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Neue Installation, mehr Automatisierung, NVMe-Tiering vSphere 9 ist da: Das sollten Admins jetzt wissen

Von Thomas Joos 6 min Lesedauer

Broadcom hat mit vSphere Foundation 9.0 die erste Hauptversion eines der wichtigsten VMware-Produkte nach der Übernahme veröffentlicht. Die Version führt eine überarbeitete Infrastruktur- und Verwaltungsarchitektur ein, erweitert bestehende Komponenten und ersetzt mehrere bisher eigenständige Werkzeuge durch zentralisierte Funktionseinheiten.

VMware unter Broadcom: vSphere Foundation 9.0 bringt NVMe-Tiering, JSON-Installer und neue Lizenzlogik. Das ändert sich für Admins und IT-Teams.(Bild:  Joos | VMware)
VMware unter Broadcom: vSphere Foundation 9.0 bringt NVMe-Tiering, JSON-Installer und neue Lizenzlogik. Das ändert sich für Admins und IT-Teams.
(Bild: Joos | VMware)

VMware-Produkte stehen seit der Broadcom-Übernahme unter besonderer Beobachtung. Mit der Version 9.0 von vSphere Foundation wird erstmals sichtbar, welche technischen und strukturellen Leitlinien der neue Eigentümer für die Plattform setzt. Die Änderungen betreffen nicht nur Einzelkomponenten, sondern greifen in Architektur, Betriebsmodell und Supportstruktur ein.

Installationsprozesse über Templates automatisiert

Der neue VMware Cloud Foundation Installer automatisiert die initiale Bereitstellung von Clustern. Vorabprüfungen und Architekturvalidierungen laufen integriert ab. Standardisierte Konfigurationen lassen sich über JSON-Vorlagen definieren und auf mehrere Standorte replizieren. Die zuvor manuelle Konfiguration wird durch diese deklarative Logik ersetzt Mit der VCF Operations Console lassen sich sämtliche Betriebsfunktionen zentral verwalten. Die neue Automation Console ersetzt Aria Automation und Cloud Director.

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NVMe Memory Tiering mit automatisierter Speicherverlagerung

ESXi 9.0 unterstützt produktiv das NVMe Memory Tiering. Kalte Speicherinhalte werden automatisiert auf NVMe-SSDs ausgelagert, aktive Seiten verbleiben im DRAM. Diese Funktion erhöht die nutzbare Speicherkapazität pro Host ohne zusätzliche DRAM-Kosten. VMware gibt eine potenzielle Einsparung von bis zu 38 Prozent bei speicherbezogenen TCO-Werten an. Typische Einsatzszenarien liegen im VDI-Bereich und bei speicherintensiven Workloads.

Für GPU-gestützte Workloads wurde vMotion optimiert. Die neue Streaming-Methode für GPU-RAM basiert auf Fast Suspend/Resume und beschleunigt den Migrationsprozess laut VMware deutlich. Damit lassen sich ML-Trainings und Inferenzaufgaben mit minimaler Unterbrechung verschieben, ohne dass SLAs verletzt werden.

Erweiterung der maximalen VM-Größe auf 960 vCPUs

Virtuelle Maschinen unterstützen in Version 9.0 bis zu 960 vCPUs. Unterstützt werden aktuelle Serverplattformen mit AMD Zen 5 oder Intel Granite Rapids. Diese Skalierungsgrenze richtet sich an In-Memory-Datenbanken, containerisierte Großumgebungen und Analyseplattformen mit hohem CPU-Bedarf.

Das Lifecycle Management erlaubt die Definition mehrerer Image-Konfigurationen innerhalb eines Clusters. Bis zu vier Varianten mit eigenen Firmwareständen, Hardware Support Managern und Treiberpaketen lassen sich parallel verwalten. Dadurch wird der Betrieb gemischter Servergenerationen mit gemeinsamem ESXi-Kern möglich. Darüber hinaus wurden vSphere HA und NSX-Komponenten direkt in das ESXi-Image eingebunden. Separate Agent-Installationen entfallen, wodurch sich sowohl das Initial-Deployment als auch zukünftige Lifecycle-Updates vereinfachen. Der bisher separat gepflegte vSphere Health Service wurde vollständig durch einen integrierten Statusdienst ersetzt, der Plattformzustand, Zertifikatsprüfung und Konfigurationsanalyse gebündelt darstellt.

