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Die Vorbereitungen zur Umstellung von IPv4 auf IPv6 in den Unternehmen laufen

Worauf Sie bei der Einführung des neuen Internet-Protokolls IPv6 achten sollten

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Vorteile müssen erst greifbar werden

So bedeutet etwa Routing in der Default Free Zone, dass für jedes IP-Paket auf jedem Router in einer Routing-Tabelle nachgesehen werden muss, an welchen Router dieses als nächstes weitergeleitet werden muss. Dadurch entsteht ein aufwändiger Routing-Prozess, den auch Netzwerkspezialisten und Admins kaum überblicken können. Die Beziehungsgrößen Router, Pakete und Größe der Routing-Tabelle können so kaum sinnvoll kalkuliert werden.

Als Folgen des drastischen Wachstums in der Adresslandschaft und der damit verbundenen Haken und Ösen im Routing-Prozess macht Benedikt Stockebrand eine unnötig hohe Latenz sprich Laufzeit der Pakete aus. Hinzu kommen erhebliche Kosten sowie der Einsatz von Multi-Protocol Label Switching (MPLS) als Workaround.

Da läge es doch nahe, gleich ganz auf das große Heilsversprechen umzusatteln, mit denen die Experten IPv6 seit Jahren in Verbindung bringen. IT-Berater Stockebrand hält prinzipiell die Software-Portierung für recht unproblematisch, rät aber zum Parallelbetrieb von IPv4 und IPv6. Dadurch ließen sich Legacy-Systeme unverändert weiter betreiben. „Eine sanfte Migration ist sinnvoll und dadurch auch möglich“, so der Experte.

Lutz Donnerhacke vom lokalen IT-Provider IKS in Jena sieht dies hingegen eher als faulen Kompromiss an und hat zumindest in seinem eigenen Betrieb ganz auf die Karte IPv6 gesetzt. Im Grundsatz sind sich die Experten dann wieder einig: als größten Vorteil von IPv6 bestätigt dann auch Stockebrand den größeren Router-Durchsatz und eine verbesserte Fehlererkennung, wodurch sich viele Altlasten in der IT ungleich besser bewältigen lassen.

Können sich Admins auf Arbeitsentlastung freuen?

„Auch die Administration lässt sich wesentlich vereinfachen“, bilanziert der IT-Experte. Allerdings gilt es auch hier je nach Szenario den Blick für die kleinen Tücken des Alltags zu schärfen. So sei etwa Mobile-IPv6 eine leistungsfähige Alternative zu VPN-basierten Lösungen. Die Implementierungen hinkten aber hinterher, was erhebliche Sicherheitsimplikationen nach sich ziehe, so Stockebrand weiter.

Eine weitere kritische Hürde liegt in dem Aspekt der Quality of Service (Qos) und dem Traffic Shaping. Der Versuch, die Eigenschaften von Telefonie-Netzen nachzubilden, kann misslingen, weil dieser mit dem grundlegenden Design des TCP/IP-Stacks nicht wirklich vereinbar und nicht skalierbar ist. Auch beim Traffic Shaping kann die reibungslose Integration in den TCP/IP-Stack scheitern, stellt aber dennoch nach Auffassung von Benedikt Stockebrand einen pragmatischen Ansatz dar, der in vielen Fällen das gewünschte Ziel erreiche und auch bereits für IPv4 verfügbar sei.

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(ID:2013102)