Die Realisierung autonomer Netze ist für Telekommunikationsanbieter (CSPs) kein optionales Upgrade mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit. Das Erreichen von Level 4 der Netzautonomie verspricht einen lückenlosen Zero-Touch-Betrieb, der die Effizienz steigert und das Kundenerlebnis sowie den Service verbessert.
Daria Batrakova ist bei FNT Software verantwortlich für Telecom Solutions und erläutert in ihrem Beitrag, wie wichtig autonome Netze für TK-Anbieter sind.
(Bild: FNT Software)
Die Telekommunikationsbranche navigiert derzeit durch eine Phase höchster Komplexität. Die Erwartungen von Kunden an Ausfallsicherheit, Geschwindigkeit und Nutzungskomfort steigen. Gleichzeitig expandieren hybride Ökosysteme aus 5G, Glasfaser, Cloud und Edge-Computing; dadurch steigt die Notwendigkeit moderner integrierter Netzbetriebsmodelle. Traditionelle, vertikale Silo-Architekturen, die über Jahrzehnte für die getrennten Welten von Mobilfunk, Festnetz, Internet und Cloud optimiert wurden, stoßen an ihre Grenzen. Diese fragmentierten Strukturen führen zu duplizierten Datenbeständen und inkonsistenten Informationen. Das macht manuelle Prozesse unumgänglich und bremst die Agilität massiv.
Es gilt also, diese manuellen Abläufe zu verringern und Silos aufzubrechen. Autonome Netze spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie konfigurieren und überwachen sich selbst, beheben Schäden und Probleme autonom und sorgen so für einen reibungslosen Betrieb ganz ohne Eingreifen. Dieser Zero-Touch-Ansatz verbessert die Kundenerfahrung und senkt gleichzeitig die Kosten. Um diese Autonomie umzusetzen, braucht es jedoch eine horizontale, KI-native Architektur, die Datenkonvergenz und Multi-Domain Inventory Awareness einbezieht.
Der Wegweiser: Das TM Forum Reifegradmodell
Das TM Forum hat ein sechsstufiges Modell entwickelt, um Transformation Richtung autonomer Netze zu strukturieren. Der Zusammenschluss aus 850 Akteuren in der IT- und Telekommunikationsindustrie definiert einen Reifegrad, der aus sechs Stufen besteht. Die Stufen reichen von 0 (manuell betrieben und gewartet) bis 5 (vollständig autonom). Das aktuelle Ziel ist, Level 4 und damit ein hohes Level an Autonomie zu erreichen.
Im Moment agieren die meisten Kommunikationsdienstleister (CSP) lediglich auf Level 2. Diese Stufe zeichnet sich durch einen unterstützten Betrieb aus. Manche Unternehmen erreichen in einigen Domänen partielle Autonomie und erfüllen damit schon die Merkmale von Level 3. Der entscheidende technologische Fortschritt passiert jedoch im Übergang von Level 3 auf Level 4. Denn hier kommen KI- basierte, prädiktive Analysen ins Spiel, die proaktiv und ohne menschliche Interventionen Entscheidungen treffen.
Architektonische Barrieren überwinden
Der Sprung zu Level 4 scheitert oft an veralteten, monolithischen Operational Support Systems (OSS) und Business Support Systems (BSS). Ihnen fehlt es an Flexibilität für dynamische Cloud-Native-Umgebungen. Die fehlende Echtzeit-Transparenz über hybride Infrastrukturen hinweg sowie eine mangelhafte Abstimmung zwischen Inventory-, Assurance- und Orchestrierungssystemen muss zudem überwunden werden, damit das System auf alle relevanten Daten zugreifen kann.
Autonome Netze sind letztendlich nichts anderes als geschlossene Regelkreise. Für eine erfolgreiche Level-4-Umsetzung ist deshalb eine horizontale, KI-native Architektur erforderlich, die auf strikter Datenkonvergenz basiert. Ein Agentic AI Layer – ein Verbund koordinierter KI-Agenten – fungiert als Katalysator, um den kontinuierlichen Closed-Loop-Prozess aus Wahrnehmen, Analysieren und Handeln zu optimieren. Die Integration von KI und prädiktiven Analysen löst das Netz von statischen Regeln und fördert einen proaktiven Netzbetrieb, der Prozesse selbstständig optimiert und Fehler behebt.