Die neuen API-Schnittstellen basieren durchgängig auf OpenAPI 3.0. Eine einheitliche SDK-Struktur deckt vCenter, vSAN und NSX ab. Automatisierungsskripte behalten auch bei Upgrades ihre Gültigkeit. Entwickler benötigen keine getrennten API-Kenntnisse mehr für einzelne Komponenten. Eine neue Empfehlungseinheit gleicht automatisch ESXi-Version, vCenter-Release und Firmwarestände ab und schlägt passende Image-Kombinationen vor. Das verhindert inkonsistente Updates bei heterogener Hardwareausstattung.

Storage-Diagnose über konsolidiertes Dashboard

Ein neues Dashboard bündelt Telemetriedaten aus SAN-, NAS- und vSAN-Systemen. ML-gestützte Analysen erkennen Anomalien frühzeitig, integrierte Diagnosepfade beschleunigen Fehleranalysen. Die Integration erfolgt ohne zusätzliche externe Tools. Für vSAN ESA wurde die native Replikation zwischen zwei vSAN-Datastores eingeführt, inklusive Snapshot-Verwaltung und VM-spezifischer Sicherung.

Die Netzwerktrennung von vSAN-Traffic in Clustern mit vSAN Max sorgt für höhere IOPS und stabileres Verhalten bei Knotenausfällen. Die Optimierung erfolgt rein softwareseitig und nutzt bestehende Netzwerkinfrastruktur. Die Kubernetes-Supervisor-Komponenten lassen sich unabhängig vom vCenter aktualisieren. Updates erfolgen entweder über Broadcoms Online-Depot oder über Offline Content Library.

TLS 1.3 als Standard für Management-Endpunkte

Alle Management- und API-Verbindungen verwenden TLS 1.3 mit AEAD-Chiffren und Forward Secrecy. Die Konfiguration erfordert keine manuelle Härtung mehr. FIPS 140-2 Validierung ist Bestandteil der Standardinstallation. Sicherheitsupdates lassen sich im laufenden Betrieb einspielen. Unterstützt werden ESXi-Kernel, vSAN-Komponenten und zugehörige Dienste. Die Updates können über die GUI gezielt angewendet oder in den Wartungsmodus überführt werden. Erweitert wurde auch die Zertifikatsverwaltung. Zertifikate und CA-Bundles lassen sich nun direkt im UI importieren und exportieren, was die manuelle Konfiguration per Shell überflüssig macht. Zusätzlich steht eine neue Konsole für Zertifikatsmanagement bereit. Diese fasst alle TLS-bezogenen Vorgänge für ESXi und vCenter zusammen, inklusive Austausch und Validierung.

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vSphere 9.0 erweitert das Live-Patching. Nicht nur der ESXi-Kernel, sondern auch vmkernel, NSX-Komponenten und user-space Dienste können nun ohne Wartungsmodus gepatcht werden. Bei einem Patchvorgang mit aktivierten GPU‑VMs nutzt vSphere Fast‑Suspend‑Resume für minimale Downtime (teilweise nur Sekunden). Hosts mit TPM oder DPU bleiben allerdings außen vor. Das Lifecycle-Management erlaubt jetzt granulare Batch‑Upgrades einzelner Hosts in einem Cluster anstelle ganzer Clusterupdates und verwendet eine Empfehlung‑Engine, die vCenter‑Versionen mit ESXi‑Images abgleicht, um Kompatibilität sicherzustellen.

Zusätzlich werden vSphere HA und NSX-Komponenten direkt ins ESXi‑Image integriert. Das vereinfacht Deployment und Lifecycle-Aktualisierung, da keine separaten Agent‑Installationen nötig sind. Neu ist außerdem die Möglichkeit, gezielte Batch-Upgrades einzelner Hosts innerhalb eines Clusters durchzuführen. Diese granulare Steuerung ergänzt die bisherige Rolling-Update-Logik um flexible Wartungspfade bei unterschiedlicher Hardware oder Verfügbarkeitsanforderung.

ESXi 9.0 entfernt die Unterstützung für Broadwell-CPUs und bestimmte SCSI-HBAs. Der Installer erkennt inkompatible Hardware und bietet einen erzwungenen Installationspfad an. Diese Systeme erhalten jedoch keinen Support und sind für Produktionsumgebungen nicht geeignet. Die Evaluierungslizenz läuft 90 Tage, eine lokale Lizenzverwaltung ist nicht mehr vorgesehen.

