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Aruba Atmosphere DACH 2023 Openlocate, neues Central und bloß nicht auf Wi-Fi 7 warten

Von Andreas Sebayang 5 min Lesedauer

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In Bad Nauheim hat Aruba in diesem Jahr seine jährliche Atmosphere-Konferenz stattfinden lassen. Dort gab es allerhand Neuerungen, auch zum neuen WLAN-Standard 802.11be. Doch wichtiger waren der HPE-Tochter 802.11mc und der Wechsel auf Next Central.

Die Aruba-Hausmesse "Atmosphere" fand in diesem Jahr Ende September im deutschen Bad Nauheim statt.(Bild:  Andreas Sebayang)
Die Aruba-Hausmesse "Atmosphere" fand in diesem Jahr Ende September im deutschen Bad Nauheim statt.
(Bild: Andreas Sebayang)

Eigentlich ist Bad Nauheim ein Kurort mit tendenziell älteren Gästen. Doch vom 19. bis 21. September verwandelte sich das Hotel Dolce zu einer kleinen IT-Hochburg. Aruba hatte zu seiner jährlichen Atmosphere-Konferenz geladen, um über aktuelle Entwicklungen, aber auch jene in der Ferne zu informieren.

In einer Mischung aus Fachvorträgen, Diskussionen und Präsentationen ging alles um die Netzwerksparte von Hewlett Packard Enterprise (HPE), die mittlerweile wichtige Teile von HPE übernommen hat und – für manche vielleicht überraschend – noch immer unter eigener Identität firmiert. Das geht sogar so weit, dass ein eigentlich angedachtes grünes HPE-Logo wieder von den Switches der Aruba-Marke verschwinden wird.

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Die eigene Hausmesse für den DACH-Bereich unterstreicht diese eigene Identität, die viele andere Unternehmensteile seit der Aufspaltung der damaligen Hewlett Packard durchaus verloren haben.

Orange statt grün

Tatsächlich bekam man von dem Mutterkonzern nur sehr wenig mit, wenn man nicht explizit nachfragte oder genau hinschaute. Und natürlich galt es auch, ein Flaggschiff zu promoten. Den CX10000 etwa, in dessen Innerem zwei ASICs von AMD werkeln. Wer jetzt aber an die typischen CPUs von AMD denkt, der liegt falsch. Denn die ASICs kommen von Pensando, einem Prozessorspezialisten, der erst vor kurzem von AMD übernommen wurde.

Mit dem CX10000 oder CX10K wie er auch oft genannt wird, wollen Pensando und Aruba gemeinsam ein Produkt lancieren, welches als Top-of-The-Rack-Switch einiger der wichtigsten Funktionen im Netzwerk übernimmt.

Sonderlich oft ist der Switch noch nicht im Einsatz, wie sich auch während eines Vortrags zeigte, bei dem über Handzeichen ein Stimmungsbild abgefragt wurde. Aber einige hundert Stück soll es aktuell bereits etwa im deutschen Markt geben, die sich auf rund 70 Firmen verteilen. Gleichzeitig wächst den Angaben zufolge das Interesse. Vor allem werden die Projekte größer, so Aruba. Interesse ist also vorhanden, weswegen es in den nächsten Wochen auch noch gesonderte Workshops und nicht nur Demos, wie auf der Aruba Atmosphere, geben wird.

Aruba verspricht beim Einsatz inklusive Firewall und Deep Packet Inspektion einen hohen Durchsatz, wofür die beiden programmierbaren ASICs im Switch verantwortlich sind, auf denen diese Funktionen mit einer Kapazität von 800 GBit/s laufen.

Aruba betonte aber auch, dass diese Art von Switch auch in kleineren Installationen eingesetzt werden kann, sozusagen als zukunftsgerichtete Geräte – nicht ganz uneigennützig.

Interessant: Weitere Produkte sollen auf den ASICs basierend, sind aber noch nicht spruchreif. AMD und Aruba wollen aber auf jeden Fall weiter zusammenarbeiten und suchen nach entsprechenden Use Cases. Konkrete Gedankenspiele gibt es bereits zu einer 1000GbE-Variante und erste Überlegungen, wie ein solches Gerät gekühlt werden könnte – was wohl anspruchsvoll wäre.

Bitte nicht auf Wi-Fi 7 warten, sondern auf 802.11mc vorbereiten

Neuerungen gibt es zudem noch im Bereich WLAN. Aber ausgerechnet nicht beim Wi-Fi-7-Standard alias 802.11be. Denn der ist für Aruba fast kein Thema. So gab das Unternehmen ohne Umschweife zu, dass man hier sicher nicht zu den ersten gehören wird. Im Business-Bereich wohlgemerkt. Denn im Consumer-Bereich ist Wi-Fi 7 längst ein Thema, obwohl der Standard noch nicht einmal verabschiedet wurde.

Da will Aruba nicht mitspielen, man will zertifizierte Wi-Fi-7-Geräte auf den Markt bringen – irgendwann im nächsten Jahr. Im Consumer-Bereich verbreiten sich hingegen gerade gewissermaßen Draft-be-Geräte, für diejenigen, die sich noch an die Einführung von 802.11n und dessen Entwurfs-Hardware erinnern.

