Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 83 WLAN-Elektrosmog und seine Grenzwert-Problematik
Bei der Diskussion um gesundheitliche Beeinträchtigungen durch EMF wird immer wieder Bezug auf bestimmte Grenzwerte genommen. Die Grenzwerte sind dabei in unterschiedlichen Quantitäten angegeben. Bevor wir mit konkreten Planungsaspekten fortfahren, sollen diese zusammenfassend verdeutlicht werden.
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In Abhängigkeit vom betrachteten Frequenzbereich sind die physikalischen Quantitäten zur Festlegung von Grenzwerten wie Stromdichte, spezifische Energie-Absorptionsrate SAR, und Leistungsflussdichte. Manche Studien arbeiten auch mit dem Begriff Feldstärke. Eine Leistungsflussdichte wird in der Luft außerhalb des Körpers gemessen, während Stromdichte und SAR körperinterne dosimetrische Maße sind.
Leider kann man die Werte aufgrund ihrer unterschiedlichen Wirkungsspektren nicht auf einfachem Wege ineinander umrechnen. Stromdichte und SAR können aus naheliegenden Gründen nicht in den Geweben lebender Personen gemessen werden. Deshalb haben Organisationen wie ICNIRP oder die EU-Kommission Reverenzlevel für die praktische Bestimmung von Belastungen durch den Einfluss von EMF definiert, mit denen man bestimmen kann, ob es wahrscheinlich ist, dass in einer vorliegenden Situation die gesetzlichen Grenzwerte überschritten werden oder eben nicht.
Die Referenzlevel, die in einer bestimmten Belastungssituation anzuwenden sind, hängen ab von der Frequenz, der Tatsache, ob weitere Wechselwirkungen wahrscheinlich sind, und der Frage, ob das Signal gepulst ist oder nicht. Die Referenzlevel können in elektrischer Feldstärke, magnetischer Feldstärke, magnetischer Flussdichte, Leistungsflussdichte, Strom in Gliedmaßen, Kontaktstrom und spezifischer Absorption ausgedrückt sein.
Das Einhalten der Referenzlevel bedeutet, dass auch die Grenzwerte eingehalten werden. Wegen der komplexen Zusammenhänge bedeutet das Überschreiten eines einzelnen Referenzlevels nicht notwendigerweise das Nicht-Einhalten des Grenzwertes, sondern lediglich, dass man genauere Messungen anstellen muss.
Letztlich verhalten sich die Normen hier genauso wie z.B. die Normen für Verkabelung: Es geht auch hier um die Erstellung möglichst einfacher, schnell nachvollziehbarer Richtlinien, die die allermeisten Fälle abdecken. Wir alle wissen, dass z.B. ein Cat. 5 oder 6 Kabel, welches nach der Norm eben nur maximal 90 m lang sein darf, auch mit z.B. 107 m wahrscheinlich noch gut funktionieren wird, nur die Installation fällt dann aus dem Bereich des Kochbuchrezeptes der Norm.
Die Referenzlevel für elektrische und magnetische Feldstärken sowie für magnetische Flussdichten werden oft als „Root Mean Square“ bzw. rms-Werte angegeben, weil diese auf den allermeisten Messgeräten angezeigt werden können und der Tatsache entsprechen, dass alle Hersteller des angloamerikanischen Kulturkreises ihre Angaben in diesen Einheiten machen.
Bei Frequenzen oberhalb von 1 MHz braucht man die elektrischen und magnetischen Felder nicht mehr getrennt zu betrachten, weil die Referenzlevel über die Impedanz des Freiraums miteinander verknüpft sind (E/H = 377 Ohm). In diesem Fall kann die Leistungsflussdichte S von der elektrischen Feldstärke oder der magnetischen Feldstärke jeweils alleine durch die Gleichung
S = E2 / 377 = 377 H2
abgeleitet werden. Dies gilt allerdings nicht, wenn die Quelle des Feldes sehr nah ist. Dann müssen wieder komplexe getrennte Überlegungen angestellt werden. Neben den rms-Referenzleveln werden auch Spitzenwerte hinsichtlich gelegentlich auftretender kurzer Impulse für elektrische und magnetische Felder angegeben, die nicht überschritten werden sollten.
weiter mit: Die Summe der Einzelbelastungen
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