5G ohne unterstützende LTE-Infrastruktur Vodafone startet 5G Standalone

Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Vodafone hat als erster Netzbetreiber 5G Standalone freigeschaltet und gemeinsam mit Partner Ericsson alle Mobilfunkstationen im 3,5-GHz-Bereich an ein eigenständiges 5G-Kernnetz angeschlossen. 5G werde damit erstmals völlig unabhängig von der Vorgängertechnologie LTE betrieben.

Firmen zum Thema

Vodafone-Chef-Netzplaner Guido Weissbrich beim Start von 5G Standalone im Vodafone Core Data Center in Frankfurt am Main.
Vodafone-Chef-Netzplaner Guido Weissbrich beim Start von 5G Standalone im Vodafone Core Data Center in Frankfurt am Main.
(Bild: Vodafone)

Der Start von 5G Standalone sei an allen rund 1.000 Vodafone-Antennen im 3,5-GHz-Bereich in 170 Städten und Gemeinden erfolgt. Der Netzbetreiber verzichtet hierbei auf die bislang bei 5G Non-Standalone (5G NSA) nötige Unterstützung von bestehender LTE-Infrastruktur. 5G Standalone, so der Anbieter, werde den Weg für den Datenaustausch in Echtzeit und für die Technologie Network Slicing – also dem Bereitstellen von separaten Netzen mit garantierten Bandbreiten und Latenzzeiten für Spezialanwendungen – ebnen. Bis zum Jahresende möchte Vodafone die Zahl der 5G-Standalone-Antennen in Deutschland auf rund 4.000 erhöhen – dann auch in anderen Frequenzbereichen.

Zehn 5G-Rechenzentren im Kernnetz bis 2023

Die Vorteile von 5G Standalone, etwa Latenzzeiten von lediglich zehn bis 15 Millisekunden, seien zunächst in Frankfurt am Main spürbar, denn dort habe Vodafone gemeinsam mit Ericsson auch das erste Rechenzentrum auf 5G gestellt. Die Datenverarbeitung erfolge hier cloudbasiert. Die Rechenleistung, so die Technologiepartner, könne bei Bedarf beliebig erweitert werden.

Noch in diesem Jahr soll das zweite 5G-Rechenzentrum in Berlin ans Netz gehen, kurze Zeit später ein drittes in München – bis 2023 möchte Vodafone insgesamt zehn 5G-Rechenzentren in Betrieb nehmen.

Stetig steigende Bandbreiten

Über 5G Standalone seien beim Download im ersten Schritt Bandbreiten von rund 700 MBit/s möglich. Mit jeder neuen Bündelung von unterschiedlichen 5G-Frequenzbändern (Carrier Aggregation), die die Smartphones unterstützen, werde 5G in den nächsten Monaten immer schneller. Nach und nach sollen dann deutlich mehr als 1.000 MBit/s erreicht werden können. Zudem verdoppele Vodafone mit 5G Standalone die möglichen Bandbreiten im Upload.

Höhere Reichweite und weniger Strom

Mit der Umstellung auf 5G Standalone werde sich die Reichweite der 5G-Stationen um 20 Prozent erhöhen, so Vodafone. Für Handynutzer mit 5G Standalone werde der Energieverbrauch um fast 20 Prozent sinken, weil das Smartphone sich nicht mehr zeitgleich ins 5G- und ins LTE-Netz einwählen müsse. Ein weiterer Fortschritt: Eine 5G-Standalone-Antenne könne pro Quadratkilometer bis zu eine Million Menschen und Maschinen zeitgleich vernetzen. Das sei etwa zehn Mal so viel, wie bislang mit 5G Non-Standalone.

Erste Smartphones für 5G Standalone

Das Smartphone Oppo Find X3 Pro wurde von Experten von Vodafone, Qualcomm und Oppo getestet.
Das Smartphone Oppo Find X3 Pro wurde von Experten von Vodafone, Qualcomm und Oppo getestet.
(Bild: Oppo)

Das Oppo Find X3 Pro sei das erste kommerzielle Smartphone, das mit der neuen Qualcomm-Snapdragon-888-5G-Mobile-Platform im Standalone-Netz genutzt werden könne. Experten von Vodafone, Qualcomm Technologies und Oppo hätten das Gerät bei zahlreichen Livetests für den Einsatz im Alltag vorbereitet und im April das finale Firmware-Update eingespielt. Ab Mai sollen dann auch die Smartphones der Samsung-Galaxy-S21-5G-Reihe mit einem entsprechenden Firmware-Update 5G Standalone im Vodafone-Netz unterstützen.

Vodafone-Kunden mit 5G-Tarifen könnten selbst entscheiden, ob sie im bestehenden 5G-Netz mit LTE-Unterstützung (5G Non-Standalone) surfen oder ob sie an ersten Orten die Datenübertragung in Echtzeit (5G Standalone) erleben wollen. Hierfür könne eine 5G-Core-Network-Option kostenfrei hinzugebucht werden. An Standorten, an denen die 5G-Standalone-Technologie noch nicht verfügbar sei, würden Kunden auch mit der 5G-Core-Network-Option wie gewohnt im bestehenden LTE- und 5G-Netz surfen.

Echtzeit für Augmented und Virtual Reality

Die niedrigen Latenzzeiten seien für private Nutzer künftig vor allem beim Gaming oder bei Anwendungen in der Augmented Reality (AR) wichtig. Dabei werde die reale Umgebung auf dem Smartphone oder auf speziellen AR-Brillen um virtuelle Zusatzinformationen ergänzt. Eine solche AR-App habe Vodafone gemeinsam mit der DFL entwickelt. Fußballfans könnten dann, wenn sie wieder ins Stadion dürfen, auf ihrem Smartphone in Echtzeit Livestatistiken zum Spiel erhalten. Im ersten 5G-Stadion in Deutschland, beim VfL Wolfsburg, hätten Vodafone und die DFL die Echtzeit-App bereits live im Einsatz getestet. Gemeinsam mit Nreal habe Vodafone eine AR-Brille auf den Markt gebracht, die zusammen mit dem Smartphone ebenfalls im 5G-Netz genutzt werden könne.

Teilnetze für Industriekunden und Spezialanwendungen

Noch wichtiger sei der neue Netzstandard für die Industrie, denn mit 5G Standalone werde Network Slicing alltäglich. Unternehmen, TV-Sender oder Sportveranstalter könnten so kurzfristig und für einen begrenzten Zeitraum Teilnetze mit garantierten Bandbreiten und Latenzzeiten im 5G-Netz buchen. Vodafone habe dies bei einem ersten Livetest mit dem TV-Experten Sky erprobt. Hierbei seien erstmals Livebilder aus der Fußball-Bundesliga über 5G übertragen worden.

Vodafone und Sony machen Vision-S bereit für 5G

Auch im vernetzten Straßenverkehr werde der Datenaustausch in Echtzeit wichtig. In einem gemeinsames Projekt von Vodafone und Sony dreht der erste Prototyp der Vision-S, das erste Elektroauto, das Sony gemeinsam mit Partnern selbst entwickelt, seine Runden im 5G-Mobility Lab von Vodafone im Aldenhoven Testing Center (ATC). Gemeinsam mit Sony werde Vodafone eine Netzumgebung entwickeln, die den Datenaustausch in Echtzeit erlaubt, wenn das Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit unterwegs ist.

(ID:47352365)