Eine Studie der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) im Auftrag des Bundesverbands Breitbandkommunikation (BREKO) stuft den Starlink‑Dienst als Ergänzung fürs Niemandsland ein. Ein Branchenexperte fordert dagegen, Satelliten in die Netzinfrastruktur einzubeziehen und warnt vor einer einseitigen Gesetzgebung.
Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) sieht Satelliten als Nischenlösung. Doch das Gutachten nährt das Narrativ „Satelliten taugen nicht“. Messungen aus dem In‑ und Ausland zeigen hingegen brauchbare Datenraten, während Kritiker warnen, die Politik torpediere die deutsche Satellitenindustrie.
Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) hat im Auftrag des Bundesverbands Breitbandkommunikation (BREKO) die Leistungsfähigkeit des Satelittendienstes Starlink untersucht. Laut dem Gutachten könne das Satellitensystem zwar Versorgungslücken schließen, sei aber keine echte Konkurrenz zu Glasfaser und 5G.
Die Forscher verweisen auf begrenzte Bandbreiten, hohe Betriebskosten und mögliche Engpässe bei gleichzeitiger Nutzung vieler Kunden.
Starlink selbst betreibt inzwischen über 6.000 Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn und bietet in Deutschland bis zu 250 Mbit/s im Downlink. Die Studie schätzt jedoch, dass bei rund 42.000 geplanten Satelliten höchstens 13 Millionen Kunden gleichzeitig mit stabilen 100 Mbit/s versorgt werden könnten. Für ein Flächenland wie Deutschland sei das, so die Gutachter, „keine skalierbare Alternative zu Glasfaser“.
Der Glasfaserverband BREKO sieht sich damit bestätigt. Verbandsvertreter argumentieren, nur der flächendeckende Ausbau optischer Netze sichere langfristig Gigabitfähigkeit und Unabhängigkeit von ausländischen Infrastrukturen.
„Schlag ins Gesicht der Satellitenbranche“
Doch die Studie löst Widerspruch aus – insbesondere von Fachleuten, die die Debatte für zu einseitig halten. Die Bundesregierung hat im Juli 2025 den Ausbau von Glasfaser- und Mobilfunknetzen bis 2030 im Telekommunikationsgesetz (TKG §1) als „überragendes öffentliches Interesse“ verankert. Damit erhalten Masten, Schächte und Kabeltrassen Vorrang bei Genehmigungen. Satellitensysteme sind in dieser Regelung nicht berücksichtigt.
Der unabhängige Sachverständige Michael Arnhold kritisiert diese Fixierung auf Glasfaser und bezeichnet das sogar als gefährlich. Die von BREKO in Auftrag gegebene Studie oder ähnliche sei wie Öl ins Feuer gießen: „Wer dem Narrativ ‚Glasfaser ist die Zukunft, da sind sich alle Experten einig‘ glaubt, verkennt die Realität und läuft Gefahr, falsche Entscheidungen zu treffen“.
Der ehemalige Leiter des Glasfaser‑Backbone AS 3320 und geladene Experte im Bundestagsausschuss fordert eine „Allover Radio Network Infrastructure“ (ARNI) – eine hybride Architektur, in der Glasfaser das Rückgrat bildet, Mobilfunk den letzten Kilometer schließt und Satelliten ländliche Gebiete sowie Krisensituationen abdecke.
ARNI verbinde geostationäre Satelliten mit Laser, LEO‑Konstellationen, Glasfaser‑Backbones und Mobilfunkmasten. Smartphones sollen automatisch die Plattform mit dem besten Signal wählen; Funklöcher würden verschwinden. Seriengefertigte CubeSat‑Satelliten seien außerdem günstiger als zusätzliche Funkmasten. Laut Arnhold müsste der Bund nur einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investieren, um bis Mitte 2026 erste ARNI‑Systeme zu starten.
Doch das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) habe sich jedoch gegen eine staatlich beauftragte Satellitenflotte entschieden. Gegenüber IP-Insider kommentiert er: „Das BMDS steht als notwendiger Ankerkunde nicht zur Verfügung. Das ist ein Schlag ins Gesicht der deutschen Satellitenbranche und Wirtschaft.“
Damit, so Arnhold, bleibe Deutschland in der Abhängigkeit US-amerikanischer Betreiber wie Starlink. Die jüngst vorgestellte Tarifstruktur von SpaceX, so der Experte weiter, „könnte mit rund 30 Euro pro Monat Milliardeninvestitionen in Glasfaser in Frage stellen“. Eine eigene Flotte hingegen „würde Souveränität schaffen und kritische Infrastruktur resilient machen“.
