Migration auf Windows 10

So beherrschen Sie die halbjährlichen Versions-Updates

| Autor / Redakteur: Jochen Rapp und Jörg Tewes / Andreas Donner

Mit Windows 10 werden halbjährliche Upgrade- und Update-Zyklen nötig. Ein Aufwand, der genau geplant werden sollte.
Mit Windows 10 werden halbjährliche Upgrade- und Update-Zyklen nötig. Ein Aufwand, der genau geplant werden sollte. (Bild: © niroworld - stock.adobe.com)

Bis Januar 2020 müssen Unternehmen ihre bisherigen Windows-Umgebungen auf Version 10 umgestellt haben. Doch im Gegensatz zu früher, als ein solches Migrationsprojekt etwa alle fünf Jahre stattfand, gibt es nun halbjährlich eine neue Version, die nur 18 Monate lang von Microsoft unterstützt wird.

Viele Unternehmen setzen heute noch großflächig Windows 7 ein – für die täglichen Arbeits- und wichtigen Geschäftsprozesse. Doch Microsoft hat seit langem angekündigt, den Support für diese Version am 14. Januar 2020 einzustellen. Auf Basis der Erfahrungen bisheriger Betriebssystem-Migrationen sollten zumindest große Firmen für eine Migration von Windows 7 auf Windows 10 mit einem Zeitraum von mindestens eineinhalb Jahren rechnen, sodass sie spätestens jetzt damit anfangen sollten.

Doch die Umstellung auf Windows 10 ist weitaus mehr als nur das Ausrollen einer neuen Version. Denn bislang erschien alle zwei bis drei Jahre ein neues Upgrade, wobei Unternehmen oft eine Version übersprangen und nur alle fünf bis sechs Jahre eine neue Windows-Umgebung einführten. Dies hat sich nun radikal geändert. Ab Version 10 bringt Microsoft in jedem Halbjahr eine neue Version heraus, die jeweils nur 18 Monate lang Support erhält. Selbst beim Überspringen einer Nummer ist damit alle 12 Monate eine Migration fällig.

Manch alteingesessener IT-Verantwortliche fühlt sich davon regelrecht überrollt und weist Microsoft den Schwarzen Peter zu. Doch das ist zu kurz gegriffen. Tatsächlich kann es sich kein Hersteller einer Software oder Hardware – und auch kein Anwender-Unternehmen – heute mehr leisten, die bisherigen langfristigen Update-Zyklen beizubehalten. Denn dafür ändern sich die Markt- und Kundenanforderungen sowie Technologien, Compliance- und Security-Richtlinien viel zu schnell. Statt großer, unflexibler und unregelmäßig gepatchter Programmpakete sind flexible, skalierbare und ständig aktualisierte Lösungen gefordert. Microsoft zwingt seine Kunden also ein Stück weit zu ihrem Glück und diese müssen sich umstellen – ob sie wollen oder nicht.

Microsoft als Helfer

Entsprechend sollte die neue Microsoft-Strategie, die der Hersteller als „Evergreen“ bezeichnet, nicht als Ärgernis, sondern als Unterstützung für die schnelle Erfüllung neuer Wünsche von Kunden und Mitarbeitern betrachtet werden. Doch diese Hilfe gibt es nicht umsonst. Dabei sind gar nicht so sehr die Kosten gemeint, sondern der Aufwand für die notwendigen Änderungen. Denn für Unternehmen stellt sich die Frage, wie sie ein Großprojekt wie eine Betriebssystem-Umstellung, das sie früher oft über Jahre geplant, vorbereitet und durchgeführt haben, nun innerhalb von wenigen Monaten und in ständiger Wiederholung umsetzen können.

Häufig begehen sie dabei aus alter Gewohnheit schon früh Fehler, etwa indem sie die Umstellung auf Windows 10 wie bei Windows 7 angehen. Dann geschieht es häufig, dass die für Tests und Proof of Concepts genutzte Version beim Rollout schon wieder veraltet ist. Das bedeutet: Vor allem die sehr zeitaufwändige Prüfung auf Abwärtskompatibilität lässt sich angesichts der kurzen Lebenszyklen nicht mehr schnell genug umsetzen. Die gute Nachricht lautet: Man kann und sollte darauf sogar weitgehend verzichten.

