Richtig virtualisieren mit Windows-Servern

10 Stolpersteine beim Einsatz von Hyper-V

| Autor / Redakteur: Thomas Joos / Andreas Donner

Wir geben Tipps zur optimalen Virtualisierung mit Hyper-V.
Wir geben Tipps zur optimalen Virtualisierung mit Hyper-V. (Bild: © z_amir - stock.adobe.com)

Neben VMware vSphere nutzen viele Unternehmen auch Hyper-V zur Virtualisierung. Das liegt meist daran, dass bereits Windows-Server im Einsatz sind und Hyper-V zum Bestandteil des aktuellen Serversystems gehört. Wir geben Hinweise, wo es beim Einsatz von Hyper-V zu Problemen kommen kann.

Unternehmen, die mit Hyper-V virtualisieren, müssen vor allem beim Einsatz von anderen Betriebssystemen als Windows darauf achten, dass alle Einstellungen korrekt vorgenommen wurden. Mit aktuellen Windows-Server-Systemen lassen sich zwar auch virtuelle Linux-Server betreiben, allerdings muss hier das eine oder andere optimiert werden (siehe Abbildung 1).

1. Linux richtig virtualisieren

Geht es um die richtige Virtualisierung von Linux-Servern, muss beim Einsatz von Hyper-V die eine oder andere Einstellung berücksichtigt werden. Im Beitrag „So nutzen Sie Linux als VM in Hyper-V“ gehen wir ausführlicher darauf ein, wie Linux ideal mit Hyper-V virtualisiert werden kann. Im Beitrag „Windows Server 2019 mit mehr Sicherheit „ab Werk“ geben wir einen Einblick in die Möglichkeiten, die Windows Server 2019 bei der Virtualisierung mit Hyper-V bietet (siehe Abbildung 2).

2. Richtige Netzwerkeinstellungen

Hyper-V bietet, wie auch VMware vSphere, zahlreiche Möglichkeiten für die optimale Konfiguration der Netzwerkeinstellungen. Funktionen, wie Netzwerk-Virtualisierung, hochverfügbare virtuelle Switches, und weitere Einstellungen, ermöglichen den schnellen Betrieb von virtuellen Servern in Hyper-V. Hier gilt es, für jeden Server die richtigen Einstellungen zu finden. Im Beitrag „Netzwerk-Virtualisierung mit Microsoft“ zeigen wir die umfangreichen Möglichkeiten von Hyper-V. Im Beitrag „Netzwerkeinstellungen für VMs: das müssen Sie wissen!“ erklären wir zudem wichtige Einstellungen, die für Hyper-V und vSphere gleichermaßen gelten.

3. Virenschutz: Ausnahmen für Serverrollen in Hyper-V

Wer auf einem Hyper-V-Host einen Virenschutz installiert, sollte darauf achten, bestimmte Systemdienste und Verzeichnisse aus dem Scanbereich herauszunehmen. Das gilt auch für Windows Defender. Der standardmäßige Virenschutz ist automatisch in Windows Server 2016/2019 installiert und aktiviert. Standardmäßig sind die Ausnahmen bei Windows Defender jdeoch bereits gesetzt. Aber auch für andere Virenscanner sollten die Ausnahmen entsprechend konfiguriert werden. Microsoft informiert über die notwendigen Ausnahmen auf einer Webseite zu dem Thema.

4. Best Practices von Microsoft nutzen

Wenn es um die Überwachung von Windows-Servern, den optimalen Betrieb von Servern oder der Suche nach Fehlern geht, denken viele Profis sofort an kommerzielle Zusatzprogramme, die in die Server-Infrastruktur mit eingebunden werden müssen. In kleinen und mittleren Unternehmen wird dagegen häufig weniger optimiert, als es notwendig ist.

Dabei bietet Microsoft mit dem Best Practices Analyzer (BPA) im Server-Manager ein Tool, mit dem Server überwacht und falsche Konfigurationen schnell gefunden werden können. Das Tool kann zwar keine umfassenden Überwachungstools ersetzen, sollte aber in die Kontrolle und die Konfiguration des Servers mit eingebunden werden.

Nutzen Unternehmen Hyper-V, ist es sinnvoll, nach der Installation eines Hyper-V-Hosts oder eines Clusters den BPA zu nutzen. Dieser zeigt anschließend Optimierungsmaßnahmen für Hyper-V an. Da auf einem Hyper-V-Host auch virtuelle Server betrieben werden, sind diese natürlich von der Leistung und der Konfiguration des Hyper-V-Hosts abhängig. Außerdem gibt es hier besonders viele Möglichkeiten zur Optimierung. Um einen Scanvorgang für Hyper-V zu starten, kann auch die PowerShell verwendet werden, über die ein Scan mit dem Befehl „Invoke-BpaModel -ModelId Microsoft/Windows/Hyper-V“ ausgelöst wird.

