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Grundlage von Digitalisierung und 5G Schlüsseltechnologie Edge Computing

| Autor / Redakteur: Joachim Fischer / Ann-Marie Struck

Der Markt um den Mobilfunkstandard 5G wächst. Ebenso wie das Internet der Dinge (IoT) setzen auch High-Speed-Datenübertragungen eine vergleichsweise neue Netzwerktechnologie voraus – das so genannte Edge Computing. Warum ist diese für 5G wichtig?

Ohne Edge Computing ist IoT in der Industrie nicht möglich.
Ohne Edge Computing ist IoT in der Industrie nicht möglich.
(Bild: ©vladimircaribb - stock.adobe.com)

Eine aktuelle Studie von Vertiv, die gemeinsam mit den Technologieanalysten von Omdia erstellt wurde, kommt zu dem Ergebnis: Edge Computing ist ein wichtiger Wachstumsmarkt für Netzbetreiber, gerade im Zusammenhang mit dem 5G-Ausbau. Denn durch die Zusammenführung vorhandener Netze mit bestehenden Mobilfunkmasten, zentralen Standorten und Edge-Rechenzentren lassen sich Plattformen für die Entwicklung neuer Edge-Dienstleistungen aufbauen.

So ist es nicht verwunderlich, dass 36 Prozent der Interviewten in der Studie den Netzbetreibern die wichtigste Rolle zuschreiben, wenn es um neue Umsatzmöglichkeiten mit Edge Computing geht. Gerade die vorgefertigten modularen Rechenzentren (prefabricated modular data centres – PFM) werden für Netzbetreiber bei der Bereitstellung zukünftiger Edge-Infrastrukturen im Mittelpunkt stehen. Doch was ist Edge überhaupt und warum ist diese Technologie so wichtig für den 5G-Ausbau?

Edge als Digitalisierungstreiber

Unter Edge Computing versteht man zunächst einmal eine dezentral organisierte Datenverarbeitung. Diese findet direkt am Rand des Netzwerks statt, dem sogenannten Edge. Das bedeutet, dass die Daten direkt in der Netzwerkperipherie generiert und verarbeitet werden.

Grundsätzlich lassen sich die verschiedenen Edge-Typen in drei Kategorien einteilen, die nach den jeweiligen Einsatzbereichen definiert werden:

  • Legacy Edge: Diese Kategorie bezeichnet eine lokale Datenverarbeitung, die direkt bei Unternehmen in einzelnen Niederlassungen beziehungsweise Standorten stattfindet. Das sind zum Beispiel kleine Rechenzentren, die ihre Leistung nur für den Vor-Ort-Einsatz bereitstellen, oder einzelne Server. Hier findet aktuell ein Wandel statt, weil immer mehr dieser Lösungen im Rahmen von „as-a-Service“-Angeboten entweder in die Cloud wandern oder durch Colocation-Anbieter abgelöst werden.
  • Geographic Edge: Hier lassen sich die so genannten Content Delivery Networks und Cloud Services einordnen. Gehostet werden diese in den meisten Fällen in Colocation-Rechenzentren. Diese befinden sich in der Regel da, wo die Daten benötigt werden, also in der Nähe großer Städte oder Ballungszentren.
  • Dynamic Edge: In dieser Kategorie finden sich vor allem Geräte im Internet der Dinge, aber auch die einzelnen Sensoren einer Smart City oder Wearables wie Smartwatches. Da diese Geräte üblicherweise nur mobil mit dem Internet verbunden sind, gleichzeitig aber immer komplexer werden, sind sie auf entsprechende Datenverbindungen angewiesen, profitieren also massiv vom aktuellen Ausbau des 5G-Mobilfunks.

Der Netzwerkrand wird zum Computing-Mittelpunkt

Aktuell verlagert sich der Workload immer stärker dahin, wo die Rechenleistung direkt benötigt wird – also an den Netzwerkrand. Dementsprechend steigt sowohl der Bedarf nach Colocation-Angeboten als auch der nach eigenen Edge Computing-Lösungen direkt vor Ort bei den Unternehmen. So investieren die Firmen aktuell massiv in die Bereitstellung von Rechenkapazität am Edge. Denn wer die Datenverarbeitung direkt zu den Anwendern bringt, kann sich zum einen vom Wettbewerb absetzen und zum anderen im Markt als Vorreiter der Digitalisierung positionieren.

Dass der Bedarf nach Edge Computing vorhanden ist, zeigt eine weitere Studie von Vertiv aus dem Jahr 2019 . Diese Befragung unter mehr als 800 IT-Fachleuten hatte ergeben, dass 53 Prozent mit einer Verdopplung des Edge-Marktes innerhalb der nächsten fünf Jahre rechnen. Jeder Fünfte rechnet sogar mit einem Wachstum von 400 Prozent und mehr.

Dies ist auch eine Chance für die Vertriebspartner, die hier durch ihr Fachwissen und ihre Praxiserfahrung einen zusätzlichen Mehrwert bieten können. Denn die Edge-Einheiten funktionieren in der Regel wie kleine Rechenzentren – was bedeutet, dass sie von entsprechend geschultem Fachpersonal eingerichtet und, idealerweise remote, administriert werden müssen.

Joachim Fischer, EMEA Channel Sales Director, bei Vertiv.
Joachim Fischer, EMEA Channel Sales Director, bei Vertiv.
(Bild: Vertiv)

Allerdings haben Unternehmen nur in den seltensten Fällen die passenden IT-Experten vor Ort, müssen sich also darauf verlassen können, dass ihre Vertriebspartner den Support übernehmen können. Damit ergibt sich für Value-Added-Distributoren die Chance, durch Dienstleistungen abseits des Vertriebs zu überzeugen. Selbst Channel-Vertriebspartner, die bislang über kein dediziertes Service-Team verfügen, können ihr Geschäft ausbauen – weg vom reinen Vertrieb, hin zu einem vollwertigen Service-Partner der Unternehmen.

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