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Edge-, Cloud-, und Fog-Computing verstehen und richtig nutzen – Teil 2 Edge-KI und Federated Learning: Lokale Intelligenz für vernetzte Systeme

Von Thomas Joos 6 min Lesedauer

Edge-KI und Federated Learning verändern die KI-Landschaft grundlegend. Während Edge-KI Intelligenz an den Netzwerkrand bringt und Echtzeit-Analysen ermöglicht, erlaubt Federated Learning die kollaborative Modellentwicklung ohne Datenschutzrisiken. Gemeinsam treiben sie Effizienz, Sicherheit und Innovation in vernetzten Systemen voran.

Die industrielle Produktion, das autonome Fahren und das Gesundheitswesen sind typische Anwendungsbereiche für intelligente Edge-Computing-Architekturen.(Bild:  jutarat - stock.adobe.com / KI-generiert)
Die industrielle Produktion, das autonome Fahren und das Gesundheitswesen sind typische Anwendungsbereiche für intelligente Edge-Computing-Architekturen.
(Bild: jutarat - stock.adobe.com / KI-generiert)

Edge-KI, die Integration von künstlicher Intelligenz (KI) in Edge-Computing-Umgebungen, revolutioniert die Datenverarbeitung, indem sie Intelligenz direkt an den Netzwerkrand verlagert. Diese Technologie ermöglicht es, Daten dort zu analysieren, wo sie entstehen, und bietet dadurch Vorteile wie niedrigere Latenzen, erhöhte Sicherheit und reduzierte Kosten. Da Datenmengen exponentiell wachsen, spielt Edge-KI eine entscheidende Rolle, um Prozesse zu automatisieren, Entscheidungen in Echtzeit zu treffen und den Energieverbrauch zu optimieren.

Energieeffizienz in Edge-KI-Systemen

Die dezentrale Verarbeitung von Daten durch Edge-KI senkt den Energieverbrauch signifikant, da weniger Daten in entfernte Rechenzentren übertragen werden müssen. Fortschrittliche KI-Chips, wie die von NVIDIA, Intel oder Googles Tensor Processing Units (TPUs), sind speziell für energieeffiziente Berechnungen konzipiert. Diese Hardware reduziert den Strombedarf bei der Verarbeitung großer Datenmengen und ermöglicht gleichzeitig eine hohe Rechenleistung, die für Echtzeitanwendungen erforderlich ist.

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Ein Beispiel ist die Vibrationsanalyse in industriellen Anlagen, bei der Sensoren Daten erfassen, die lokal verarbeitet werden. Diese Daten liefern Informationen über den Zustand von Maschinen und ermöglichen es, potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen. Durch die lokale Verarbeitung bleiben die Daten vor Ort, was nicht nur die Sicherheit erhöht, sondern auch die energieintensive Übertragung großer Datenmengen in die Cloud überflüssig macht.

Anwendungsfälle: Edge-KI in der Praxis

Fahrzeuge, die mit Edge-KI ausgestattet sind, analysieren Sensordaten in Echtzeit, um kritische Entscheidungen wie Notbremsungen oder Fahrspurwechsel zu treffen. Diese Fähigkeit reduziert die Latenz erheblich und macht die Kommunikation mit einem zentralen Rechenzentrum unnötig.

Edge-KI erkennt Verschleißmuster und Anomalien in Produktionsmaschinen. Vibrationssensoren analysieren Bewegungsdaten und ermöglichen durch Fast-Fourier-Transformation (FFT) eine präzise Zustandsüberwachung. Mit diesen Daten kann die Lebensdauer von Komponenten wie Zahnrädern und Riemen verlängert werden, indem Wartungszyklen optimiert und gezielt Ersatzteile beschafft werden.

Überwachungskameras und Sensoren analysieren vor Ort Daten, um die öffentliche Sicherheit und Verkehrsflüsse in Echtzeit zu verbessern. Nur relevante Informationen werden weitergeleitet, was Bandbreiten und Energie spart. Ein anschauliches Beispiel bietet die Anwendung von Edge-KI in der Bauwirtschaft. Hier kombiniert die Technologie Sensordaten mit 5G-Campusnetzen, um den Baufortschritt, die Qualitätssicherung und die Logistik zu optimieren. Mobile Roboter und Baugeräte analysieren Daten vor Ort, wodurch Entscheidungen schneller und kosteneffizienter getroffen werden können.