VCF 9.0 ersetzt VMConAWS als primäre Cloudstrategie

vSphere Foundation 9.0 ermöglicht die Lizenzportabilität zwischen On-Premises-Installationen, Service-Providern und Hyperscalern. Die frühere strategische Partnerschaft mit AWS wird nicht weiter forciert. VCF 9.0 adressiert ausschließlich Umgebungen mit vollständigem Plattformstack, kleinere Installationen ohne VCF gelten nicht mehr als priorisierte Zielgruppe. vCloud Director ist abgekündigt. vVOL wird derzeit noch unterstützt, hat aber wohl keine Zukunft mehr. Für Dells VxRail existiert aktuell keine Freigabe. VMware priorisiert den Ausbau eigener Plattformelemente mit zentralisierter Steuerung und konsistenter Betriebslogik.

Upgrade-Abläufe, Lizenzmechanik und geänderte Verwaltungsprozesse

Der Upgrade auf vSphere 9.0 folgt einem vollständig überarbeiteten Schema. Anstelle einer In-Place-Aktualisierung erstellt der Installer zunächst eine neue vCenter-Appliance, die parallel zur bestehenden Instanz in einer temporären Konfiguration bereitgestellt wird. Erst nach erfolgreicher Datenmigration übernimmt die neue Appliance IP-Adresse, Hostname und Konfigurationsrolle der ursprünglichen Instanz. Dieses zweistufige Verfahren sichert eine saubere Trennung zwischen altem und neuem Systemstand und erlaubt bei Abbrüchen eine gezielte Wiederherstellung. Unterstützt wird wahlweise die Übernahme reiner Konfigurationen oder auch historischer Metriken, Aufgabenverläufe und Events. In Laborumgebungen lässt sich die Datenmenge reduzieren, in Produktivsystemen empfiehlt VMware den vollständigen Transfer.

Begleitend zum Versionswechsel entfällt die bislang genutzte schlüsselbasierte Lizenzierung vollständig. Stattdessen erfolgt die Verwaltung über das Cloud Foundation Operations-Modul, das Lizenzdateien auf Basis von VCF-Verträgen zentral einspielt. Direkt im vSphere-Client lassen sich keine Lizenzschlüssel mehr eingeben. Der Zugriff auf produktive Lizenzen erfordert jedoch eine hinterlegte Berechtigung im Broadcom-Portal und ein aktives VCF-Operations-Backend, in vielen Umgebungen eine Umstellung mit organisatorischer Vorlaufzeit.

Auch beim Deployment ändert sich die Systematik grundlegend. Der neue VCF Installer ersetzt das bisherige manuelle Einpflegen von Tabellen in die Cloud Builder Appliance durch ein browserbasiertes Setup mit JSON-Export. Die Konfiguration erfolgt über ein mehrstufiges Wizard-Verfahren, das sich jederzeit unterbrechen und fortsetzen lässt. Das System speichert den Status nach jedem Eingabeschritt, exportiert eine vollständige JSON-Definition und erlaubt bei Bedarf eine Wiederverwendung dieser Spezifikation in späteren Deployments. Das reduziert Fehlerquellen und erleichtert standardisierte Rollouts, insbesondere in strukturierten Unternehmensumgebungen mit mehrstufigen Genehmigungs- und Planungsprozessen.

Der neue Installer unterstützt sowohl Greenfield-Installationen als auch Erweiterungen bestehender VCF-Fleets. Letztere sind in vSphere 9.0 erstmals formale Objekte mit eigener Verwaltungseinheit. Dabei lassen sich sowohl Management-Domänen als auch NSX-Topologien über die neue Oberfläche definieren. Auch die Wahl des Storage-Backends wurde erweitert. Neben vSAN wird erstmals auch NFS v3 offiziell für die primäre Storage-Schicht unterstützt. Die Passwortverwaltung kann optional automatisiert erfolgen, sämtliche Credentials für interne Appliances werden auf Wunsch generiert und zentral dokumentiert. Parallel zur Appliance-Verwaltung wurde der Zugriff auf Konfigurationsparameter über ein modulares Rechtekonzept neu strukturiert.

Einige Altlasten entfallen vollständig. Hosts mit ESXi-Versionen unter 8.0 sind nicht mehr upgradefähig und müssen entfernt werden. Der klassische vSphere Update Manager ist abgekündigt, ebenso die Authentifizierung per integrierter Windows-Anmeldung (IWA). Zertifikatswarnungen betreffen vermehrt Controller-basierte Systeme wie vSAN oder NSX, wenn diese in Nested-Umgebungen mit nicht-zertifizierter Hardware betrieben werden, was vor allem in Laborszenarien zu beachten ist. Sobald die neue Appliance produktiv ist, übernimmt sie lückenlos die Steuerung, mit geänderter UI, aktualisiertem Branding und vollständiger Kompatibilität zur bestehenden VMware-Architektur.

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