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Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 37

ISDN – Digitale Verschmelzung von Telefon- und WAN-Diensten

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Die Kommunikationssteuerung bei ISDN

Damit zwei Endeinrichtungen über ISDN miteinander kommunizieren können, muss – außer natürlich bei Festverbindungen – eine logische Verbindung aufgebaut und nach Beendigung der Kommunikation auch wieder abgebaut werden.

Dies hat, da ISDN eher von Personen entwickelt wurde, die sich mit Telefonnetzen befasst hatten als von Spezialisten der Datenkommunikation, den Namen Signalisierung oder Zeichengabe. Die Signalisierung hat den Zweck des Austausches von Kontroll- und Steuerinformation. Im Gegensatz zu den meisten Konstruktionen bei Datennetzen ist bei ISDN die Signalisierung vom Nutzdatenstrom getrennt, wie man auch an der Gestaltung der Schnittstellen leicht erkennt. Das hat den Vorteil, dass man den Nutzdatenstrom ziemlich hemmungslos gestalten kann. Außerdem kann man mitten in einer bestehenden logischen Verbindung einfach den Dienst wechseln.

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ISDN unterscheidet zwischen einer Teilnehmersignalisierung und einer Zentralkanalsignalisierung. Erstere wirkt als Ende-zu-Ende-Kommunikationssteuerung zwischen dem Endgerät über den Netzabschluss NT bis zur digitalen Ortsvermittlungsstelle und von der digitalen Ortsvermittlungsstelle wieder zum Endgerät und funktioniert nach dem sog. D-Kanal-Protokoll. Letztere wirkt zwischen den Ortsvermittlungsstellen nach dem Zeichengabesystem Nr. 7.

Die Zentralkanalsignalisierung soll hier nicht weiter interessieren, da sie zwischen Einrichtungen der Provider stattfindet.

Das D-Kanal-Protokoll ist gemäß des OSI-Modells in drei Schichten strukturiert. Die Bitübertragungsschicht sorgt für Bit-Takt, Oktett-(Byte)-Takt, Rahmensynchronisation im Zeitmultiplexverfahren, D-Echokanal für die Mehrfachzugriffsteuerung (man kann ja mehrere Endeinrichtungen am ISDN-Bus anschließen, die sich gegenseitig nicht stören dürfen und deshalb eine Prioritätssteuerung besitzen), Fernspeisung (z. B. für Telefone), Aktivierung und Deaktivierung von Endeinrichtungen und Anschaltezustandsüberwachung.

Die Sicherungsschicht des D-Kanal-Protokolls arbeitet mit einer Variante des HDLC, dem LAP D (Link Access Procedure for D-Channel). HDLC wurde bereits ausführlich vorgestellt, die Unterschiede zwischen LAP B und LAP D beziehen sich z.B. auf bestimmte Felder im ansonsten ähnlichen Übertragungsrahmen und auf Definitionen von Einzelheiten. So darf z.B. bei einer S0-Schnittstelle des Basisanschlusses die Fenstergröße nur auf 1 gesetzt werden, beim Primärmultiplexanschluss darf sie den Wert 7 annehmen. Wichtig ist zu vermerken, dass das HDLC-Protokoll hier i.d.R. nur für den Austausch von Steuerinformationen dient.

Eine Ausnahme ist die Benutzung des D-Kanals als Nutzdatenkanal im Rahmen der Durchschaltung von Daten paketvermittelnder Datennetze wie X.25. Die Schicht 3 enthält schließlich alles Notwendige für den Aufbau, die Durchführung und die Beendigung von Verbindungen einschließlich Protokolldefinition (es gibt zwei unterschiedliche Protokolle, nämlich CCITT Q.931 EURO-D-Kanal und das nationale Protokoll 1TR6), Dienstedefinition und Dienstwechsel.