5. Hyper-V und virtuelle Server richtig sichern

Bei der Sicherung von virtuellen Servern muss darauf geachtet werden, dass die Sicherungslösung für Hyper-V optimiert ist. Die meisten Unternehmen setzen bei der Datensicherung auf Zusatzsoftware. Hier bieten mittlerweile viele Hersteller Unterstützung speziell für Hyper-V oder VMware an. Diese Lösungen sichern die Server und den Host auf Ebene des Hypervisors. Auch virtuelle Server lassen sich mit herkömmlichen Sicherungsstrategien sichern. Die Agents nutzen jedoch nicht den Hypervisor und können daher weder Schattenkopien noch Snapshots (Prüfpunkte) zur Sicherung nutzen. Dies erhöht die zu sichernde Datenmenge und die Dauer der Datensicherung.

6. Speicherorte in Hyper-V anpassen

Die Daten von Hyper-V-Hosts werden an verschiedenen Orten gespeichert. Die Speicherorte selbst legen Administratoren an verschiedenen Stellen in der Hyper-V-Verwaltung fest, zum Beispiel in den Hyper-V-Einstellungen, und in den Einstellungen der einzelnen virtuellen Server. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, den Speicherort der virtuellen Festplatten und Konfigurationsdateien im laufenden Betrieb zu ändern. In den Hyper-V-Einstellungen des Hyper-V-Hosts selbst wird der Standardspeicherort für neue virtuelle Server festgelegt. In den meisten Umgebungen ist dieses Verzeichnis jedoch nicht korrekt gewählt Microsoft empfiehlt den Speicherort von virtuellen Festplatten mit ReFS zu formatieren. Mit diesem Dateisystem lassen sich virtuelle Festplatten sehr viel schneller erstellen. Außerdem ist das Dateisystem viel stabiler. Prüfpunkte (Snapshots) lassen sich auf ReFS-Datenträgern schneller erstellen, und schneller wieder zusammenfügen.

7. Dynamic Memory: Arbeitsspeicher anpassen

Ab Windows Server 2016 lässt sich der verwendete Arbeitsspeicher im laufenden Betrieb zuweisen, und das auch dann, wenn kein dynamischer Arbeitsspeicher verwendet wird. Allerdings gilt es auch hier darauf zu achten, ob die Serveranwendungen das unterstützen. Alternativ muss die VM nach der Einstellung neu gestartet werden. Das automatische Zuteilen von Arbeitsspeicher hört sich generell gut an, ist aber in vielen Fällen nicht sehr sinnvoll. Es sollte genau überprüft werden, ob und wann der dynamische Arbeitsspeicher genutzt wird.

8. Arbeitsspeicher und Speicherplatz richtig planen

Insgesamt benötigt ein Hyper-V-Host mindestens so viel Arbeitsspeicher, wie die virtuellen Server auf dem Host gemeinsam brauchen. Zusätzlich zum gemeinsamen Arbeitsspeicher für die Child-Partitionen (VMs) ist auch genügend Arbeitsspeicher für die Root-Partition, den Hypervisor und das Host-Betriebssystem nötig. Auch das Durchführen von Aktionen mit Hyper-V, wie zum Beispiel das Erstellen von Snapshots, benötigt Arbeitsspeicher.

Hyper-V weist zunächst immer dem Host und der Root-Partition genügend Arbeitsspeicher zu, und bucht den Rest des Arbeitsspeichers dann den VMs zu. Aus diesem Grund leiden vor allem die VMs darunter, wenn ein Host über zu wenig Arbeitsspeicher verfügt. Es sollte daher regelmäßig überprüft werden, ob der Arbeitsspeicher auf dem Host und der zugewiesene Arbeitsspeicher der VMs noch ausreichen. Das Verwenden des dynamischen Arbeitsspeichers ist häufig nicht sinnvoll, wenn generell Arbeitsspeicher auf einem Host fehlt.

9. Blockgröße und Festplattentyp verwenden

Festplatten mit fixer Größer sind schneller als dynamisch wachsende Festplatten, das ist bereits in den Vorgängerversionen von Windows Server 2016 so. Zusätzlich sollten Administratoren beim Erstellen und zuordnen von virtuellen Festplatten aber auch auf die Blockgröße achten. Diese hat direkte Auswirkung auf die Leistung von VMs. Generell sollte die Blockgröße der Zuordnung des Workloads entsprechen, der die virtuelle Festplatte nutzt. Wenn eine Anwendung zum Beispiel immer 16 MB-Bereiche allokiert, dann ist es sinnvoll, dass die Blockgröße der virtuellen Festplatte ebenfalls 16 MB beträgt.

10. Zeitsynchronisierung über Hyper-V deaktivieren

Standardmäßig versorgen sich virtuelle Server über den entsprechenden Hyper-V-Host mit der Uhrzeit. Auch das kann bei Domänencontrollern aber zu Problemen führen. Auf jedem virtuellen Computer installiert Hyper-V automatisch die Integrationsdienste. Auf Domänencomputern muss darauf geachtet werden, dass die Synchronisierung der Zeiten über Hyper-V, nicht die Synchronisierung von anderen Computern beeinträchtigt, vor allem nicht die Synchronisierung der Domänencontroller.

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