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Automatisiert statt administriert Wenn das Netzwerk versteht, was das Business will

Von Dipl. Betriebswirt Otto Geißler 4 min Lesedauer

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Die Automatisierung von Netzwerken durch Intent-Based Networking (IBN) zielt darauf ab, Geschäftsabsichten (Intents) anstatt technischer Konfigurationen vorzugeben. Anhand eines konkreten Szenarios zeigt dieser Beitrag, wie Intent-Definition, Telemetrie-Korrelation und automatisierte Orchestrierung ideal zusammenspielen.

Intent-Based Networking und Observability bilden gemeinsam einen geschlossenen Steuerkreislauf.(Bild:  GPT-5 / KI-generiert)
Intent-Based Networking und Observability bilden gemeinsam einen geschlossenen Steuerkreislauf.
(Bild: GPT-5 / KI-generiert)

Während klassische Netzwerke auf statischen Policies basieren, strebt IBN nach dynamischer Selbstoptimierung. Das setzt jedoch voraus, dass das Netzwerk in Echtzeit erfassen kann, ob der definierte Zielzustand erreicht ist. Observability sorgt für diese Transparenz, weil sie Daten nicht einzeln betrachtet, sondern Telemetrie über sämtliche Netzwerkebenen hinweg verknüpft, von Switch-Signalen über SDN-Controller bis zu Service-Proxies.

Auf diese Weise entstehen Telemetrie-Pipelines, die eine Basis für kontinuierliche Validierungen bilden. Sie vergleichen Laufzeitdaten mit den Service-Level-Objektives (SLOs) der Intents. Wenn Abweichungen erkannt werden, löst das System nicht einfach einen Alarm aus, sondern kann über Automatisierungs-Workflows aktiv durch beispielsweise Traffic-Shaping, dynamisches Rerouting oder Ressourcen-Verschiebung im Edge-Cluster eingreifen.

Regelkreis zwischen Intent und Realität

Auf dieser Basis bilden Intent-Based Networking und Observability gemeinsam einen geschlossenen Steuerkreislauf. Das heißt, zuerst wird der Intent definiert und dann in technische Richtlinien übersetzt. Eine Policy-Engine kommuniziert mit SDN-Controllern, Loadbalancern oder Mesh-Proxies und wendet die Vorgaben auf das Netzwerk an. Anschließend erfassen Observability-Systeme wie Prometheus, OpenTelemetry oder Grafana Loki die Laufzeitdaten und gleichen sie mit den definierten Zielwerten ab.

Sobald eine Abweichung erkannt wird, greift der Regelkreis: Automatisierte Orchestrierungs-Tools wie Ansible oder Kubernetes-Operatoren führen die notwendigen Korrekturmaßnahmen durch. Damit wird aus einer statischen Netzwerkdefinition ein lernendes, reaktives System. Der entscheidende Fortschritt liegt jedoch darin, dass eine Observability nicht nur beschreibt, wie ein System funktioniert, sondern warum es von dem definierten Intent abweicht und wie es sich korrigieren lässt.

Herausforderungen und Kontrollfunktionen

Die Definition überprüfbarer Intents ist allerdings komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheint. Dafür müssen Geschäftsziele in messbare Größen wie etwa in Form von Verfügbarkeiten, Latenzen oder Kostenbudgets überführt werden. Hinzu kommt, dass sich auch verschiedene Intents gegenseitig widersprechen können. Eine gewisse Latenz steht bspw. oft im Konflikt mit Energiesparzielen oder Kostenvorgaben. Ferner können unpräzise oder widersprüchliche Intents gravierende Auswirkungen nach sich ziehen.

Moderne Policy-Engines müssen daher Prioritäten und Gewichtungen beherrschen, um Zielkonflikte dynamisch aufzulösen. Deshalb sind Governance-Strukturen essenziell. In der Praxis haben sich Intent-Review-Boards bewährt, die neue oder geänderte Intents auf Konsistenz und Priorität prüfen. Vor einer jeweiligen Freigabe werden Änderungen in Staging-Umgebungen getestet, in denen automatische Korrekturmaßnahmen simulierbar sind.

Ergänzend sichern Change-Logs und Audit-Trails die Nachvollziehbarkeit, die ein zentraler Aspekt für Branchen mit Compliance-Vorgaben wie ISO 27001, TISAX oder BaFin darstellen. Gerade für KMU ist das eine Herausforderung, da spezialisierte Security- und Automationsabteilungen häufig fehlen. Hier bieten sich Managed-IBN-Plattformen an, die Intent-Definition, Telemetrie und Orchestrierung als integrierten Cloud-Service bereitstellen.

