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Rückläufiger Markt
„Wir erwarten für das Gesamtjahr 2009 eine weitere Verlangsamung des Marktwachstums mit deutlich unter 2,0 Millionen Neuanschlüssen“, bestätigt auch Frank Rothauge von Sal. Oppenheim die relativ düsteren Aussichten für die Branche. Die Autoren können sich eine Breitband-Penetration von über 85 Prozent durchaus vorstellen, allerdings werden sich festnetzbasierte Breitbandanbieter den Markt mit mobilen Breitbandangeboten teilen müssen. Die Studie prognostiziert für das Jahr 2010 daher auch nur noch etwas mehr als eine Million Neuanschlüsse – eine zu niedrige Zahl, um den Umsatzrückgang durch fortgesetzten Preisverfall in der Branche kompensieren zu können.
„Wir empfehlen der Bundesregierung, ihre geplante Strategie zur Stimulierung von Breitbandinvestitionen zu überdenken. Statt einer vermeintlich investitionsfreundlichen Regulierung ist ein Breitband-Finanzierungsprogramm für kleinere Anbieter durch die KfW die sinnvollere Maßnahme. Denn stellt die Bundesregierung keine alternativen Finanzierungen bereit, wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ihr Ziel verfehlen, 75 Prozent der deutschen Haushalte bis 2014 mit einem Breitband-Anschluss zu versorgen“, nimmt Frank Rothauge auch die neue Regierung in die Pflicht.
Konsolidieren – aber wie?
Die Anbieter verfolgen mit Übernahmeaktivitäten im Breitbandmarkt drei wesentliche Ziele: Neben Kostensynergien wollen sie Umsatzsynergien erzielen sowie Investitionsausgaben bündeln. Aufgrund der unterschiedlichen Dynamik in den Teilmärkten variieren diese Ziele zwischen DSL-, Kabel- und Mobilfunkanbietern zum Teil erheblich. Die Studie analysiert insgesamt 77 Übernahmeoptionen – 18 davon werden als möglich oder gar wahrscheinlich eingeschätzt. Besonderes Augenmerk legen die Autoren auf vier Szenarien: Strategische Optionen für Telefónica O2 in Deutschland, die Renaissance des Reseller-Modells, Konsolidierungsszenarien für den Kabelmarkt sowie der Komplex „DSL goes Cable“. Die Deutsche Telekom bleibt unberücksichtigt, weil die Autoren nicht damit rechnen, dass die Bundesnetzagentur ihr Akquisitionen im Festnetzbereich in Deutschland genehmigen würde.
Rückzug unwahrscheinlich – strategische Optionen für Telefónica O2 in Deutschland
Mit einem Marktanteil von rund 14 Prozent und 14,9 Millionen Kunden ist Telefónica O2 derzeit der viertgrößte Mobilfunk-Netzbetreiber in Deutschland. Im Breitband- bzw. Festnetzbereich verfügt das Unternehmen über ein volles LLU-Netzwerk auf Basis der ADSL2+-Technologie. Allerdings liegt sein Marktanteil hier unter ein Prozent. Zusätzlich hat Telefónica O2 als Wholesaler verschiedener Service Provider rund eine Million Verbindungen geschaltet. Ein Triple- oder Quadruple-Play mit IPTV spielt Telefónica O2 noch nicht. Basierend auf dieser relativ schwachen Marktperformance waren die finanziellen Ergebnisse der vergangenen Quartale unbefriedigend, wenn auch mit positivem Trend. Ein Rückzug vom deutschen Markt ist dennoch unwahrscheinlich. Das deutsche Geschäft machte 2008 mit 3,6 Milliarden Euro etwa 6 Prozent des Konzernumsatzes aus. Außerdem hat Telefónica in den vergangenen Jahren rund 3 Milliarden Euro in die Erhöhung der 2G- und der 3G-Reichweiten investiert. Als Alternative zum Exit identifiziert die Studie zwei strategische Handlungsoptionen.
„Statt einer Fokussierung auf Mobilfunk als „Mobile-Only“-Player sollte das Unternehmen den integrierten Festnetz- und Mobilfunkansatz stärken. Die attraktivere Option für Telefónica O2 ist der massive Ausbau des Festnetz-Geschäfts“, erläutert Arndt Rautenberg von OC&C. Dies kann bei aktuell 230.000 Kunden allerdings nur über eine Akquisition von signifikanter Größe gelingen. HanseNet mit 2,3 Millionen Anschlüssen und 10 Prozent Marktanteil ist als Übernahmeziel bereits im Gespräch. Damit wäre die notwendige Größe und eigene Innenfinanzierungskraft als Bedingung für weitere DSL-Rollouts und Investitionen in neue Technologien erreicht. Durch eine Ausweitung des Geschäftskundensegments ließen sich zudem Investitionen in IPTV-Angebote und damit der qualitative Anschluss an die Wettbewerber Deutsche Telekom und Vodafone realisieren.
weiter mit: Strategische Optionen für United Internet: Renaissance der Reseller?
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