Der Open-RAN-Ansatz wird Innovationen im 5G-Kontext massiv vorantreiben und die Konnektivität sowie den drahtlosen Zugang auf ein neues Niveau heben. Eine entscheidende Rolle nimmt dabei das Open-RAN-Ökosystem ein. Viele Anbieter kooperieren derzeit, um das Potenzial der Open-RAN-Technik aufzuzeigen. Red Hat und Baicells liefern dafür ein Beispiel.
Jens Kühner, Senior Sales Manager Telco EMEA bei Red Hat, erläutert die Bedeutung von kollaborativen Ökosystemen für den Aufbau von Open-RAN-Infrastrukturen für 5G-Netze.
(Bild: Red Hat)
5G-Technologien setzen sich beim Ausbau von Funkzugangsnetzen (Radio Access Networks – RANs) zunehmend durch. Dabei stellt sich die Frage, wie diese Technologien weltweit besser zugänglich gemacht werden können. Die Aufgabe lautet, Unternehmen und Endanwender auf der ganzen Welt mit Hochgeschwindigkeitsinternet zu versorgen, auch in Gebieten, in denen es noch keine Internetanbindung gibt. Konkret geht es darum, eine breite Netzwerkinteroperabilität zu schaffen und auch eine Vielzahl von Anwendungsfällen zu unterstützen. An diesem Punkt kommt das Open-RAN-Ökosystem ins Spiel.
In jüngster Zeit wird in der Branche verstärkt über Open RAN diskutiert. Dabei werden Fragen aufgeworfen wie „Was bedeutet Open RAN genau, welche Lösungsansätze existieren und wie können sich Unternehmen in Entwicklungen einbringen?“. Immer mehr Akteure des RAN-Ökosystems gehen dabei davon aus, dass Open RAN und Open-Source-Projekte die künftige Grundlage der Branche bilden.
Es gibt viele Namen und Akronyme im Zusammenhang mit der RAN-Evolution, wie vRAN, Open RAN oder O-RAN. Klar sollte sein, dass die RAN-Evolution sowohl die Disaggregation der Basisstationen des Mobilfunknetzes in stärker standardisierte Einheiten bedeutet – dies ist als Functional Split bekannt – als auch die Einführung der Cloud-Technologie, die eine automatische Bereitstellung und Skalierung unterstützt.
Wichtig ist aber die Feststellung, dass virtualisiertes RAN nicht unbedingt ein offenes RAN sein muss. vRAN bedeutet lediglich, dass der Anbieter seine RAN-Komponenten wie Baseband-Unit, gNB, eNodeB, DU (Distributed Unit) und CU (Central Unit) virtualisiert hat. Es ist damit aber noch nicht gesagt, dass Komponenten verschiedener Anbieter in Kombination genutzt werden können. Open RAN hingegen zielt auf Interoperabilität, herstellerunabhängige Hardware und Schnittstellen sowie Software-definierte Technologie ab.
Das Open-RAN-Ökosystem
Open RAN erfordert deshalb ein offenes und kollaboratives Ökosystem, um die notwendigen Komponenten von 5G-Netzwerken erfolgreich zu integrieren und die Interoperabilität zu unterstützen. Gemeinsames Ziel des Ökosystems ist der Aufbau von 5G-Netzen auf Basis von Open RAN. Durch die Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen bei der Entwicklung offener RAN-Technologien können die Kosten für die Bereitstellung von 5G-Netzen gesenkt und so die Investitionsrenditen für Betreiber verbessert werden. Auf Interoperabilität getestete und validierte Produkte und Services unterschiedlicher Hersteller und Dienstleister bieten zudem die Möglichkeit, 5G-Netze nicht nur durch Lösungen eines einzelnen Anbieters aufzubauen. Für Netzbetreiber besteht so auch die Freiheit, 5G-Netze flexibel in einer Art und Weise zu realisieren, wie es dem jeweiligen Einsatzszenario am besten entspricht.
Ein Beispiel für Lösungsansätze, die aus der Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen im Open-RAN-Ökosystem resultieren, bieten Red Hat und Baicells, Anbieter von RAN-Lösungen mit globaler Ausrichtung. Red Hat und Baicells kooperieren bei der Entwicklung offener, disaggregierter und standardbasierter Lösungen. Dabei steht die Konzeption von End-to-End-5G- und RAN-Netzwerklösungen auf der Grundlage der kombinierten Technologieangebote der beiden Unternehmen im Vordergrund. Dazu gehören Red Hat OpenShift und die RAN-Lösung von Baicells. Im Detail umfasst der Proof of Concept für 5G- und RAN-Lösungen von Red Hat und Baicells folgende Komponenten:
die Enterprise-Kubernetes-Anwendungsplattform Red Hat OpenShift: Sie beinhaltet vollständig automatisierte Prozesse, einschließlich einer GitOps-Integration, die Cloud-unabhängig ist und damit auch eine konsistentere User-Experience sicherstellt. OpenShift bietet einfache Netzwerkbereitstellungen, vereinheitlichte Workflows und eine hohe Skalierbarkeit, Agilität und Flexibilität für RAN- und RIC-Dienste (RAN Intelligent Controller), die Nutzer damit schneller bereitstellen können.
die RAN-Lösung von Baicells: Sie bietet Mobilfunk- und 5G-Netzbetreibern eine offene End-to-End-RAN-Plattform, die Mobilgeräte, Software, Applikationen, Multi-RAN-Indoor/Outdoor-Kleinzellen, Customer Premises Equipments (CPEs), Router, Cloud-Core-Netzwerke, Netzwerkmanagement und Online-Abrechnungssysteme umfasst. Baicells RAN ist eine Hersteller-validierte Cloud-native Netzwerkfunktion (CNF) auf Red Hat OpenShift, die als „Plug and Play“-Lösung konzipiert ist. Sie basiert auf der FlexRAN-Referenzarchitektur von Intel.
Die Zukunft von Open RAN
Die offene Zusammenarbeit in einem vielfältigen Ökosystem ist die Voraussetzung, um Open-RAN- und 5G-Innovationen aktiv voranzutreiben. Die Interoperabilität und Cloud-native Bereitstellungsmodelle sind dabei die Schlüsselfaktoren, die das Entstehen eines offenen Wireless-Ökosystems fördern. Red Hat und Baicells liefern dafür ein aktuelles Beispiel.
Die RAN-Designprinzipien von Baicells basieren auf offenen Fronthaul-/Midhaul-Hardware-Schnittstellen, die die Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Anbietern gewährleisten. Basierend auf einer API-Standardisierung wird die Abhängigkeit von proprietärer Hardware vermieden und damit auch ein Beitrag zur Kostenoptimierung von 5G-Implementierungen geleistet.
Durch die Kombination der RAN-Software von Baicells mit Red Hat OpenShift steht zudem eine robuste Container-basierte Architektur zur Verfügung. Damit können 5G- und RAN-Lösungen in einer Cloud-Umgebung bereitgestellt werden, die die konkreten Anforderungen eines Betreibers optimal abdecken.
Stand: 08.12.2025
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Jens Kühner.
(Bild: Red Hat)
Die Kooperation verschiedener Anbieter im gesamten Open-RAN-Ökosystem hilft nicht zuletzt, die Funktionalität über Hardware- und Netzwerkinfrastrukturen hinweg kontinuierlich zu erweitern.
Über den Autor
Jens Kühner ist Senior Sales Manager Telco EMEA bei Red Hat.