"Wartet nicht auf Wi-Fi 7" hieß es dann auch von Madani Adjali, dem Vice President of Product Management für die WLAN-Sparte, auf der Atmosphere.

Im Hintergrundgespräch erklärten verschiedene Aruba-Techniker zudem, dass sich Wi-Fi 7 vermutlich kaum lohnen wird. Die wichtigste Neuerung bringt nämlich schon Wi-Fi 6E mit: das 6-GHz-Band. Die neuen, breiteren 320-MHz-Kanäle von Wi-Fi 7 sind im Firmenumfeld zudem ohnehin schwer umzusetzen, da es nur einen Kanal in Europa gibt und der obere 6-GHz-Bereich absehbar noch nicht genutzt werden kann.

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Auch die Datenverteilung auf mehrere Frequenzbereiche (Multi-Link Operation, MLO), analog zu Carrier-Aggregation im Mobilfunk, ist zwar per se spannend, doch insbesondere mobile Geräte brauchen viel Energie, um das zu managen. Hinzu kommt ein erhöhter Platzbedarf für Antennen. Und es stellt sich die Frage, ob die enormen Leistungen etwa bei Smartphones überhaupt notwendig sind und den hohen Energiebedarf rechtfertigen. Und auch bei BSS Coloring hat man so seine Zweifel, dass es einen großen Schub geben wird. Wie so oft müssen die Clients dies erst mal unterstützen und das ist nicht garantiert.

Apropos Platzbedarf. Auch bei professionellen WLAN-Installationen werden die Access Points immer größer. Nicht nur wegen der aufwendigeren Antennen, sondern auch aufgrund der Abwärme, wie Aruba IP-Insider sagte. Denn die Geräte sollen immer passiv laufen, was zusätzliches Volumen benötigt. Um dem entgegenzuwirken, setzt Aruba aber auch auf kleinere Access Points, denen dann etwa Features fehlen. Beispielsweise kann die Wärmeentwicklung eingeschränkt werden, wenn ein AP zwar alle drei Bänder beherrscht, aber nur zwei gleichzeitig nutzt.

Es ist Zeit für Openlocate

Ein weiteres Ziel, das Aruba vor Augen hat, ist die Umsetzung von Openlocate. In Zukunft soll WLAN genutzt werden, um präzise Indoor-Navigation zu ermöglichen. Vorbei sollen die Zeiten sein, in denen schlimmstenfalls der Netzwerkadmin alle paar Jahre jemanden losschicken muss, um die Batterien der Bluetooth-Beacons auszutauschen oder Access Points bestimmten Standorten zuzuweisen.

Damit das funktioniert, können sich Aruba-Access-Points über diverse Satellitennavigationssysteme (GNSS) selbst verorten. Dazu haben laut Aruba alle Access Points der AP-6xx-Serie GPS.

Doch das funktioniert freilich nicht mit jedem Access Points. Es braucht sozusagen Anker-APs, die einen entsprechenden Satelliten-Empfang haben. Im Notfall kann so einem Anker-Access-Point aber auch manuell eine Position zugewiesen werden.

Die restlichen Access Points werden dann auf Basis des Standards IEEE 802.11mc (Wi-Fi Round Trip Time) lokalisiert, was alle Access Points ab AP-5xx können, so Aruba auf der Atmosphere. Über 802.11mc wird eine Funktion namens Fine Time Measurement gestartet. Anhand der ausgesandten Signale kann dann die exakte Position aller APs in Relation zum Anker berechnet werden.

Diese exakten Positionen können dann wiederum Smartphones ausnutzen, die 802.11mc beherrschen. Das Versprechen ist eine genauere Indoor-Navigation mit deutlich weniger Aufwand auf der Netzwerkebene. Derzeit ist die Unterstützung allerdings noch gering. Nicht jedes Android-Smartphone beherrscht etwa 802.11mc. Die App WifiRttScan von Google demonstriert die Funktion – sofern sie sich installieren lässt. Apple unterstützt 802.11mc noch gar nicht.

Laut Aruba soll Openlocate zum Jahresende starten. Der offene Standard vereinheitlicht die Nutzung der Lokalisierungsfunktion in Netzwerken – herstellerübergreifend. Es bleibt aber abzuwarten, wer bei der Initiative noch alles mitmacht.

Next Central mit Demo

HPE Aruba hat auf der Atmosphere auch eine Live-Demo des aktuellen Stands der Next-Central-Version demonstriert. So manches war allerdings schon bekannt, denn auch auf der HPE Discover im letzten Jahr in Frankfurt am Main wurde einiges schon angekündigt und gezeigt. Das zeigt, dass sich Aruba Zeit lässt. So soll die gesamte Migration über einen längeren Zeitraum laufen, um diese möglichst sanft durchzuführen.

Trotzdem kann die neue Managementsoftware bald ausprobiert werden. Ausgewählte Kunden sollen noch dieses Jahr die Lösung Next Generation Central nutzen können. Die allgemeine Verfügbarkeit (General Availability) wurde für Mitte 2024 in Aussicht gestellt.

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