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IPv6-Kongress – Das Internet-Protokoll Version 6 findet Fans

IPv6 – viel Spaß, viel Leid, viel Enthusiasmus

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Die IPv6-Killerapplikationen

„Die Einführung ist völlig trivial“, so Donnerhacke. Anders als Karrenberg sieht er in Verbindung mit IPv6 zwei Killer-Applikationen:

  • Ein VPN funktioniert auch beim Roaming. Dabei ist es kein Unterschied, ob beim Telefonieren mittels Skype von einem ins andere Netz gewechselt wird, oder ein Vertriebsmitarbeiter beim Kunden, seine Berechnungen oder die Präsentation auf dem Drucker des Kunden drucken will.
  • Die Fernwartung auf einem Client-PC funktioniert selbst dann, wenn der zugehörige Server zusammengebrochen ist.

Viele IPv6-Experten wie Donnerhacke machten keinen Hehl daraus, dass der Umgang mit IPv6 auch Spaß mache. Alle Redner auf dem Kongress waren bestrebt, ihre Zuhörer zu motivieren, IPv6-Projekte aufzusetzen – erst klein und einfach anfangen, dann ausrollen ist die Devise,

Doch es ist auch deutlich geworden, dass noch viel Lesestoff und Bastelarbeit zu bewältigen sind. So sagt Kurfürst, der unter anderem mit T-Systems bei Qimonda zwei Referenzstrecken über GRE-Tunnel wischen Dresden und München und Singapur in Betrieb nahm: „Ein häufiges RFC-Studium ist notwendig“. Denn die IPv6-Spezifikationen seien zum Teil „überlappend, widersprechend und sich überholend“.

Zu den Stolpersteinen in seinem Projekt zählte er dass etwa das Netz-Management-System „HP-Openview“ nicht von Haus aus IPv6 unterstütze; die Funktion müsse durch ein vergleichsweise teures „Advanced Routing Modul“ zugekauft werden. Es gibt kein dynamisches DHCP für Ipv6, das gehärtete Betriebssystem ließ kein IPv6 zu: „ISC-DHCP CentOS ließ sich einfach nicht kompilieren.“

Große und kleine Probleme

Wäherend der Open-Source-Browser Firefox einwandfrei funktionierte wie auch der Web-Server Apache und die Cacti-SNMP-Überwachung, versagte die Internet-Explorer-Version 6 und das Firefox-Plug-in „Foxy-Proxy“ sowie DHCP Ipv6/IPAM von Infoblox.

Enttäuscht war Kurfürst auch von der Firewall. Denn „Teredo“, ein Protokoll für den Zugriff auf das IPv6-Netzwerk hinter einem NAT-Gerät, erlaubt unkontrollierten IPv6-Traffic vom Internet ins Intranet. Dieses und ähnliche Probleme bestätigten viele Kongress-Teilnehmer. Denn die IPv6-Pakete werden mit Hilfe des Teredo-Servers per UDP über IPv4 gekapselt.

Derzeit wird empfohlen, bis zur Verfügbarkeit besserer Firewalls den durch Teredo benutzten UDP-Port 3544 zu sperren. Denn: „Teredo lässt sich in der Registry ausschalten, jedoch nicht deinstallieren“, so Kurfürst.

Alle, die in IPv6-Projekten stecken klagen darüber, dass viele der notwendigen Funktionen wenn überhaupt nur als Software zur Verfügung stehen. Damit aber laufen Ipv6-Implementierungen langsamer als IPv4-Installationen.

Das Team von Johannes Spanier, das ein Test-Center von Vodaphone/D2 GmbH für IPv6 HSDPA-Netze ausstattet, baute zwischenzeitlich einen eigenen WLAN-Router und beklagte sich, dass einzig Handys von Nokia und Windows-Mobile-Versionen ab 6.1 IPv6 unterstützen. Völlig fehlten Clients wie USB-Sticks sowie CardBus- und Express-Card-Systeme.

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