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Definition Was ist NT-LAN-Manager (NTLM)?

Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 3 min Lesedauer

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NT-LAN-Manager ist eine Sammlung von Protokollen zur Authentifizierung in einem Rechnernetzwerk. Die Sicherheitsverfahren wurden von Microsoft entwickelt und mit Windows NT 3.1 im Jahr 1993 veröffentlicht. Obwohl NTLM aufgrund von einigen bekannten Sicherheitsschwachstellen als überholt gilt und seit Windows 2000 von Kerberos abgelöst wurde, ist NT-LAN-Manager aus Kompatibilitätsgründen nach wie vor in aktuellen Windows-Versionen enthalten.

Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.(Bild:  © aga7ta - stock.adobe.com)
Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
(Bild: © aga7ta - stock.adobe.com)

Das Kürzel NTLM steht für NT-LAN-Manager. Die ursprüngliche Langbezeichnung lautete Windows New Technology LAN Manager. Es handelt sich um eine Sammelbezeichnung für mehrere von Microsoft entwickelte Sicherheitsprotokolle zur Authentifizierung in Rechnernetzwerken. Eingeführt wurde NTLM im Jahr 1993 mit Windows NT 3.1. Die Protokolle waren zunächst proprietär, sind aber seit 2007 offengelegt und dürfen auch von anderen Systemen oder Anbietern verwendet werden.

Mithilfe der Sicherheitsprotokolle können sich Computer untereinander oder bei einem Server authentifizieren und verbinden. Die Zugangsberechtigung eines Benutzers oder Clients wird anhand eines Challenge-Response-Verfahrens überprüft. In Windows-Umgebungen wird NT-LAN-Manager als Single-Sign-On-Verfahren (SSO) für User eingesetzt. User müssen sich nur einmal mit ihren Windows-Benutzerdaten anmelden und erhalten innerhalb ihrer Domäne Zugriff auf verschiedene Anwendungen und Ressourcen. Mit Windows NT 4.0 führte Microsoft eine verbesserte Version des NT-LAN-Managers mit der Bezeichnung NTLMv2 ein. NTLMv2 arbeitet mit einer Challenge variabler Länge und verbesserten Sicherheitsalgorithmen.

Trotz der höheren Sicherheit von NTLMv2 gilt die Authentifizierung per NT-LAN-Manager heute als überholt und entspricht nicht den aktuellen Sicherheitsstandards. Microsoft setzt seit Windows 2000 ein sichereres Authentifizierungsverfahren mit der Bezeichnung Kerberos ein. Kerberos ist das Standardauthentifizierungsprotokoll von Microsoft für Active Directory. Dennoch ist NT-LAN-Manager aus Kompatibilitätsgründen nach wie vor in aktuellen Windows-Versionen enthalten. Sollte die Authentifizierung mit Kerberos nicht möglich sein, wird unter Umständen als Rückfalloption NTLM verwendet.

Prinzipielle Funktionsweise der Authentifizierung mit NTLM

Für die Authentifizierung mit NTLM müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Der Benutzername und das zugehörige Passwort müssen sowohl dem Client als auch dem Server bekannt sein. Zudem müssen Client und Server die Authentifizierung per NT-LAN-Manager unterstützen. Der Authentifizierungsvorgang selbst basiert auf einem Challenge/Response-Mechanismus mit Handshake zwischen Client und Server und Hashfunktion. Dieses Verfahren stellt sicher, dass das eigentliche Passwort zur Authentifizierung nicht über das Netzwerk übertragen werden muss und nicht abgefangen werden kann. Eine Authentifizierung erfolgt beispielsweise in diesen Schritten:

  • der Client sendet seinen Benutzernamen im Klartext an den Server
  • der Server erzeugt eine Challenge (Zufallszahl) und sendet sie an den Client
  • der Client erzeugt aus der Zufallszahl und dem zum Benutzernamen zugehörigen Passwort einen Hashwert und sendet diesen als Response an den Server
  • der Server erzeugt mit dem ihm bekannten, in einer Datenbank gespeicherten Benutzerpasswort und der von ihm generierten Zufallszahl mit dem gleichen Verfahren wie der Client ebenfalls einen Hashwert und vergleicht ihn mit dem vom Client empfangenen Hashwert
  • sind beide Hashwerte identisch, wird der Client authentifiziert und der Zugriff auf die Ressource freigegeben. Nicht identische Hashwerte haben die Abweisung des Clients zur Folge.

Gründe für die Ablösung von NTLM und Unterschiede zu Kerberos

NTLM erfüllt die heute aktuellen Anforderungen an eine sichere Authentifizierung nicht mehr. Das Verfahren gilt aus mehreren Gründen als überholt. Zum einen unterstützt es keine Multifaktor-Authentifizierung (MFA), zum anderen verwendet es die veraltete und nicht mehr sichere Hashfunktion MD4. Per MD4 verschlüsselte Hashwerte lassen sich mit relativ geringem Aufwand entschlüsseln. Die auf Servern gespeicherten und gehashten Passwörter sind nicht mit einem Salt (zufällige Zeichenfolge) versehen. Das macht die Authentifizierung anfälliger für Brute-Force-Angriffe über sogenannte Regenbogentabellen (Rainbow-Table).

Kerberos unterscheidet sich an mehreren Stellen von NT-LAN-Manager. Das Verfahren wurde bereits Mitte der 1980er-Jahre am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt und ist seit Windows 2000 das Standardauthentifizierungsprotokoll von Microsoft für Active Directory. Kerberos setzt sich nicht wie NTLM aus zwei, sondern aus drei Funktionskomponenten zusammen. Neben dem Client und dem Server gibt es noch einen Ticketing-Dienst (auch Kerberos-Server oder Schlüsselverteilungscenter genannt). Am Authentifizierungsprozess sind alle drei Komponenten beteiligt. Der Ticketing-Dienst authentifiziert Server und Client und erteilt für einen bestimmten Zeitraum gültige Tickets für den Zugriff auf Ressourcen. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Einweg-Hashfunktion durch eine Zweiweg-Verschlüsselungsfunktion mit eigenem Ver- und Entschlüsselungsschlüssels ersetzt wurde.

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