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WAN-Basiswissen – Verkehrssteuerung mit Multiprotocol Label Switching

Zehn Mythen und Halbwahrheiten über MPLS-Verkehrsleitsysteme

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Mythos

MPLS TE muss kompletten Netz verwendet werden. Das stimmt nicht. MPLS lässt sich durchaus in taktischen Situationen verwenden, zum Beispiel zwischen einem Router-Paar, um den Verkehr vom einem verkehrsreichen Link auf einen weniger belasteten umzuleiten oder an gefährdeten und kritischen Stellen im Netz vorsorglich Fast-Reroute-Funktionen bereit zustellen.

Halbwahrheit

MPLS TE kann verstopfte Netze entlasten. Das stimmt zum Teil. Denn auch dieses Verfahren schafft keine neuen Bandbreiten. Es erlaubt vielmehr, die vorhandenen Kapazitäten besser auszuschöpfen. So lassen sich MPLS-Tunnel nutzen, um etwa zeitweilig den Verkehr von den preisgünstigsten, aber stark frequentierten Wegen , die das IPRouting Protokoll bereitstellt, auf andere umzuleiten. Doch Vorsicht! Eine solche Aktion kann den Verkehrsfluss insgesamt verändern, die Last verlagern und einen Domino-Effekt produzieren.

Mythos

Bandbreiten, die per MPLS-TE-Tunnel reserviert sind, stehen dem getunnelten Traffic tatsächlich zu Verfügung. Die Protokollerweiterung RSVP wurde ursprünglich entwickelt, um in IP-Netzen die Qualität von einem Ende zum anderen sichern zu können. Im MPLS-Modul dient die Protokollerweiterung jedoch lediglich als eine Art Zählmechanismus. Dieser verhindert, dass ein Link überstrapaziert wird. Somit ist die Reservierung nicht gleichzusetzen mit irgendeiner OoS-Aktion auf den dazischenliegenden Knoten. Fehlt auf diesen Nodes eine entsprechende manuelle Konfiguration, ist der so gekennzeichnete MPLS-TE-Traffic von dem sonstigen IP und MPLS-Verkehr nicht zu unterscheiden und wird auch so behandelt.

Halbwahrheit

MPLS funktioniert nur mit OSPF und IS-IS-Routing-Protokollen. Der Weg, den ein Paket nehmen soll, Label Switched Path (LPS), lässt sich vollständig manuell, halbautomatisch und vollautomatisch einrichten. Die manuelle erfordert eine Konfiguration jedes LPS-Routers. Bei der halbautomatischen Variante muss nur ein Teil des Wegs beschrieben werden, zum Beispiel die ersten drei Router.

Der Rest wird einem Interior Gateway Protocol (IGP) wie OSPF (Open Shortest Path First) oder IS-IS (Intermediate System to Intermediate System Protocol) überlassen. Diese stellen sicher, dass sich alle autonomen Systeme im Netz gleichermaßen sehen können. Die Datenweiterleitung erfolgt auf dem Layer 2 durch das so genannte „Label-Swapping“, also dem Austauschen beziehungsweise Ändern von Labeln), und nicht auf Layer 3.

Mit der vollautomatischen Variante lässt sich hinsichtlich einer Pfadoptimierung keinerlei Vorteil erzielen.

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