Einer Umfrage im Auftrag von DE-CIX zufolge kämpft mehr als ein Drittel der Deutschen zu Hause mehrmals wöchentlich, ja sogar täglich mit Internetverzögerungen. Für die Verbraucher seien hierfür eine mangelhafte regionale Netzinfrastruktur und eine übermäßige Netzauslastung schuld.
Häufiges Problem im Internet: Plattformen, die ewig „buffern“.
Ein Jahr nach dem ersten Corona-Lockdown zieht der Internetknotenbetreiber DE-CIX Bilanz in Sachen Digitalisierung. Eine repräsentative Online-Umfrage, die Civey im Auftrag von DE-CIX durchführte, habe ergeben, dass 33,5 Prozent der deutschen Verbraucher mehrfach wöchentlich bis sogar täglich Verzögerungen bei der Internetnutzung zu Hause erleben. Vor allem junge Erwachsene, Berufstätige im Homeoffice und Familien mit Kindern würden diese Internetprobleme am häufigsten wahrnehmen. Die Verantwortung für die Verzögerungen suchten die Nutzer meist außerhalb des eigenen Haushalts.
Frust statt Zuverlässigkeit
Typische Probleme seien stockende Videokonferenzübertragungen während des Fernunterrichts oder eines wichtigen Meetings, Filme auf Livestreaming-Plattformen, die ewig „buffern“, weil das Internet wieder „Schluckauf“ hat, oder Online-Gaming-Partien, die wegen der langsamen Internetverbindung ein jähes Ende finden. Verzögerungen bei der Internetnutzung können sehr frustrierend sein – vor allem dann, wenn man eigentlich zuverlässiges Internet bräuchte.
DE-CIX zufolge gaben lediglich 11,6 Prozent der Studienteilnehmer an, nie Probleme mit Verzögerungen zu haben. Laut Studie seien es insbesondere die Altersgruppen „18 bis 29“ (45 %), und „30 bis 39“ (40 %), die Verzögerungen in ihrem Internetalltag am stärksten wahrnehmen und sich mehrmals wöchentlich bis täglich über langsames Internet beklagen. Dies betreffe vor allem diejenigen, die beruflich auf Homeoffice angewiesen sind (41 %), als auch deren schulpflichtige Kinder, welche die Möglichkeit zum Fernunterricht in Anspruch nehmen (20 %). So bemerkten 42 Prozent der Haushalte mit mindestens einem Kind mehrmals wöchentliche bis tägliche Verzögerungen eher, als Haushalte ohne Kinder (29 %). Doch hätten Verbraucher nicht nur im beruflichen und Bildungskontext Probleme mit ihrem Internet: Auch bei digitalen Freizeitaktivitäten wie Videostreamings (44 %), Livestreamings z.B. von Sportveranstaltungen (25,4 %) und Online-Gaming (12 %) gelte es als frustrierender Störfaktor.
„Diese Studie deckt die Schwachstellen der Digitalisierung auf. In Zukunft ist ein noch stärkerer Ausbau aller systemrelevanten Elemente des Internets und der digitalen Versorgungskette unumgänglich. Wir brauchen mehr Rechenzentren, die so nah wie möglich am Endnutzer sind, mehr Vernetzung und einen robusten Ausbau der digitalen letzten Meile bis in die Haushalte. Konnektivitätsprobleme dürfen kein Hindernis mehr für Homeoffice oder Distanzunterricht darstellen. Das Internet ist ein komplexes System und ein Zusammenspiel vieler Parteien, in dem jeder täglich seinen Beitrag leisten sowie strategisch innovativ vordenken muss“, so Dr. Thomas King, CTO bei DE-CIX, zu den Ergebnissen der Studie.
