Mobile-Menu

Geschichte eines Betriebssystems

Windows-Historie, Teil 3: Trennung und Konsolidierung der Systeme

Seite: 2/4

Die für Firmennetzwerke, Server und Workstations angelegte NT-Familie basierte auf einer grundlegend anderen Architektur als die DOS-basierten Windows-Versionen, auch wenn zunächst eine enge Verwandschaft zu Windows 3.1 suggeriert wurde.
Die für Firmennetzwerke, Server und Workstations angelegte NT-Familie basierte auf einer grundlegend anderen Architektur als die DOS-basierten Windows-Versionen, auch wenn zunächst eine enge Verwandschaft zu Windows 3.1 suggeriert wurde.
(Bild: Microsoft)

Windows NT: Die „neue Technologie“

Zwei Jahre vor dem Release von Windows 95 war Windows NT 3.1 Microsofts erstes richtiges Windows-Betriebssystem. Das OS/2-Erbe bedeutete, dass die NT-Linie bereits vollkommen losgelöst von der DOS-Ebene war; anders als seine „Geschwister“ Windows 3.1 und Windows for Workgroups, die immer noch auf ein bereits bestehendes DOS-System aufgesetzt werden mussten. Um das System in die bereits bestehende Produktlinie einzugliedern, wurde die Optik im gleichen Stil wie Windows for Workgroups gestaltet.

Die Versionsbezeichnung 3.1 ergibt sich aus zwei Überlegungen: Zum einen handelte es sich im Grunde genommen um die dritte Version des OS/2-Kernels, den Microsoft in Windows NT 3.1 umbenannte. Laut Microsoft-PR sollte das NT für „New Technology“ stehen, andere Quellen behaupten dagegen, das Unternehmen habe zur Entwicklung des Systems einen RISC-Emulator namens N10 (beziehungsweise „N-Ten“) verwendet. Zum anderen sollte, wie auch durch die Optik, eine bestehende Nähe zu der Anwenderversion Windows 3.1 suggeriert werden – auch wenn die Architektur von Grund auf unterschiedlich war.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 12 Bildern

Der Arbeitstitel für das spätere Windows NT 3.1 lautete „Portasys“, ein zusammengesetztes Wort aus „Portable System“. Anders als die übrigen Windows-Betriebssysteme waren alle Windows-Versionen, die „NT“ im Namen tragen, nicht ausschließlich auf klassische Intel-Architekturen ausgelegt. Windows NT 3.1 sowie die Nachfolger NT 3.5, NT 3.51 und NT4 waren neben x86-Varianten auch für Prozessoren mit MIPS-, DEC-Alpha- und (von NT3.5 bis NT4 SP2) Power-PC-Architekturen verfügbar. Da diese Architekturen häufig im Workstation- und Server-Bereich auftauchten, fand die NT-Familie auch in erster Linie dort Anwendung.

Bildschirmfoto von Windows NT3.1: Von der Optik her war das Betriebssystem nicht von der "regulären", auf DOS aufgesetzten Anwendungsoberfläche Windows 3.1 zu unterscheiden.
Bildschirmfoto von Windows NT3.1: Von der Optik her war das Betriebssystem nicht von der "regulären", auf DOS aufgesetzten Anwendungsoberfläche Windows 3.1 zu unterscheiden.
(Bild: Screenshot/Microsoft)
Im Gegensatz zu MS-DOS lief NT 3.1 bereits mit 32 Bit. Das erlaubte dem Betriebssystem eine deutliche Erweiterung des Speicherraums: 4 GByte RAM, davon maximal 2 GByte pro Programm, waren für die Verhältnisse von 1993 enorm. Darüber hinaus unterstützte NT 3.1 das bereits mit OS/2 V1.2 eingeführte Dateisystem HPFS sowie die eigene überarbeitete Variante NTFS, wodurch erstmals Partitionen von bis zu 2 GByte Festplattenspeicher möglich waren. Microsoft führte mit NT 3.1 auch „präemptives Multitasking“ (im Gegensatz zu kooperativem Multitasking) ein: ein Scheduler verteilt Rechenzeit dynamisch auf alle laufenden Programme und Threads und legt Prioritäten fest.