Prädiktive Analysen mithilfe von Machine Learning (ML) und historischen Traffic-Daten zeigen, wie sich die Netzauslastung entwickelt und wo Lastspitzen mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten. Mit diesen Prognosen kann das Netz Kapazitäten bereitstellen und anpassen, um auf Engpässe zu reagieren und eine gleichbleibend hohe Servicequalität zu gewährleisten. KI-Assistenten nehmen zudem Routine-Aufgaben ab und erleichtern komplexe Prozesse wie Fehleranalysen, die Abschätzung der Folgen von Ausfällen und die Netzplanung.
Doch wie bei allen KI-Systemen gilt: Die Modelle und die darauf basierende Automatisierung sind nur so gut wie die Daten, die ihnen zugrunde liegen. Um fundierte Entscheidungen zu garantieren, muss das Inventory-System deshalb in der Lage sein, saubere, verifizierte und einheitliche Daten zu liefern.
Der technologische Dreiklang: Inventory, Assurance und Orchestrierung
Die technologische Basis für Level 4 bildet die tiefe Integration dreier Kernkomponenten:
1. Unified Inventory (Single Source of Truth): Ein modernes Inventory-System fungiert als digitaler Zwilling, indem er physische, logische und virtuelle Assets in einer konsistenten Datenbank abbildet und damit die eine Quelle der Wahrheit schafft. Denn nur semantisch reiche und verifizierte Daten erlauben es KI-Modellen, fundierte Entscheidungen zu treffen.
2. Service Assurance & Predictive Analytics: Das Assurance-System überwacht das Netz permanent. Durch die Korrelation von Alarmen mit Topologiedaten aus dem Inventory werden nicht nur Symptome erkannt, sondern die tatsächlichen Fehlerursachen (Root Cause) identifiziert. Maschinelles Lernen nutzt historische Muster, um Lastspitzen oder Kapazitätsengpässe vorherzusagen.
3. Intent-basierte Orchestrierung: Die Orchestrierung nutzt die Erkenntnisse der Assurance und die Ressourcendaten des Inventorys, um automatisierte Maßnahmen wie Re-Routing, Skalierungen oder Neukonfigurationen einzuleiten. Sie stellt zudem sicher, dass Ressourcen zielgenau zugewiesen und freigegeben werden.
Die Integration dieser drei Systeme ebnet den Weg für eine grundlegende Verbesserung des Netzbetriebs auf Level-4-Niveau. Das System deckt physische, logische und virtuelle Schichten ab und erreicht damit eine End-to-End-Transparenz über alle Komponenten.
Autonomie in der Praxis
Wie Level-4-Autonomie im Alltag agiert, zeit sich am Beispiel eines Glasfaserbruchs. In einer herkömmlichen Umgebung würde ein solcher komplexe manuelle Analysen erfordern. Ein autonomes Netz auf Level 4 erkennt die korrelierten Alarme sofort, identifiziert über das Inventory die betroffenen Dienste und leitet den kritischen Datenverkehr automatisiert über einen Backup-Pfad um. Auf diese Weise vermeidet es einen sonst drohenden Ausfall. Zeitgleich wird ohne menschliches Zutun ein Arbeitsauftrag für die physische Reparatur generiert.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Level-4-Autonomie beugt zudem SLA-Verletzungen präventiv vor. Wenn das Assurance-System erste Anzeichen einer Latenzverschlechterung erkennt, identifiziert es mithilfe der Topologiedaten die Ursache - beispielsweise einen überlasteten Switch. Bevor vertragliche Schwellenwerte überschritten werden, triggert der Orchestrator eine dynamische Anpassung der QoS-Profile oder ein alternatives Routing.
Level 4 lohnt sich
Der Übergang zu Level 4 bedarf neben der technologischen Transformation auch ein menschliches bzw. organisatorisches Change Management: Automation bringt oft Widerstände mit sich. Diese gilt es ab- und neue Kompetenzen und Skills in der Automatisierungssteuerung aufzubauen. Doch der Ertrag ist signifikant: Eine Architektur, die sich selbst konfiguriert, überwacht und repariert, reduziert nicht nur die Betriebskosten, sondern schafft die notwendige Agilität für künftige Innovationen.
Über die Autorin
Daria Batrakova ist bei FNT Software verantwortlich für Telecom Solutions. Sie verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Netzbetrieb, der OSS-Integration und der Beratung im Bereich Telekommunikation.