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Weshalb sind Bereitstellungstests so wichtig?
Für ein positives Benutzererlebnis sind alle der zuvor genannten Infrastrukturkomponenten von entscheidender Bedeutung. Im Allgemeinen werden diese Komponenten während der Bereitstellung jedoch nicht oder nur geringfügig getestet. Und dies, obwohl sie sich unter Volllast anders verhalten als bei schwacher Auslastung.
Bei den meisten Tests heutzutage wird unterstellt, es bestünde ein direkter Zusammenhang zwischen der von einem Test-Laptop erkannten maximalen Funksignalstärke und dem Verhalten eines hochwertigen Clients wie einem Smartphone. Das ist jedoch allenfalls Wunschdenken. Denn Smartphones sind auf Leistung, einen möglichst geringen Platzbedarf ihrer Komponenten und geringen Stromverbrauch ausgelegt. Ihre Funkeigenschaften und Software unterscheiden sich folglich von jenen eines Test-Laptops, weshalb sie auch ein entsprechend anderes Verhalten aufweisen. Dies äußert sich meist darin, dass ein Smartphone unerklärlicherweise keine Verbindung zu einem verfügbaren AP herstellt.
Die Selbstbestimmung von 802.11-Geräten
Smartphones – und genau genommen alle 802.11-Geräte – treffen eigene Entscheidungen darüber, welche APs sie verwenden, wenn sie eine Verbindung zu einem Netzwerk herstellen sollen. Auch entscheiden sie eigenständig, wann sie roamen. Das heißt, sie bestimmen selbst, wann sie die Verbindung zu einem AP im Netzwerk beenden und eine Verbindung zu einem anderen AP aufnehmen, wenn sich ihren Algorithmen zufolge die Leistung hierdurch erhöhen dürfte.
Für Roaming-Algorithmen gibt es indessen keine Spezifikationen, daher roamen Geräte mit verschiedenen Client-Designs zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Mustern. Einige Geräte versuchen, möglichst selten ein Roaming durchzuführen, da es hierbei meist zu einer kurzen Service-Unterbrechung kommt, die sie möglichst vermeiden wollen. Demgemäß bleibt ein solches Gerät oft über eine massiv verschlechterte Verbindung mit einem AP verbunden, wenngleich eine weitaus bessere Alternative bereitsteht.
Hierdurch umgeht das Gerät zwar die vorübergehenden Auswirkungen häufigen Roamings, doch nimmt die Leistung dramatisch ab, je weiter sich das Client-Gerät von seinem AP entfernt.
Und es kommt noch schlimmer: Das problematische Client-Gerät verringert die Gesamtkapazität des Netzwerks, da alle anderen Client-Geräte im selben Kanal mit der Datenübertragung warten müssen, bis die Verbindung hergestellt ist, was nun mehr Zeit in Anspruch nimmt.
Für den Nutzer sieht dies natürlich so aus, als würde das Netzwerk seinen Dienst einfach nur kläglich verrichten.
Auf der anderen Seite finden sich wiederum Geräte, die unverzüglich roamen, sobald sie der Meinung sind, es böte sich eine auch nur geringfügig bessere Alternative. Diese Geräte versuchen, eine höhere Verbindungsqualität zu erreichen, indem sie häufigere Roaming-bedingte Unterbrechungen in Kauf nehmen.
Dieses Verhalten eignet sich im Falle von Datendiensten, bei Echtzeitdiensten wie Sprach- oder Videoanwendungen hingegen verursachen die häufigeren Unterbrechungen Qualitätseinbußen. Und auch hier gilt: Da die Funktionsweise eines Geräts dessen Nutzer im Grunde verborgen bleibt, nimmt dieser naturgemäß an, das Netzwerk sei an den wahrgenommenen Leistungseinbußen schuld.
Anbieter müssen ein Verständnis dessen erlangen, wie sich ihre Vorzeigeprodukte in einem WLAN verhalten. Denn nur hierdurch kann ein Netzwerk so abgestimmt werden, dass eine höchstmögliche Erlebnisqualität für dessen Nutzer sichergestellt ist.
Für diese Abstimmung genügt es schlichtweg nicht, die Stärke des Funksignals auf einem Laptop abzulesen oder einfach nur regelmäßig einen Blick auf den Signalpegel eines Smartphones zu werfen.
Grundlegende technische Prinzipien der Verfahren der nächsten Generation
Die Grundprinzipien der nächsten Generation von Best Practices umfassen die Verwendung des Anwendungsverkehrs neben der Signalstärke als Messwertquelle, den Bericht von Kundenzufriedenheitsmetriken, den Einsatz hochwertiger Clientgeräte, wie sie auch von den Netzwerkbenutzern verwendet werden, die Fähigkeit, die Netzwerkskalierbarkeit vor hohen Auslastungen bei Veranstaltungen zu testen, und die Fähigkeit, das Clientverhalten vom Netzwerkverhalten zu isolieren.
Im Wesentlichen geht es also darum, über Standortaufnahmen hinaus Standortbewertungen durchzuführen. Standortbewertungen erfordern nicht zwingend mehr Zeitaufwand als Standortaufnahmen, liefern jedoch einen weitaus umfassenderen Überblick über die Fähigkeit eines Netzwerks, für Kundenzufriedenheit zu sorgen, und bieten aussagekräftigere Metriken als Freigabekriterien für Bereitstellungen.

Über den Autor
Detlef Horn ist Director EMEA-Central bei Ixia Technologies Europe Ltd.
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