Auf der Suche nach der Ursache
Die verstärkte Wahrnehmung hinsichtlich auftretender Internetprobleme im Homeoffice (bzw. beim Fernunterricht) und während des Videostreamings sei vor allem darauf zurückzuführen, dass diese Aktivitäten seit dem letzten Jahr häufiger und intensiver beansprucht werden. Verbraucher hätten demnach ein stärkeres Bewusstsein für die Verlässlichkeit ihres Internets entwickelt. Doch wissen sie auch, wodurch Verzögerungen verursacht werden? Verbraucher suchten die Verantwortung außerhalb ihres eigenen Einflussbereiches. Die Mehrheit sei sich einig, dass das Problem am mangelhaften regionalen Ausbau der Netzinfrastruktur (57 %) oder an der Überlastung ihres Netzes (53 %) liegen muss. Ursachen, die sie selbst (mehr oder weniger) beeinflussen könnten – z.B. minderwertige Router oder veraltete Endgeräte –, würden vergleichsweise weniger genannt (12 %).
Doch worin liegt nun die Ursache solcher Verzögerungen? Dr. Thomas King hierzu: „Innerhalb des Internetökosystems fungieren Internetknoten wie der DE-CIX als Vermittlungsstelle zwischen drei verschiedenen Netzwerken: Schaut man beispielsweise einen Film via Netflix, so stellt das Gerät des Endnutzers über das Netz des Internet-Service-Providers (wie das Vodafone-Endkundennetz) eine Anfrage, die über einen Internetknoten direkt in das Netz von Netflix geleitet wird. Dort bearbeiten die Server von Netflix die Anfrage und senden den angeforderten Film in Form von Datenpaketen zum anfragenden Gerät des Endnutzers zurück. Diese Zeit, die während des Hin- und Rückwegs vergeht, nennt man Latenz. Je weiter das Zielnetz, hier im Falle von Netflix, vom Nutzer entfernt ist, desto höher ist die Latenz und desto bemerkbarer sind die Verzögerungen.“
Stand: 08.12.2025
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Für das optimale Leistungsniveau sollte die Latenz im Idealfall nicht mehr als 15 Millisekunden betragen. Um dies jedoch gewährleisten zu können, müssten Inhalte und Anwendungen möglichst nah am Endnutzer, am sogenannten Edge des Internets, gehostet werden – für Livestreaming in HD/4K wäre eine Entfernung von weniger als 1.200 Kilometern ideal.
„Wir nutzen bereits heute Anwendungen, die sehr geringe, teils einstellige Latenzen – also Verzögerungen – erfordern. Für eine optimale User Experience sowie für die Gewährleistung höchster Sicherheit und Performance bei bestimmten Anwendungen im Bereich eHealth, Mobility oder auch Finanzen müssen wir die digitalen Infrastrukturen weiter ausbauen und verstärkt auf dezentrale Rechenzentren in Endnutzernähe setzen. Bei Szenarien wie dem autonomen Fahren ist eine möglichst geringe Latenz sicherheitskritisch und Voraussetzung für die Umsetzung. Für einen sicheren Straßenverkehr muss es dann praktisch an jedem Autobahnkreuz oder an jeder Raststätte ein eigenes lokales Rechenzentrum oder einen Internetknoten geben“, sagt Dr. Thomas King abschließend.
Über die Umfrage
Civey hat die Online-Umfrage im Auftrag von DE-CIX im Zeitraum vom 17. bis 24. Februar 2021 durchgeführt:
Frage 1: Wie häufig erleben Sie Verzögerungen bei der Internetnutzung (z.B. beim Livestreaming)?
Teilnehmerzahl: 16.197
Stichprobengröße: 5.050
Statistischer Fehler: 2,5 Prozent
Frage 2: Wann erleben Sie Verzögerungen bei der Internetnutzung?
Teilnehmerzahl: 3.751
Stichprobengröße: 3.253
Statistischer Fehler: 3,0 Prozent
Frage 3: Woran liegt es Ihrer Einschätzung nach, wenn bei Ihnen Verzögerungen bei Ihrer Internetnutzung entsteht?