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Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 85

Planungshilfen für ein Elektrosmog-armes WLAN

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Planungsrichtlinie 4

Die hinsichtlich der RF-EMF-Belastung optimale Zahl von Access Points in Räumen mit bis zu 8 Arbeitsplätzen ist ein Access Point pro Raum. Bei dieser Konstellation kann dieser Access Point die Teilnehmer im Raum optimal mit der geringstmöglichen Sendeleistung versorgen.

Das kann man jetzt noch weiter optimieren, wenn man z.B. dafür sorgt, dass die mittlere Entfernung aller Personen vom AP maximiert wird. Bei üblichen Szenarien für Büroräume bedeutet dies meist, dass der AP in der Nähe der geometrischen Mitte der Raumdecke aufgehängt werden sollte. Eine Positionierung in einer Ecke ist ungünstiger, eine Positionierung eines AP auf dem Schreibtisch eines Mitarbeiters völlig abzulehnen.

Bei größeren Räumen herrscht oft die Vorstellung, dass man einen kräftigen Access Point aufhängen sollte, weil ja ein AP weniger strahlt als mehrere. Mit TPC ist das natürlich genau falsch: die individuelle RF-EMF-Belastung wird dann optimiert, wenn ein einzelner AP nur eine relativ begrenzte Fläche abdeckt und zur Abdeckung größerer Flächen mehrere APs mit überlappenden Wirkungsbereichen eingesetzt werden.

Planungsrichtlinie 5

Größere Flächen müssen mit mehreren APs versorgt werden, die so positioniert sind, dass jeder AP mit möglichst geringer Leistung senden kann und die Summe der APs einen flächendeckenden Versorgungsbereich bildet.

Unter Berücksichtigung von P5 lassen sich auch Redundanzkonzepte wirkungsvoll durchsetzen.

Bis zur weiten Verfügbarkeit von WiMAX werden die Access Points mittels einer sternförmigen Verkabelung über Fast- oder Gigabit-Ethernet-Switches in einem oder mehreren Distribution-Systemen zusammengefasst. Nach P2 empfiehlt sich eine Verbindung der WLAN-APs in der Rolle von WiMAX-Subscribern nur über entsprechende Außenantennen

Die Regeln P1 bis P5 gelten für normale Büroumgebungen. Im Laufe der Zeit wird es sicher wichtig werden, auch für andere Umgebungen entsprechende, einfache Richtlinien zu entwickeln.

Allerdings sind besonders P2 und P5 weitreichend, und P5 ist natürlich auch anwendbar auf größere öffentliche Flächen, z.B. im Einzelhandel, Großhandel, Logistik und Messe- und Ausstellungsflächen sowie den gesamten Bereich von Hot Spots. Andererseits lassen sich manche Regeln auch sozusagen invers verwenden. Möchte man z.B. eine Menge kleinerer Hotelzimmer versorgen, kann man die APs geeignet im Gang zwischen den Hotelzimmern positionieren, weil dann ja alle Personen, die das WLAN etwas länger nutzen, jeweils hinter genau einer Wand befindlich sind und alle Personen, die durch den Gang laufen, dem WLAN RF-EMF-Feld nur kurzzeitig ausgesetzt sind. Eine Positionierung eines APs in einem Hotelzimmer wäre in diesem Falle z.B. völlig falsch, es sei denn, der Hoteldirektor spendiert jedem Zimmer einen eigenen AP.

Die Regeln unterstützen die Mobilität von Benutzern in hinreichendem Maße, wenn das WLAN insgesamt ein sinniges Roaming-Konzept hat. Diese Thematik liegt aber abseits der Perspektive dieser Darstellungen.

Abschließend sei noch bemerkt, dass eine drahtlose Infrastrukturlösung nach Ansicht des Autors unvollständig ist, wenn nicht auch die Telefonie einbezogen wird. Die Entwicklung von Voice over IP over Wireless, kurz VoWLAN, macht erhebliche Fortschritte. Auch wenn die einschlägigen Hersteller zurzeit noch eigenständige Optimierungen hinsichtlich der Gewährleistung von QoS im WLAN vornehmen müssen, sind auch entsprechende Standardisierungsbemühungen auf dem Wege.

Intressant sind hier vor allem schnurlose Geräte, die aussehen wie Handys, aber mit VoWLAN arbeiten. Für VoWLAN Handsets gelten natürlich zunächst die gleichen Restriktionen wie für WLANs allgemein, der Unterschied ist aber, dass man diese Geräte ja wieder an den Kopf hält. Um den SAR-Wert von 0,08 W/kg nicht zu überschreiten, dürften diese Geräte mit ca. 0,4 W senden. Das tun sie aber nicht, denn sie sind ja schon per Definitionem auf 100 mW beschränkt. Wenn aber das WLAN nach P1 bis P5 strukturiert ist, werden sie noch mit viel geringeren Leistungen auskommen, z.B. typischerweise 30 mW. Dies entspräche einem SAR-Wert von ca. 0,006 W/kg. Vergleichsweise haben normale GSM-Handys SAR-Werte von 1 bis 2 W/kg. Daraus ergibt sich folgender sensationeller Schluss:

Die Verwendung von VoWLAN-Handsets anstelle von GSM-Handys hat das Potential, die RF-EMF-Belastung von Menschen bei geeignetem Design um den Faktor 100 bis 200 zu senken!

Dieses Ergebnis basiert auf Extrapolation der bekannten Referenzniveaus für die vereinfachte Bestimmung von Feldstärken vor dem Hintergrund einer dosimetrischen Belastung. Es kann im Einzelnen mit Fehlern, die sich aus der Methode ergeben, behaftet sein, die aber an der zur erzielenden Größenordnung nicht rütteln.

Eine Verfestigung dieses Ergebnisses kann es nur im Rahmen von SAR-Messungen der betreffenden Geräte in entsprechend ausgestatteten Labors geben.

Da das Ergebnis den Herstellern dieser Geräte den Verkauf möglicher Lösungen nicht grade erschwert, möchte ich sie auffordern, die tatsächlichen SAR-Werte für diese Geräte mit den gleichen dokumentierten Meßmethoden, wie sie für Handys angewendet werden, durchzuführen und die Ergebnisse in leicht zugänglicher Form zu veröffentlichen.

Die Information der betroffenen Öffentlichkeit hat in diesem Falle Vorrang vor kleinfitzeligen Produktlinien-Differenzierungen zwischen den einzelnen Herstellern. Die Hersteller haben in anderen Bereichen (z.B. Management-Lösungen, Datensicherheit, Roaming) hinreichende Betätigungsfelder für entsprechende marktfähige Differenzierungen.