Fachkräftemangel und gefährdete Innovationskraft

Qualifizierung von Mitarbeitern ist ein Muss

| Autor / Redakteur: Arno Laxy / Andreas Donner

Mangelhafte Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern macht immer mehr Unternehmen zu schaffen.
Mangelhafte Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern macht immer mehr Unternehmen zu schaffen. (Bild: © cirquedesprit - stock.adobe.com)

Die Qualifikationsdefizite bei Unternehmensmitarbeitern werden immer größer und gefährden die Innovationskraft der deutschen Industrie. Gleichzeitig bemühen sich aber viele Unternehmen um Lösungen, Know-how und Wissen ihres Personals zu verbessern. Das ist das Ergebnis einer weltweiten Studie von CompTIA, dem weltweiten IT-Branchenverband.

Knapp die Hälfte (46 Prozent) der 600 für die Studie „Assessing the IT Skills Gap“ im Februar 2017 befragten leitenden Angestellten und IT-Manager gaben an, dass die Qualifikationsdefizite in ihrer Organisation in den letzten zwei Jahren zugenommen haben. Die Studie zeigt auch, dass sich diese Schwächen nicht auf den IT-Bereich beschränken. Die Probanden wiesen auch auf Wissenslücken in Marketing, Vertrieb, Business Development, Operations, Kundendienst, Buchhaltung und Finanzen hin.

„‘Qualifikationsdefizit’, auch bekannt als ‘Skills Gap’, dient häufig als Sammelbegriff für unterschiedliche Probleme am Arbeitsplatz, wie z.B. unzureichendes Arbeitskräfteangebot oder altersspezifische Unterschiede im Arbeitsstil“, kommentiert Christina Allmeroth, Senior Manager Business Development Central and Eastern Europe von CompTIA. „Unabhängig davon, was nun die Ursache ist: Wir stellen eine tiefe Kluft zwischen den Qualifikationen fest, die Arbeitgeber nachfragen, und den wahrgenommenen Qualifikationen der Mitarbeiter und Bewerber.”

Die Konsequenzen dieser Qualifikationsdefizite der Arbeitskräfte sind vielfältig: niedrigere Produktivität der Belegschaft, geringerer Umsatz, Verzögerungen bei der Marktreife neuer Produkte und Dienste sowie Wettbewerbsnachteile.

Die Faktenlage

Trotz dieses Befunds berichtet nur eine von drei Organisationen, dass sie einen formalen Prozess aufgesetzt hat und Ressourcen vorhält, um diesen Qualifikationslücken zu begegnen. Die übrigen Unternehmen haben lediglich einen informellen Prozess oder überhaupt keinen.

Immer kürzere Innovationszyklen stellen Unternehmen, die das Bildungsniveau ihrer Mitarbeiter auf dem aktuellen Stand halten wollen, vor wachsende Herausforderungen. „Organisationen, die sich Zukunftsthemen, wie Digitalisierung, Internet der Dinge (IoT), künstliche Intelligenz oder Robotik erschließen wollen, sind mit noch größeren Qualifikationslücken konfrontiert. Das liegt in der Natur dieser sich schnell ändernden Technologien”, bemerkt Allmeroth. „Es braucht Zeit, bis entsprechende Schulungsmaterialien verfügbar sind und diese mit praktischen Erfahrungen angereichert werden können.“

Auch die im April 2017 von Brocade veröffentlichte Studie Digital Transformation Skills Index förderte Ergebnisse zutage, die in diese Richtung gehen. Demnach müssten IT-Profis mehr Eigenverantwortung für ihre berufliche Zukunft übernehmen, um die Möglichkeiten, die neue Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) und alle Bereiche des IoT – von Device Management bis Security – bieten, zu nutzen. Die meistgenannte Schlüsselqualifikation in Deutschland war IoT-Security.

Der neueste Innovationsreport des Deutschen Industrie- und Handelstags, der dafür 1.700 Unternehmen befragt hat, sieht ebenfalls Handlungsbedarf bei der Qualifizierung der Mitarbeiter. Demnach würden 75 Prozent aller teilnehmenden Unternehmen innovative Projekte anschieben wollen. Dafür mangele es aber an entsprechend qualifizierten Mitarbeitern. Vier von fünf Unternehmen müssen demzufolge sogar ihre Innovationstätigkeit einschränken, weil sie nicht genügend geeignete Fachkräfte finden.

Lösungsstrategien

Die Erkenntnis ist das Eine, die Umsetzung das Andere: Während Unternehmen durchaus die Qualifikationsdefizite der Mitarbeiter erkennen und angeben, dies ändern zu wollen, unterstützen sie – so die Brocade-Studie – letztere wohl nur wenig dabei, dies zu tun. Lediglich 24 Prozent der in Deutschland befragten IT-Mitarbeiter mit Entscheidungsbefugnis gaben an, dass sie stark dazu ermutigt würden, tägliche Arbeitszeit zu verwenden, um zu lernen und neue Qualifikationen zu entwickeln.

Wenn aber Einsicht und Umsetzungswille zusammenpassen, was ist dann zu tun, um die vorhandenen Mitarbeiter zu qualifizieren? CompTIA befragte auch hierzu Führungskräfte, mit welchen Strategien sie den Qualifikationslücken bei Berufseinsteigern begegnen wollen. Meist führten sie Ansätze an, um Berufserfahrung zu sammeln und Training-on-the-Job zu absolvieren. Die fünf meistgenannten Strategien sind:

  • 1. Umfangreiche Einblicke in Berufsfelder vermitteln, z.B. durch Praktika
  • 2. Bessere Einarbeitung in den Beruf, beispielsweise in der Lehre
  • 3. Frühes Heranführen von Studierenden an Karrieren in der IT
  • 4. Zertifizierungen und Referenzen, die Qualifikationen und Wissen bestätigen
  • 5. Optimierte Bewertungsverfahren und Methoden für die Evaluierung der Qualifikationen und Kenntnisse von Bewerbern

Dass schnelles Handeln dringend geboten ist, macht ein anderes Ergebnis der DIHK-Studie deutlich. Demnach nimmt der Facharbeitermangel weiter zu. Waren es vor zwei Jahren noch 59 Prozent, so geben nun zwei Drittel der Unternehmen an, unter Fachkräftemangel zu leiden. Und da immer mehr Betriebe – aktuell 50 Prozent – nicht genügend Azubis finden, macht sich jeder zweite von ihnen im Ausland auf Personalsuche. Qualifizierung der Mitarbeiter ist also nicht einfach ein schönes Schlagwort für Sonntagsreden, sondern ein unverzichtbares Muss für Unternehmen, die im weltweiten Wettbewerb bestehen wollen.

Über den Autor

Arno Laxy arbeitet als Journalist in München.

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