Technologische Herausforderungen und Potenziale

Obwohl Edge-KI enorme Vorteile bietet, stehen Unternehmen vor Herausforderungen:

  • Integration: Die Einbindung von Edge-KI in bestehende IT- und OT-Systeme (Operational Technology) erfordert eine reibungslose Interoperabilität.
  • Rechenleistung: Edge-Geräte müssen leistungsstark genug sein, um komplexe KI-Modelle auszuführen, und gleichzeitig energieeffizient bleiben.
  • Sicherheit: Dezentrale Strukturen erfordern robuste Sicherheitsmechanismen, um Daten vor Cyberangriffen zu schützen. Technologien wie Zero-Trust-Architekturen und lokale Verschlüsselung sind dabei essenziell.

Die Kombination mit 5G ermöglicht es, große Datenmengen in Echtzeit zu übertragen und zu verarbeiten. Fortschritte in der Hardwareentwicklung, wie integrierte Docker-Container und spezialisierte Edge-Appliances, fördern die Flexibilität und Skalierbarkeit dieser Technologien.

Edge-KI trägt zur Umsetzung nachhaltiger IT-Infrastrukturen bei. Durch energieeffiziente Algorithmen, die selektiv relevante Daten verarbeiten, und durch den Verzicht auf energieintensive Cloud-Transaktionen wird der ökologische Fußabdruck von IT-Systemen reduziert. Ein Praxisbeispiel ist der Einsatz von Edge-KI in der Landwirtschaft. Mobile Geräte analysieren in Echtzeit Boden- und Klimadaten, um den Einsatz von Düngemitteln und Wasser zu optimieren. Dadurch werden nicht nur Ressourcen geschont, sondern auch die Umweltauswirkungen minimiert.

Mit der zunehmenden Verlagerung von Datenverarbeitungsaufgaben an die Ränder des Netzwerks, ergeben sich nicht nur technische Herausforderungen, sondern auch neue Chancen für den Umgang mit sensiblen Daten. Während Edge-KI Geräte in die Lage versetzt, Modelle lokal auszuführen, bleibt die Frage offen, wie sich diese dezentralisierte Infrastruktur effektiv nutzen lässt, um KI-Modelle weiterzuentwickeln, ohne die Privatsphäre der Nutzer zu gefährden. Hier kommt Federated Learning ins Spiel. Es verbindet die Vorteile dezentraler Datenverarbeitung mit innovativen Methoden, um KI-Modelle auf globaler Ebene zu verbessern, ohne, dass sensible Daten die Geräte verlassen.

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Federated Learning: Ein Paradigmenwechsel in der KI

Federated Learning (FL) stellt eine grundlegende Veränderung in der Art und Weise dar, wie KI-Modelle trainiert werden. Im Gegensatz zu traditionellen Methoden, bei denen Daten zentralisiert auf einem Server gesammelt werden, bleibt bei FL die Datenhoheit bei den individuellen Endgeräten oder Organisationen. Dieses dezentrale Trainingsmodell bewahrt die Privatsphäre der Nutzer und schützt sensible Daten, ohne auf die Vorteile eines globalen, umfassend trainierten Modells verzichten zu müssen.

Der Prozess von Federated Learning beginnt mit der Bereitstellung eines initialen Modells auf einem zentralen Server. Dieses Modell wird an eine ausgewählte Gruppe von Geräten verteilt, die jeweils ihre lokalen Daten zur Anpassung des Modells verwenden. Anschließend senden die Geräte keine Rohdaten, sondern nur die berechneten Modell-Updates, zum Beispiel Gradienten zurück an den zentralen Server. Dort werden die Updates aggregiert, um ein neues globales Modell zu erstellen, das wiederum an die Geräte verteilt wird. Dieser Prozess wird iterativ wiederholt, bis das Modell die gewünschten Leistungsziele erreicht.

Die Dezentralisierung der Daten ist der zentrale Vorteil von Federated Learning. Da die Daten die Geräte nicht verlassen, bleiben sie vor unbefugtem Zugriff geschützt. Durch den Einsatz von Technologien wie Secure Aggregation und Differential Privacy wird zusätzlich sichergestellt, dass selbst die übertragenen Modell-Updates keine Rückschlüsse auf die ursprünglichen Daten ermöglichen. Dies macht Federated Learning besonders attraktiv für datensensible Bereiche.