Das Ministerium schreibt, „die neue Infrastruktur werde in aller Regel ein hochleistungsfähiger Glasfaseranschluss sein“. Andere Technologien werden nur am Rande erwähnt – als Übergangslösungen für Gebiete außerhalb der Versorgungsschwelle. Satelliten kommen im Dokument nicht vor.
Diese Formulierung legt nahe, dass der Glasfaserausbau weiterhin als zentrale Säule gilt, auch wenn andere Übertragungstechniken in Einzelfällen unterstützen können. Die Studie der THM fügt sich somit in den Regierungsansatz ein – während Arnholds Konzept einer hybriden Netzstruktur keine politische Priorität erhält.
Stand: 08.12.2025
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Er nennt deutsche Unternehmen wie Rohde & Schwarz, Tesat, SpaceOptix, OBH SE und auch Startup-ups wie Isar Aerospace, die ihre Position als „Weltmarktführer in der IP‑Satellitenkommunikation“ wahren müssen und warnt, Deutschland drohe die eigene Satellitentechnik zu verspielen. „Der Ausbau der Kupfertechnik hatte damals den Glasfaserausbau torpediert. Wenn jetzt Mobilfunk und Glasfaserausbau in Regionen mit dünner Besiedlungsdichte und herausfordernder Topografie die führende deutsche Satellitentechnik torpediert, wird der gleiche Fehler wiederholt“.
In Deutschland werde durch den geförderten Breitbandausbau Milliarden Euro an Steuergeldern begraben, Starlink und Kuiper verdienen aber weltweit mit deutscher Satellitentechnik Milliarden Dollar.
Er erinnert zudem an die Ukraine, wo Starlink zeitweise abgeschaltet wurde, und sieht darin ein Risiko für die Souveränität. Arnhold fordert daher eine eigenständige Satellitenflotte und warnt vor der Abhängigkeit von US‑Diensten wie Starlink. „Im Katastrophenfall könne man die Dienste ‚wegen Wartung‘ abschalten“. Nur eine eigene Flotte könne dieses Risiko vermeiden und es entstehe neue Impulse für die deutsche Wirtschaft.
Viele seiner Aussagen spiegeln aktuelle Debatten wider. Die Europäische Union treibt mit IRIS² eine eigene Konnektivitätskonstellation aus 290 Satelliten voran: 2025 sollen sichere Verbindungen für Behörden, Unternehmen und Bürger aufgebaut werden. IRIS² soll digitaler Souveränität dienen, hochbitratige Breitbanddienste bereitstellen und Dead Zones in Europa schließen.
Gleichzeitig entsteht mit „Project Bromo“ ein industrielles Konsortium aus Thales, Airbus und Leonardo, das eine 10‑Milliarden‑Euro‑Satellitenfirma schmieden will und SpaceX Konkurrenz machen möchte. Reuters berichtet, dass die Unternehmen über ein Memorandum of Understanding für den Zusammenschluss ihrer Satellitensparten verhandeln. Die Gespräche seien allerdings kompliziert und könnten an Governance‑ und Kartellfragen scheitern.
Indes warnen Industrievertreter, dass Europa technologisch an Boden verliert. Beim BDI-Weltraumkongress hieß es jüngst, der Anteil Europas am globalen Raumfahrtmarkt sei auf rund 17 Prozent gefallen. Damit sei der Rückstand mittlerweile sehr groß.
Die Debatte um Deutschlands Netzzukunft ist längst mehr als ein Technologiestreit. Zwischen Glasfaserförderung, Satelliteninitiativen und geopolitischer Souveränität verläuft eine stille Linie der Interessen. Während das BMDS auf Glasfaser als Infrastrukturstandard setzt, fordert die Satellitenindustrie politische Gleichbehandlung – und warnt vor einer digitalen Abhängigkeit vom Ausland und dem Verlust der Souveränität.
Ob sich die Vision eines hybriden Netzes aus Glasfaser, Mobilfunk und Satellit durchsetzt, bleibt offen. Sicher ist nur: Der Wettlauf um Bandbreite ist auch ein Wettlauf um Einfluss.