Kollaboratives Netzwerkmonitoring aus der Cloud

QSC-Analyser im Test

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner

IP-Insider hat den QSC-Boxen auf den Zahn gefühlt.
IP-Insider hat den QSC-Boxen auf den Zahn gefühlt. (Bild: Srocke)

Netzwerkmonitoring per Cloud – was nach einem unlösbaren Widerspruch klingt, hat QSC zu einem fertigen Produkt gemacht. IP-Insider hat sich den QSC-Analyser genauer angeschaut.

Mit dem QSC-Analyser sollen Unternehmen die Güte von Netzwerken überwachen und beispielsweise prüfen, wie gut sich Verbindungen für VoIP-Telefonate eignen. Ergebnisse liefert die Lösung über die Cloudplattform Cospace. Für die eigentlichen Messungen braucht es freilich doch noch dedizierte Hardware, so genannten QSC-Boxen.

Lieferumfang

Der Hersteller liefert die QSC-Boxen samt Netzteil und Patchkabel aus – mehr Anschlussmöglichkeiten bietet die lautlos arbeitende Hardware ohnehin nicht. Die eigentlichen Messboxen sind knapp vier Zentimeter hoch; die Grundfläche entspricht der eines Quadrates mit zirka zwölf Zentimetern Kantenlänge und abgerundeten Ecken. An der Front befinden sich drei LEDs, die Auskunft über den aktuellen Status des Systems geben. Das Gehäuse ist zur Wandmontage vorbereitet, kann aber auch auf Standfüßen stehen. Zum Lieferumgang gehören weiterhin eine auf vier DIN-A4-Seiten ausgedruckte Kurzanleitung sowie ein Hardwareschlüssel.

Netzwerkmonitoring mit Cloud-Anbindung

QSC-Analyser untersucht Paketlaufzeit, Jitter und MOS

Netzwerkmonitoring mit Cloud-Anbindung

17.07.13 - Mit dem QSC-Analyser können Unternehmen Netzwerkverbindungen End to End überwachen. Auswertungen zu Paketlaufzeit, Jitter oder Mean Opionion Score (MOS) zeigt die Cloud-Platform Cospace im Webbrowser an. lesen

Einrichtung

Um die Boxen zu nutzen benötigen Anwender zunächst einen Account auf Cospace. QSC bezeichnet die Plattform als "kostenlosen Communication Service aus der Cloud". Dessen Leistungsumfang für E-Mail, Fax oder Storage hat uns an dieser Stelle weniger interessiert. Für das Zusammenspiel mit den QSC-Boxen interessante Funktionen haben wir aber sehr wohl unter die Lupe genommen.

Die Hardware wird mit den bereits erwähnten Schlüsseln auf der Cloud-Plattform registriert. Des Weiteren müssen Anwender noch einen Lizenzschlüssel hinterlegen und die Systeme nach Wunsch benennen. Die Einrichtung gelang uns per Firefox allerdings nicht ganz ohne Hakeleien: So mussten wir die Ansicht für QSC-Boxen erst per Strg+B aktivieren; bei der Eingabe der Schlüsselnummern übersprang das Webinterface die vorgegebenen Trennungen nicht wie zu erwarten, sondern verschluckte einzelne Zeichen.

Trotz dieser marginalen Unwägbarkeiten kann die Installation als problemlos beschrieben werden.

Testaufbau

Die QSC-Boxen erlauben eine Ende-zu-Ende-Messung von Netzwerkverbindungen. Logischerweise benötigen Anwender also auch mindestens zwei Boxen, die sich untereinander direkt erreichen. Dafür müssen sich die Boxen im gleichen Netz bzw. Netzsegment befinden; soll eine Verbindung über eine Firewall hinweg erstellt werden, muss zumindest das als Senke genutzte System über eine öffentliche IP verfügen.

Für unsere Tests hat uns der Anbieter zwei QSC-Boxen zur Verfügung gestellt. Zusätzlich hat QSC über die Cospace-Platform ein weiteres System im eigenen Rechenzentrum freigegeben. Derlei Messpunkte sind zumindest aktuell noch kein Teil des offiziellen Angebotes. Im Einzelfall könne man Kunden diesen Zugang jedoch freischalten, sagt QSC auf Nachfrage.