Herausforderungen bei der Implementierung von Federated Learning

Trotz seiner Vorteile steht Federated Learning vor zahlreichen Herausforderungen. Die Heterogenität der Geräte, in Bezug auf Leistung, Netzwerkverbindungen und Datenverfügbarkeit, erschwert den Trainingsprozess. Zudem können Kommunikationslatenzen und der Energieverbrauch auf mobilen Geräten problematisch sein. Die Integration von Sicherheitsmaßnahmen wie Secure Aggregation kann zusätzlichen Rechenaufwand erzeugen. Schließlich ist die Skalierung auf Millionen von Geräten eine komplexe technische Aufgabe.

Federated Learning findet in verschiedenen Branchen Anwendung. Im Gesundheitswesen ermöglicht es die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern, um KI-Modelle für die Diagnose zu trainieren, ohne Patientendaten auszutauschen. In der Finanzbranche können Banken gemeinsam Modelle zur Betrugserkennung entwickeln, ohne sensible Kundendaten preiszugeben. Selbst in der Konsumelektronik, wie bei Smartphone-Tastaturen, wird Federated Learning genutzt, um bessere Wortvorhersagen zu ermöglichen, während die persönlichen Texte der Nutzer geschützt bleiben.

Verschiedene Formen von Federated Learning

Federated Learning lässt sich in drei Haupttypen unterteilen:

  • Horizontal Federated Learning: Hierbei besitzen die Daten auf verschiedenen Geräten eine ähnliche Struktur, zum Beispiel Benutzerverhaltensdaten von Smartphones.
  • Vertical Federated Learning: Diese Form wird verwendet, wenn verschiedene Organisationen komplementäre Daten besitzen, wie etwa Kunden- und Finanzdaten.
  • Federated Transfer Learning: Dabei wird ein vortrainiertes Modell an spezifische Aufgaben angepasst, zum Beispiel das Erkennen neuer Objekte auf Basis eines bestehenden Modells.

Zur Wahrung der Privatsphäre kommen Technologien wie Secure Aggregation und Trusted Execution Environments (TEE) zum Einsatz. Secure Aggregation stellt sicher, dass nur aggregierte Modell-Updates verarbeitet werden, ohne dass die einzelnen Beiträge sichtbar sind. TEE ermöglicht die sichere Verarbeitung sensibler Daten direkt in einer geschützten Hardwareumgebung. Beide Technologien tragen dazu bei, die Sicherheit und Integrität des Trainingsprozesses zu gewährleisten.

Federated Learning steht noch am Anfang seiner Entwicklung. Offene Fragen betreffen die Optimierung von Trainingsalgorithmen für heterogene Geräte, die effiziente Skalierung auf Milliarden von Teilnehmern und die Verbesserung der Robustheit gegen Angriffe. Zudem gibt es großes Potenzial in der Kombination von FL mit anderen Technologien, wie der Personalisierung von Modellen oder der Integration in bestehende Datenschutzrahmenwerke.

Edge-KI und Federated Learning als Wegbereiter moderner KI-Systeme

Edge-KI und Federated Learning bieten eine wichtige Kombination für die zukünftige KI-Entwicklung. Durch die dezentrale Verarbeitung von Daten ermöglichen sie eine sichere, effiziente und datenschutzfreundliche Nutzung künstlicher Intelligenz. Während Edge-KI Intelligenz direkt an den Netzwerkrand bringt und schnelle, lokale Analysen ermöglicht, ergänzt Federated Learning diese Technologie durch kollaborative Modellverbesserungen ohne die Notwendigkeit, sensible Daten zentral zu speichern.

Gemeinsam fördern sie Innovationen in Branchen wie Gesundheitswesen, Industrie, Finanzen und Smart Cities. Trotz bestehender Herausforderungen, wie der Heterogenität von Geräten und der Sicherstellung robuster Sicherheitsmaßnahmen, eröffnen diese Technologien enorme Potenziale für effizientere, sicherere und nachhaltigere KI-Systeme.

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