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Problemfall Mobilfunk-Vernetzung Deutschland kommt beim 5G-Ausbau nicht voran

Von Hendrik Härter

Der Mobilfunkstandard 5G soll bis 2030 flächendeckend in Europa verfügbar sein. Doch Deutschland und etliche EU-Länder hängen schon jetzt deutlich hinterher.

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Daten in der Industrie: Deutsche Unternehmen setzen auf 5G. Doch der Ausbau des 5G-Netzes gerät ins Stocken.
Daten in der Industrie: Deutsche Unternehmen setzen auf 5G. Doch der Ausbau des 5G-Netzes gerät ins Stocken.
(Panuwat (Balls))

Das 5G-Mobilfunknetz soll nicht nur bei Endkunden für schnellere Datenraten sorgen. Auch die Industrie setzt auf den Mobilfunkstandard. Sei es als offenes Netz oder – für Industriebetriebe interessanter – die so genannten Campusnetze. Und auf die Campusnetze setzt die deutsche Industrie: Dank der extrem niedrigen Latenzzeiten bei gleichzeitig hohen Kapazitäten für die Datenübermittlung können Maschinen miteinander vernetzt, Produktionsprozesse in Echtzeit getaktet, Lagerbestände exakt erfasst sowie Fahrzeuge autonom auf dem Gelände bewegt werden.

Allerdings: Es sind gerade kleine und mittlere Industrieunternehmen (KMU) welche noch zögerlich sind. Das meint Acatech (Deutsche Akademie der Technikwissenschaften). Eine Projektgruppe um Acatech-Mitglied Jürgen Fleischer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat deshalb im neuen Acatech-Impuls „5G in der Industrie“ wichtige Argumente festgehalten und will damit dazu beitragen, eine Lawine an praxisgerechten Anwendungen auszulösen.

Blick auf die europäischen Nachbarn

Glaubt man dem Europäischen Rechnungshof, so kommt der Ausbau des Mobilfunkstandards 5G in vielen EU-Staaten nur langsam voran. In einer am Montag veröffentlichten Untersuchung heißt es: „Insgesamt ergab die Prüfung des Hofes, dass sich der Ausbau der 5G-Netze durch die Mitgliedstaaten (...) erheblich verzögert.“

Der EU-Kommission zufolge sollen bis 2025 alle städtischen Gebiete sowie alle Hauptverkehrswege mit 5G abgedeckt sein. 2030 soll die 5G-Versorgung flächendeckend sein. Schon jetzt hängen viele Länder hinterher. Bei 16 Ländern, darunter Deutschland, besteht nach Angaben der EU-Kommission bestenfalls eine mittlere Wahrscheinlichkeit und schlimmstenfalls eine geringe Wahrscheinlichkeit, das Ziel für 2025 zu erreichen.

Gefahr für Europa aus Drittstaaten?

Mit der zunehmenden Digitalisierung im Maschinen- und Anlagenbau werde die Menge an generierten Daten wachsen. Es wird davon ausgegangen, dass Mitarbeiter in Zukunft bis zu 1,5 Gigabyte Daten pro Tag an ihrem Arbeitsplatz generieren werden, Maschinenanwendungen sogar bis zu vier Terabyte. Den hohen Datendurchsatz und die damit verbundenen Themen von Industrie 4.0 unternehmensübergreifend zu realisieren, werde nun durch 5G möglich.

Auf dieses hohe Potenzial von 5G für Wirtschaft und Gesellschaft verweist der Rechnungshof. Zugleich gebe es Gefahren – vor allem mit Blick auf Anbieter aus Drittstaaten, wie die chinesische Firma Huawei. Diese seien etwa beim Datenschutz teils weit von EU-Standards entfernt.

Die EU-Kommission habe zwar im Januar 2020 das Instrumentarium für 5G-Sicherheit vorgelegt. Das sei jedoch für eine Reihe von Netzbetreibern, die ihre Anbieter bereits gewählt gehabt hätten, zu spät gekommen. Für den Fall, dass EU-Staaten chinesische Anbieter nun wegen eines zu großen Risikos ohne Übergangszeit aus ihren Netzen verbannen müssten, seien hohe Kosten zu befürchten.

Huawei und der chinesische Staat

Dem Rechnungshof zufolge gehen die EU-Länder sehr verschieden mit chinesischen Anbietern um. In Ungarn gebe es beispielsweise keine Beschränkungen. In Deutschland gibt es seit 2021 hingegen ein Gesetz, das es dem Innenministerium erlaubt, den Einsatz sicherheitsrelevanter Teile zu verbieten, wenn der Hersteller von der Regierung eines anderen Landes kontrolliert wird oder bereits an gefährlichen Aktivitäten beteiligt war.

Vor allem die USA werfen Huawei enge Verbindungen zur chinesischen Regierung vor und haben das Unternehmen mit Sanktionen belegt. Huawei weist die Vorwürfe zurück. Die EU-Kommission hatte 2020 empfohlen, aus ihrer Sicht risikobehaftete Anbieter wie Huawei aus Kernbereichen der Netze rauszuhalten.

Dieser Beitrag stammt von unserem Schwesterportal MM Maschinenmarkt.

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