Diese Aussage scheint verrückt zu klingen. Doch das Gegenteil gilt: Die Abwärtskompatibilität von Windows 10 ist sehr hoch. Daher muss sie nur bei extrem wichtigen Anwendungen und Systemen noch ausgiebig getestet werden. In allen anderen Fällen kann man einfach die neue Betriebssystem-Version installieren – und abwarten, was geschieht. Sobald Fehler auftreten, sind diese dann so schnell wie möglich zu beheben.

Schnell einführen statt verbieten

Gerade diese Denkweise widerspricht vielen bisherigen Vorgaben an die IT in Richtung Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit. Doch der Ansatz, alles zu verbieten, das nicht zu hundert Prozent funktioniert und mehrfach getestet wurde, verhindert auch notwendige Innovationen für Produktentwicklung und Arbeitsprozesse. Dies führt zu Wettbewerbsnachteilen und frustrierten Mitarbeitern. Stattdessen sollten IT-Verantwortliche mit gegebener Vorsicht zügig neue Lösungen einführen und sozusagen im Nachhinein Fehler beheben sowie Optimierungen durchführen. Bei Windows 10 bleibt ihnen fast gar nichts anderes übrig.

Damit verändern sich aber auch die Anforderungen an die IT-Abteilung. Sie ist praktisch ständig mit dem Testen neuer Versionen und dem Troubleshooting beschäftigt. Statt einzelner Großprojekte sind kontinuierliche Services für die Windows-Infrastruktur umzusetzen. Zudem müssen die bisherigen Silos innerhalb der IT-Abteilung aufgelöst und die Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen intensiviert werden. Heute kann es sich kein Unternehmen mehr leisten, Hardware und Software, Test und Entwicklung, Betrieb und Sicherheit getrennt voneinander zu sehen. Und auch die Anforderungen von Fachabteillungen sowie die Wünsche der Mitarbeiter sind von Anfang an in die Planungen einzubeziehen, damit die Arbeitseffizienz und Produktivität erhöht wird.

Gleichzeitig müssen die entsprechenden Rahmenbedingungen an das schnelllebige Windows 10 angepasst werden. Dazu gehören etwa die Anwendungen für Hardware- und Software-, Security- und Mobile Device Management. Auch der Arbeitsplatz ist entsprechend zu aktualisieren. Hier können Unternehmen sozusagen in beide Richtungen denken: Sie beginnen mit Windows 10 als erstem Schritt und rollen auf dessen Basis einen modernen Digital Workplace aus. Oder sie erstellen eine umfassende Strategie für den zeitgemäßen Arbeitsplatz und aktualisieren im Zuge dessen auf Windows 10. Tatsächlich sollten Unternehmen beide Themen – Betriebssystem und Arbeitsplatz-Ausstattung – heute nicht mehr getrennt voneinander, sondern integriert betrachten. Nur dann können sie optimale Lösungen entwickeln.

Kundenbeispiel aus der Praxis

Wie dies funktionieren kann, zeigt ein Kundebeispiel. Ein Technologie-Unternehmen entwickelte eine umfassende Strategie für die Workplace-Transformation, um die Digitalisierung in allen Bereichen voranzutreiben. Im Zuge dessen sollte die bestehende Hardware durch mobile Arbeitsgeräte ausgetauscht werden – bei gleichzeitiger Migration auf Windows 10 und neue Office-Versionen sowie Skype for Business. Die auf einen Zeitraum von mehreren Monaten angesetzte Einführung übernahm Computacenter.

Die größte Herausforderung bestand nicht im Bereich Technologie, sondern bei der Akzeptanz sowohl durch die Geschäftsführung als auch die Mitarbeiter. Die Führungsebene war vor allem von der Notwendigkeit einer frühen, aktiven und transparenten Kommunikation der Maßnahmen an die Nutzer überzeugt. Diese wurde bereits in der besonders sensiblen Frühphase während der ersten Rollout-Phase verwirklicht. Anschließend wurden mit Change-Management-Maßnahmen für die Mitarbeiter die Nutzerakzeptanz erhöht.

