktenlage. Doch um das in unserer Zeit so bitter nötige SD-WAN ranken sich auch zahlreiche Mythen und Halbwahrheiten. Wir klären auf.
SolarWinds Head Geek Sascha Giese räumt auf mit SD-WAN-Irrtümern.
Traditionelle WANs sind nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Trotz Breitband haben Netzwerkexperten Probleme beim Verwalten und Einrichten von Zweigniederlassungen ihres Unternehmens. Mitarbeiter bemerken, dass geschäftskritische Anwendungen langsam sind, während andere Anwendungen – beispielsweise fürs Streaming von Sportereignissen – das Netzwerk überlasten. Angesichts dieser Engpässe entscheiden sich insbesondere globale Unternehmen mit vielen Niederlassungen wie Finanzinstitute und Einzelhandelsunternehmen für den Wechsel zu SD-WAN (Software-Defined Wide Area Network).
Eine SD-WAN-Architektur lenkt mittels Software-Defined Networking beim Senden von Daten über große geografische Distanzen hinweg den Datenverkehr und verbessert die Konnektivität. Sie erhöht die Agilität und Produktivität und senkt gleichzeitig die Kosten.
Dennoch kursieren immer einige Missverständnisse und Befürchtungen im Zusammenhang mit SD-WAN, die wir gerne ausräumen möchten. Meistens geht es dabei um die folgenden drei Mythen.
Mythos 1: SD-WAN ist zu kompliziert
Gelegentlich treffe ich Netzwerktechniker, die vor der SD-WAN-Einführung zurückschrecken, weil sie fürchten, dafür eine komplexe neue Programmiersprache lernen zu müssen. Sie glauben, die Technologie sei zu schwierig zu beherrschen und die Mühe nicht wert.
Ich will nicht leugnen, dass es auch hier eine gewisse Lernkurve gibt, doch für SD-WAN muss sich niemand eine neue Programmiersprache aneignen. SD-WAN setzt auf mehrere WAN-Verbindungen auf und wählt mithilfe von softwaregesteuerten Richtlinien automatisch den besten Datentransportmechanismus für jede Anwendung, wodurch die Komplexität in den Hintergrund tritt.
Sobald die Hardware installiert wurde, kann die Bereitstellung schnell durchgeführt werden. Niemand muss stundenlang warten und warten und Konfigurationen immer wieder überprüfen, bis endlich alles funktioniert.
Hinzu kommt: Wer über die Befehlszeile jedes Gerät einzeln einrichtet, um ein Netzwerk zusammenzustellen, wird zwangsläufig Fehler machen – und dann viel Zeit darauf verwenden, diese Fehler wieder zu beheben. Denn menschliche Fehler und nicht etwa Software sind das größte Hindernis im IT-Arbeitsleben.
SD-WAN bietet einen Überblick über das gesamte Netzwerk. Die Vorgänge werden greifbar und man erkennt, wie sich der Datenverkehr bewegt. Mit SD-WAN behält man die Bandbreite im Griff, genau wie die Service Level Agreements über mehrere Niederlassungen hinweg. Dies nimmt eine große Last von den Schultern.
Mythos 2: SD-WAN ist zu teuer
SD-WAN ist als SaaS verfügbar und somit im Vergleich zu einem benutzerdefinierten DIY-Setup verhältnismäßig kostengünstig. Vor der Einführung sollte man genau abwägen, ob ein eigenes benutzerdefiniertes Modell für das Team sinnvoll ist oder das Unternehmen besser einen Serviceplan wählen sollte. Sobald man damit vertraut ist und alles korrekt eingerichtet wurde, kann man immer noch zu einem DIY-Modell übergehen.
Meiner Erfahrung nach liegt die Schwierigkeit lediglich darin, andere von dem Geschäftsszenario zu überzeugen, auch wenn sein Nutzen einfach zu belegen ist. Schon die möglichen Kosteneinsparungen sind Grund genug: Man muss keine Bandbreite mehr verschwenden und kann die Produktivität steigern.
Die SD-WAN-Firewall bietet IT-Administratoren außerdem mehr Sicherheit: Sie können Tausende von Anwendungen im Netzwerk identifizieren, Konfigurationen und Richtlinien für jede Anwendung leichter festlegen und somit die nötige Kontrolle für ihre Aufgaben erhalten.
Oft wird die Einführung aufgrund der nötigen Investitionskosten nicht gleich abgesegnet. Je früher SD-WAN eingeführt wird, desto größer ist jedoch der Nutzen für das Unternehmen und desto mehr Kontrolle und Überblick gewinnt man. Denken Sie daran, dass einer der Gründe für die Einführung von SD-WAN darin besteht, die MPLS-Kosten zu senken. Und obwohl im Vorfeld – je nach Anbieter, den Sie wählen – eine beträchtliche Investition nötig sein kann, gibt es auf lange Sicht definitiv einen Return on Investment.
Stand: 08.12.2025
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Mythos 3: SD-WAN macht Mitarbeiter überflüssig
Gelegentlich treffe ich Netzwerktechniker, die gegenüber SD-WAN in hohem Maße voreingenommen sind. Sie behaupten, SD-WAN sei nicht dazu da, Unternehmen zu unterstützen, sondern Arbeitsplätze überflüssig zu machen. Darum geht es jedoch überhaupt nicht. SD-WAN dient dazu, Entscheidungen zu automatisieren, Vorgänge zu zentralisieren und gleichzeitig Fehler zu reduzieren.
Angesichts der zahllosen Anwendungen, IoT-Geräte und unterschiedlichsten Internetnutzungsweisen ist es mehr als wahrscheinlich, dass Bandbreite unnötig verloren geht. Ich kann Bandbreite stehlen, indem ich über mein Smartphone den ganzen Tag Fußball streame oder während der Arbeitszeit große Dateien auf meinen Laptop oder mein Tablet herunterlade. Ohne SD-WAN wird das System unweigerlich ins Stocken geraten.
Fazit
Die Einführung von SD-WAN ist unvermeidlich, doch dafür muss zunächst ein Umdenken stattfinden. Auch wenn vielleicht manche Ingenieure ihre Tätigkeit auf eine höhere Ebene bringen müssen, brauchen wir immer noch Arbeitsplätze für diejenigen, die Netzwerke designen und implementieren können. Wir benötigen auch weiterhin Menschen, die mit der Software umgehen können.
Letztendlich ist diese Entwicklung nichts als ein weiterer technologischer Fortschritt, der zwangsläufig von uns verlangt, etwas Neues zu lernen – und wer die vom SD-WAN genutzten Richtlinien festlegt, kann noch immer darüber entscheiden, wie diese aussehen. Die SD-WAN-Software tut niemals etwas hinter Ihrem Rücken, Sie behalten weiterhin die Kontrolle! SD-WAN ist nur ein Werkzeug – und zwar eines, das sich lohnt.