Kosten, Sicherheit und Fachkräftemangel bremsen

Digitale Transformation: Die Meinungen gehen auseinander

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

In welchem Ausmaß beflügelt die digitale Transformation die Unternehmen? In den Führungsebenen ist man sich uneinig.
In welchem Ausmaß beflügelt die digitale Transformation die Unternehmen? In den Führungsebenen ist man sich uneinig. (Bild: © – KC – stock.adobe.com)

Digitale Lösungen haben das Potenzial, die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens zu steigern – Entscheidungsträger in Europa und Nordamerika sind in dieser Hinsicht optimistischer als ihre Kollegen in Asien und dem Nahen Osten, zeigt eine Studie von Tata Communications.

Die Studie „The Cycle of Progress“ über Leistungsfähigkeit und Potenzial von KI, IoT, Predictive Analytics und Blockchain in der globalen digitalen Wirtschaft habe Meinungsunterschiede innerhalb der Unternehmen offenbart. Die Ansicht von 41 Prozent der Vorstandsmitglieder und 33 Prozent der C-Level-Führungskräfte, sie seien Branchenführer bei der Einführung neuer Technologien, teilten nur 18 Prozent der Geschäftsführer und 14 Prozent der Abteilungsleiter.

„The Cycle of Progress ist ein Weckruf für Unternehmen. Es wird klar, dass es eine Kluft zwischen Wahrnehmung und Realität gibt, die mit der zunehmenden Innovationsgeschwindigkeit zwischen den verschiedenen Ebenen in Unternehmen entsteht“, sagt Srinivasan CR, Chief Digital Officer bei Tata Communications. „Diese Diskrepanz zeigt, dass Geschäftsführer und Leiter von Geschäftseinheiten den CEO besser über alle Herausforderungen informieren müssen, vor denen sie bei der Einführung neuer Technologien wie IoT und KI stehen. CEOs sollten ihren Teams mehr Fragen stellen und sich nicht vom Hype der digitalen Transformation mitreißen lassen. Dieser Reality-Check wird Unternehmen dabei helfen, das Beste aus den neuesten technologischen Innovationen zu machen, um neue Kundenerlebnisse zu schaffen und ihre Betriebsabläufe neu aufzustellen."

KI: Deutsche Entscheider bleiben skeptisch

Die Entscheidungsträger, so die Studie, seien von einem „signifikanten“ positiven Einfluss von IoT (48 %), Predictive Analytics (43 %) und KI (43 %) überzeugt. In Bezug auf KI mache sich bei Entscheidern in Asien jedoch mehr Optimismus breit als bei deren Kollegen in Europa und den USA. Ein Beispiel: 95 Prozent der indische Entscheidungsträger glaubten an zumindest leicht positive Auswirkungen durch KI. In Deutschland seien nur 41 Prozent der Entscheidungsträger davon überzeugt und 29 Prozent der Ansicht, KI wirke sich nicht oder sogar negativ aus.

„Trotz der Panikmache einiger, dass Menschen und Roboter nicht nebeneinander existieren können, zeigt unsere Studie gerade im internationalen Vergleich, dass sich Wirtschaftsführer weltweit auf die positiven Auswirkungen technologischer Innovationen konzentrieren“, so Srinivasan CR weiter. „Und während die KI-Hype-Maschine vielleicht in einen Overdrive gerät, scheint es, dass Unternehmen derzeit sowohl IoT als auch Predictive Analytics als größere Treiber der digitalen Transformation bewerten als die neuen Anwendungen der KI, von denen wir so viel hören.“

Technologie bringt Wohlstand, aber auch Probleme

Der Studie deute darauf hin, dass einige Technologien weltweit in großen und kleinen Unternehmen allgegenwärtig werden. IoT (53 % weltweit, 43 % in Deutschland), Predictive Analytics (51 %, 37 % in Deutschland), KI (46 %, 41 % in Deutschland) und Blockchain (44 %, 36 % in Deutschland) seien die am weitesten verbreiteten Technologien in den Unternehmen der Befragten, wobei Vertrieb und Marketing sowie Kundenservice bei der Nutzung dieser Technologien weiter vorn lägen als Finanzen, Personal und Recht.

Interessant sei, dass deutsche Unternehmen zwar dieselben Prioritäten wie ihre internationale Konkurrenz setzten, aber bei den rohen Zahlen in der Implementierung noch zurückliegen würden. Gerade Entscheidungsträger in Asien und im Nahen Osten zögen aus dem Einsatz dieser Technologien größere Vorteile als in Europa und Nordamerika. So hätten beispielsweise 41 Prozent der Entscheidungsträger in Singapur neue Einnahmequellen durch den Einsatz von IoT gesehen, verglichen mit nur 24 Prozent in Deutschland und 19 Prozent in Großbritannien.

Die Probleme, die sich aus dem Einsatz neuer Technologien ergeben, seien vielfältig. So hätten beispielsweise 38 Prozent der Befragten in Nordamerika und 36 Prozent der Befragten in Indien von Sicherheitsproblemen nach der Einführung der KI berichtet – gegenüber nur 19 Prozent bei deutschen Unternehmen. Bei den gesellschaftlichen Auswirkungen dagegen seien die Befragten weltweit enthusiastischer als hierzulande: KI (72 %, Deutschland 63 %), Predictive Analytics (73 %, Deutschland 55 %), Blockchain (65 %, Deutschland 54 %) und IoT (75 %, Deutschland 69 %) könnten eine positive gesellschaftliche Wirkung haben, die über das eigene Geschäft hinausgehe.

Sicherheits- und Datenschutzbedenken

Trotz der Vorteile der digitalen Technologien seien die Angst vor steigenden Kosten (43 %) sowie Sicherheit (40 %) und Privatsphäre (37 %) die wichtigsten Hindernisse für die Akzeptanz bei Geschäftsentscheidern. Auch der Fachkräftemangel sei längst weltweites Thema: Unternehmensführer fühlten sich nicht auf die Auswirkungen digitaler Innovationen vorbereitet: 30 Prozent aller Befragten bezeichneten den Mangel an geeigneten Fähigkeiten als besorgniserregend, ein ähnlicher Anteil (28 %) habe darauf hingewiesen, dass es bei den Mitarbeitern ein mangelndes Verständnis für die Umsetzung neuer Technologien gebe.

„Die Technologieanforderungen der Unternehmen werden in der heutigen digitalen Wirtschaft immer komplexer: Sie benötigen nicht nur neue Plattformen und Systeme, auf denen neue innovative Dienste nahtlos und sicher aufgebaut werden können, sondern auch einen unternehmensweiten Wandel in der Denkweise. In dieser Landschaft muss es eine Kultur des ständigen Lernens und der Agilität geben, um die digitale Transformation im gesamten Unternehmen zu beschleunigen“, so Srinivasan CR.

Über die Studie

Für die im Oktober 2018 abgeschlossene Studie „The Cycle of Progress“ seien Tata Communications zufolge mehr als 1.600 Entscheider aus Unternehmen mit über 250 Mitarbeitern oder Betrieben in mehr als einem Land zu den Auswirkungen der Technologie in den letzten sechs Monaten und zu deren Erwartungen für die kommenden sechs Monate befragt worden. Die Teilnehmer seien in zehn verschiedenen Märkten tätig: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Singapur, Indien, Vereinigte Arabische Emirate, Saudi-Arabien, USA und Kanada.

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