Konkretes Vorgehen

Wie sollten Unternehmen konkret vorgehen, um die Umstellung auf Windows 10 rechtzeitig umzusetzen? Im ersten Schritt ist dabei nicht die Technologie wichtig, sondern die Umstellung der internen Prozesse, die durch das neue Betriebsmodell notwendig werden. Windows steht nun ähnlich wie ein Service bereit und wird praktisch kontinuierlich aktualisiert. Dies erfordert ständige Prozesse für Tests, erste Rollouts und Massen-Rollouts. Dazu sind entsprechende Teams einzurichten, die entweder auf die jeweiligen Phasen spezialisiert sind oder sich regelmäßig abwechseln.

Nur die wichtigsten Anwendungen und Systeme sollten vorab auf ihre Kompatibilität mit der nächsten Windows-10-Version geprüft werden, um diese möglichst schnell einzuführen. Mögliche auftretende Probleme sind dann von einem permanent eingerichteten Service Desk zu beheben. Auch die Management-Software für Windows 10, Anwendungen und Geräte müssen an die hohe Upgrade-Geschwindigkeit angepasst sein, weshalb sich flexible und ständig aktualisierte Cloud-Lösungen anbieten. Hier ist dann bei Bedarf die Compliance mit aktuellen Vorschriften zu prüfen. Zudem empfiehlt es sich, auch die Workplace-Anwendungen zu aktualisieren, um einen modernen Arbeitsplatz bereitzustellen.

Bei der Umstellung der Systeme, Anwendungen und Prozesse können Unternehmen externe Dienstleister und Beratungsunternehmen einbinden. Je nach Vorbereitung erfolgt dies über eine Ausschreibung bereits festgelegter Anforderungen oder gemeinsame Analyse- und Assessment-Workshops, um Status und Ziele zu ermitteln. Anschließend lässt sich festlegen, wer welche Aufgaben in welcher Form übernimmt.

Jochen Rapp.
Jochen Rapp. (Bild: Maren Janning / Computacenter)

Jörg Tewes.
Jörg Tewes. (Bild: Computacenter)

Dazu gibt es zwei Phasen: Die Transformation umfasst die Einführung von Windows 10 sowie der entsprechenden Tools, Prozesse und Services zur Sicherstellung des Betriebs. Zu den bereitgestellten Services gehören etwa Application Management, Release Management, kontinuierlicher Rollout, Koordination und User Adoption, die an die jeweiligen Bedürfnisse der Firma angepasst sind.

Fazit

Wer die Umstellung auf Windows 10 als singuläres Projekt begreift, ist zum Scheitern verurteilt. Denn anders als frühere Migrationen erfordert Windows 10 eine ganzheitliche Strategie mit einer Umstellung der internen Prozesse und Strukturen in allen Bereichen. Zum Beispiel sind kontinuierlich neue Betriebssystem-Versionen zu testen, wobei der Aufwand zum Teil geringer wird, da die meisten Apps in der ersten Rollout-Phase geprüft werden statt im Labor.

Die IT muss interne Silos auflösen, um umfassende Lösungen aus Hardware, Betriebssystem und Anwendungen zu entwickeln. Fachabteilungen arbeiten enger mit der IT zusammen, damit diese effektive, produktive Arbeitsabläufe im Rahmen des Digital Workplace ermöglicht. Die Mitarbeiter haben sich an permanente Neuerungen zu gewöhnen, worüber sie zum Beispiel in Form von Popups oder regelmäßigen Schulungen informiert werden. Und die Geschäftsführung muss diese Umstellungen von Anfang an vorantreiben und unterstützen, um von den Vorteilen der Digitalisierung zu profitieren. Nur wer die Windows-10-Migration als Prozess und nicht als Projekt begreift, wird also am Ende erfolgreich sein.

Über die Autoren

Jochen Rapp und Jörg Tewes arbeiten beide als Solution Manager bei Computacenter.

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