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Grundlagen des Wide Area Networkings im Überblick

Die Netzwerkanalyse als Vorraussetzung für die WAN-Optimierung

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Das Management der Netzwerk- und Anwendungs-Performance gehört zu den Eckpfeilern einer effektiven Application-Delivery-Strategie. Denn das Netzwerk nur über das Fehlermanagement zu verwalten, reicht heute nicht mehr aus.

Viele Unternehmen haben heute immer noch keinen Überblick über ihr Netzwerk, ihre Anwendungs-Performance- und das Netzwerkmanagement als Gesamtheit. Das macht es schwierig zu messen, wie eine Änderung am Netzwerk, wie etwa eine WAN-Optimierung, die Application Delivery beeinflusst. Ohne eine umfassende Übersicht über die Auswirkungen auf den Endanwender und die Nutzung der verschiedenen Infrastruktur-Komponenten, sind Netzwerk-Teams jedoch nicht in der Lage, die Effektivität von Netzwerkinvestitionen zu bewerten oder Fehler bei der Application Delivery zu beheben. Zudem wird die „Vorher-Nachher“-Messung bei einer Veränderung schwierig, wenn es keine Baseline – also einen vorher definierten Wert – dafür gibt, was vor der Implementierung einer WAN-Optimierungstechnologie als „normale“ Leistung galt.

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Die Implementierung von Lösungen zur WAN-Optimierung bringt eine weitere Herausforderung mit sich: Diese Technologien splitten das Standard-Client-Server-Modell in drei Komponenten – Client zu WAN, WAN, WAN zu Server – und ermöglichen es so, den Transaktionsfluss in jedem Bereich zu optimieren. Diese Segmentierung des Anwendungsflusses erschwert jedoch die genaue Messung optimierter Antwortzeiten im Netzwerk. Während Endanwender die verbesserten Antwortzeiten wahrscheinlich registrieren, bleiben Netzwerk-Teams eventuell mit dem Problem zurück, wie sie wieder eine Ende-zu-Ende-Übersicht über das Netzwerk erlangen können.

Zudem kann die Unfähigkeit, Verbesserungen in der Performance genau zu messen, zu taktischen, einmaligen Implementierungen von WAN-Optimierungslösungen führen – beispielsweise, um ein bestimmtes Problem bei einer Niederlassung zu lösen. Doch eigentlich sollte ein strategischer Ansatz im Vordergrund stehen, der es ermöglicht, die Anwendungs-Performance im gesamten Unternehmen zu verbessern.

Ein strategischer Ansatz zur Netzwerk- und Anwendungs-Performance

Eine Application-Delivery-Strategie, bei der die Performance im Mittelpunkt steht, kann die Risiken verschiedener Investitionen in Netzwerkinfrastruktur reduzieren, etwa der WAN-Optimierung, der Server-Virtualisierung und der Konsolidierung des Rechenzentrums. Performance-zentriertes Management und vollständige Transparenz beginnen mit dem Wissen darüber, wie die Bereitstellung von Applikationen zwischen Client und Server erfolgt und wo Latenz-Engpässe existieren. Um dies herauszufinden, gibt es verschiedene Methoden. Dabei erzeugen die passiven, zentralisierten Ansätze meist jedoch weniger Kosten (Total Cost of Ownership) als beispielsweise die Methode, an jedem Remote-Standort Probes zu implementieren oder aktive Software-Agenten auf jedem Server zu installieren.

Treten Engpässe bei der Bereitstellung auf, muss der Netzwerk-Administrator zudem wissen, welcher Applikations-Traffic auf dem Netzwerk läuft, wie Endanwender die Netzwerk-Ressourcen in Anspruch nehmen und wie Endgeräte genutzt werden. Zu solchen Standard-Technologien, die einen Überblick über den Traffic und die Gerätenutzung geben, gehören beispielsweise Cisco IOS NetFlow und SNMP. Diese können einfach zusammen mit einer unternehmensweiten Lösung für die Datenerfassung laufen. Der kritische Schritt bei der Nutzung solcher Technologien ist es, sicherzustellen, dass zwischen den Werten zur Anwendungslatenz und der Netzwerknutzung integrierte Workflows existieren.

Um sich nach der Inbetriebnahme einer WAN-Optimierungslösung wieder einen Überblick über die Client-, WAN- und Server-Segmente zu verschaffen, tendiert das Netzwerk-Team meist dazu, einen Probe an jedem Remote-Standort zu implementieren. In einem mittelgroßen oder großen Netzwerk kann dies jedoch zu einem kostenintensiven Management führen.

Stattdessen aber muss es den Netzwerk-Teams möglich sein, ihre Appliances für die WAN-Optimierung als eingebettete Monitoring-Lösungen zu nutzen, um Anwendungslatenz, Traffic-Verteilung und Geräteleistung zu messen. Damit entfällt die Notwendigkeit, zusätzliche Monitoring-Technologien einzusetzen und Netzwerk-Teams erhalten nach der Einführung von Lösungen zur WAN-Optimierung einen kontinuierlichen Überblick über ihr Netzwerk.

Fazit

Treiber für die WAN-Optimierung ist für Unternehmen die Möglichkeit, ihre WAN-Bandbreite kosteneffektiver zu nutzen und die nächste Generation ressourcenhungriger Geschäftsanwendungen einzuführen. WAN-Optimierung verändert den Anwendungsfluss, um die Leistung zu erhöhen. Die Kombination von Messungen der Anwendungslatenz, der Verteilung des Traffics und der Geräteleistung gibt einen sehr umfassenden Überblick über die Netzwerk-Performance und darüber, wie jede Änderung an der Infrastruktur die Application Delivery beeinflusst. Unternehmen können die Infrastruktur für die WAN-Optimierung nutzen, um ihre Leistung zu messen, ohne dafür kostenintensive Upgrades oder Monitoring-Tools an jedem optimierten Standort einzusetzen. Wenn Unternehmen Normalwerte vor und nach der WAN-Optimierung definieren und deren Effektivität auf geschäftskritische Anwendungen messen, sind sie in der Lage, den ROI schneller zu messen, den Überblick über die Auswirkung für Endanwender zu behalten und strategische Entscheidungen zu treffen, wie sie die Application Delivery im Netzwerk verbessern wollen.

Über den Autor

Rainer Bemsel ist Technical Representative bei NetQoS.

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