Szenario einer Intent-Steuerung

Ein fiktiver Maschinenbauer aus dem KMU-Bereich möchte seine Werke digital vernetzen: Werk A fräst, Werk B montiert, Werk C prüft per Edge-Analytics. Damit alles synchron bleibt, dürfen Produktionsdaten maximal 15 ms verzögert sein, Ausfälle höchstens 30 Sekunden dauern, sonst drohen Stillstände und vor allem: Vertragsstrafen.

- Übertragung in Intents
Die IT-Abteilung überträgt ihre Vorgaben nicht als technische Parameter, sondern als Intents in das zentrale IBN-System. Da die Produktion niemals stehen darf, lautet die Kernformel für die IT: „Stelle sicher, dass Standort-übergreifende Produktionsdaten nicht länger als 15 ms unterwegs sind und die Produktion bei Ausfällen automatisch weiterläuft.“

Das IBN-System übersetzt diesen Intent in konkrete Policies. Damit entstehen automatische Regeln. Das heißt, Priorisierung bestimmter Datenströme, Reservierung garantierter Bandbreite für Edge-Knoten, Aufbau redundanter Datenpfade über SD-WAN-Tunnel und automatische Umschaltung im Fehlerfall etc. Während früher mühselig Konfigurationen auf Routern und Switches geändert werden mussten, genügt heute das Aussprechen eines Intents. Das System berechnet die optimale Umsetzung selbst, inklusive Routing-Entscheidungen, Quality-of-Service-Parametern und Firewall-Policies.

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- Policy-Automatisierung
Sobald das IBN-System die Vorgaben interpretiert hat, erzeugt es Steuerbefehle für das gesamte Netzwerk. Diese werden automatisiert auf Switches, Gateways, Firewalls und Edge-Knoten ausgerollt. Die IT-Abteilung muss dann nicht mehr prüfen, welcher Router welche Konfiguration benötigt. Stattdessen sieht sie im Dashboard, wie der Intent umgesetzt wurde und welche Systeme beteiligt sind.

Im Hintergrund sorgt eine Policy-Engine dafür, dass Produktionsdaten gegenüber allen anderen Datenklassen bevorzugt transportiert werden. Management-Traffic, Videocalls oder Software-Updates gelangen nur dann durch das Netzwerk, wenn sie die Produktionsdaten nicht beeinträchtigen. Mithilfe der IBN-Technologien trifft das System nun in Sekundenbruchteilen Entscheidungen, die früher Stunden an Analyse erfordert hätten.

- Echtzeitüberwachung
Parallel dazu sammelt die Observability kontinuierlich Telemetriedaten aus der gesamten Infrastruktur wie beispielsweise aus SD-WAN-Gateways, Netzwerk-Switches, Edge-Applikationen und sogar aus den Maschinen-Schnittstellen. Über Dashboards wird für den Anwender sichtbar, welche Datenflüsse aktiv sind, welche Latenzen auftreten und wo sich Engpässe bilden. Sobald das System erkennt, dass ein Intent gefährdet ist, etwa durch einen Anstieg der Latenz von 15 auf 20 Millisekunden, löst der IBN-Controller automatisch Gegenmaßnahmen aus.

- Autonome Reaktion
In kritischen Momenten interveniert das System sofort, ohne dass ein Mensch eingreifen muss. Es verschiebt Datenströme auf eine alternative Leitung, aktiviert Traffic-Shaping oder reserviert zusätzliche Bandbreite. Alle Maßnahmen werden fachlich nachvollziehbar im Audit-Trail dokumentiert. Für die Produktionsleitung sind diese Eingriffe unsichtbar. Das bedeutet für die IT: weniger „Feuerwehr-Einsätze“, mehr strategisches Arbeiten!

Fazit

Für KMU ist der Weg zu einer IBN-Fertigung zwar mit etwas Aufwand verbunden. Wer die richtigen Governance-Modelle etabliert, klare Metriken definiert und automatisierte Korrekturpfade verantwortungsvoll einsetzt, kann aus einem reaktiven Netzwerk jedoch eine lernfähige und vor allem hochwirksame Infrastruktur erschaffen. IBN und Observability sind damit keine Zukunftsvision, sondern ein realistisches Fundament für das, was IT-Architektur schon jetzt leisten kann: Geschäftsabsichten verstehen und sie technisch effektiv umsetzen.

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