Messungen definieren

Sind die Boxen verkabelt sowie in Cospace angelegt und benannt, informiert die Cloudplattform mit einem roten oder grünen Punkt sogleich über den Status der Systeme. Um Messungen einzurichten genügt ein Klick auf den entsprechenden Reiter der grafischen Oberfläche. Um eine "Neue Messung" anzulegen, werden die QSC-Boxen einfach per Drag & Drop verschoben.

QSC hat bereits verschiedene Messprofile für G.711 und G.729 vorkonfiguriert. Anwender dürfen aber auch eigene Messungen definieren. Per Schieberegler können dabei IP-Paketgröße (80 bis 2.000 Byte) und Paketabstand (10 bis 1.000 ms) festgelegt werden. Damit sind Datenraten zwischen 640 bit/s und 1,6 Mbit/s machbar. Des Weiteren können Nutzer die Datenströme per Differentiated Services Codepoint (DSCP) klassifizieren sowie Messdauer und wiederkehrende Pausen angeben.

Etwas umständlich: Änderungen müssen stets explizit per Klick auf den entsprechenden Button gespeichert werden oder gehen verloren. Immerhin warnt Cospace vergessliche Anwender immer dann, wenn sie Untermenüs mit ungesicherten Settings verlassen.

Erste Auswertungen im Browser

Erste Ergebnisse liefert Cospace breits im Untermenü der jeweiligen Messung. Richtig übersichtlich wird es jedoch erst nach dem Wechsel in die Vollbilddarstellung. Hier erkennen Anwender auf einen Blick, wie sich Paketumlaufzeiten (RTT), Jitter und Paketverluste über einen bestimmten Zeitraum hinweg entwickeln. Auf einer zusätzlichen Skala wird zudem der für VoIP-Telefonie wichtige Mean Opinion Score (MOS) ausgewiesen.

Die Ansicht lässt sich fast nach Belieben anpassen. Anwender können Messzeiträume zwischen zehn Minuten und einem Monat grafisch darstellen und per Kalender auch historische Daten ansteuern. Die von Cospace zur Verfügung gestellten fünf Gigabyte an Speicherplatz stellen hierbei übrigens keine Limitierung dar. Laut Anbieter ist die Kapazität für Messungen "unbegrenzt". Das bestätigte sich auch bei unseren Tests: Der ausgewiesene Onlinespeicher wurde von unseren Messungen nicht aufgebraucht.

Einzelne Messdaten können aus- und eingeblendet werden; die Zeitachse lässt sich zudem fixieren: Der Klick auf ein grafisch dargestelltes Vorhängeschloss friert das automatische Scrollen ein. Der per GUI respektive Mausrad ausgelöste Zoom hat uns derweil etwas verwirrt. Die linear verteilten Werte für RTT und Jitter rückten beim Zoomen zwar enger zusammen oder weiter auseinander; an der Darstellung der Paketverluste änderte sich aber auf dem ersten Blick nichts. Erklärung: Hier wurde lediglich die logarithmische Skala am rechten Rand angepasst.

Extreme Messwerte bildet das Diagramm im Browser nur unzureichend ab. Trotz Zoom werden Jitter/RTT nur bis maximal 1.000 ms dargestellt, MOS-Werte unter 2,5 sind nicht mehr erkennbar. Das ist allerdings vertretbar: Wenn die Messungen tatsächlich über oder unter diese Schwellen fallen, sollten Administratoren nicht mehr am Web-GUI kleben, sondern bereits im Feld an der Fehlerbehebung arbeiten. Genaue Zahlen können alternativ aber auch per CSV-Datei exportiert und mit lokalen Tools weiterverarbeitet werden. Exportiert werden dabei allerdings nur die Werte, die auch im Diagramm dargestellt werden. Daten für längere historische Auswerten müssten Anwender also mühsam zusammenstellen.

Anspruchsvollere Kunden können zudem über eine dokumentiert API auf Cospace zugreifen.

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