Um Kompatibilität mit den anderen Windows-Versionen herzustellen, existierte in NT eine VDM („virtuelle DOS Maschine“). Für 16Bit-Windows geschriebene Software konnte somit in dieser virtuellen Umgebung laufen, allerdings nur mit eingeschränkter (kooperativer) Multitasking-Funktion: Alle 16-Bit-Windows-Programme mussten sich eine VDM teilen. Da es Windows NT 3.1 gerade in der Anfangsphase an speziellen 32-Bit-Anwendungen fehlte, wurde diese Version daher – gerade wegen der für damalige Verhältnisse überaus hohen Systemanforderungen – oft als unangemessen langsam wahrgenommen.

Der aktualisierte Nachfolger Windows NT 3.5 erschien im November 1994 und verbesserte zahlreiche Unzulänglichkeiten. Erstmals war in Windows nun auch Unterstützung für RAS-Verbindungen und eine Druckfunktion über Netzwerke via TCP/IP-Protokoll vorhanden. Microsoft führte mit dieser Version erstmals eine Trennung zwischen Workstation- und Server-Editionen ein: Die Server-Edition beherrschte 256 eingehende RAS-Verbindungen (die Workstation-Version hingegen nur eine), eine nominell unbegrenzte Zahl an Clientverbindungen (10 bei der Workstation) sowie zusätzliche Funktionalitäten wie DHCD-Server, Windows Internet Name Server und weitere, speziell für den Serverbereich gedachte Funktionen. Das schlug sich auch im Umfang nieder: Die aktualisierte Fassung Windows NT 3.51 Server wurde auf 42 3,5-Zoll-Disketten ausgeliefert.

Mit dem Erscheinen von Windows NT 4.0 wurde die Optik der Nutzeroberfläche von Windows 95 übernommen. Technisch änderte sich im Vergleich zu den Vorgängern allerdings verhältnismäßig wenig.
Mit dem Erscheinen von Windows NT 4.0 wurde die Optik der Nutzeroberfläche von Windows 95 übernommen. Technisch änderte sich im Vergleich zu den Vorgängern allerdings verhältnismäßig wenig.
(Bild: Screenshot/Microsoft)
Windows NT hatte allerdings stets mit Kompatibilitätsschwierigkeiten zu kämpfen. Es existierte kein Cross-Plattform-Compiler, der es erlaubt hätte, eine Software einheitlich für die diversen unterstützen Plattformen zu entwickeln, was den Preis für eigene Anwendungen enorm in die Höhe trieb.

Auch das im August 1996 veröffentlichte Windows NT 4.0 konnte diese Problematik nur bedingt adressieren. Auch wenn der Kernel auf NT Version 4.0 aktualisiert war, enthielt es als einzige nennenswerte Neuerung – neben einer verbesserten allgemeinen Performance – nur die Unterstützung von Netware 4, eine direkte Unterstützung von Grafik- und Audioanwendungen und eine von Windows 95 übernommene grafische Benutzeroberfläche.

Im Gegensatz zur 9X-Familie fehlte bei Windows NT 4.0 allerdings die Unterstützung von Plug&Play-Hardware, was ein Aufrüsten vorhandener Systeme deutlich komplizierter machte. Da die alternativen Prozessorarchitekturen und die Entwicklung entsprechender Software nicht die erhoffte Verbreitung fanden, wurde deren Support schließlich seitens Microsoft nach und nach eingestellt: Mit Service Pack 1 verabschiedete man sich von MIPS-, mit Service Pack 2 schließlich auch von Power-PC-Architekturen. DEC-Alpha-Systeme wurden noch bis zum Ende von Windows NT 4.0 unterstützt, beim direkten Nachfolger stellte Microsoft allerdings auch hierfür den Support ein.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:43523000)