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Ursachen für den Migrationsunwillen

Da kein unmittelbarerer Nutzen erkennbar sei, schöben die Unternehmen und Provider die IPv6-Migration vor sich her. „Vor einem ähnlichen Problem stand die IT-Welt schon einmal, so Meinel, „als die Migration von ASCII zu Unicode anstand.“ Unicode erlaubt im Gegensatz zum ASCII-Format die Darstellung von jedwedem sinntragendem Schriftzeichen, weil die Anzahl der möglichen Codepositionen erhöht wurde. Seit Version 2.0 stehen 17 Bereiche zu je 65.536 Zeichen zur Verfügung.
Es bleibe jedoch Tatsache, dass sich in Asien und zunehmend auch in den USA, IPv6-Adressen für jegliche Internetdienste und Endgeräte durchsetzten. Wollten deutsche Firmen den Anschluss an den Weltmarkt nicht verlieren, müsse auch hierzulande migriert werden.
Dafür sei nicht einmal ein harter Switch notwendig, sondern ein langsamer Umstieg im Rahmen von normalen Modernisierungsarbeiten möglich. Die Betriebssysteme sowie viele Netzwerkkomponenten unterstützten längst IPv6.
Wege zur Ipv4-Ipv6-Koexistenz
Zudem könnten sich die Unternehmen auf eine lange Koexistenz einstellen, für die es verschiedene Übergangstechniken gebe. Generell unterscheidet Meinel drei Möglichkeiten IPv4 und IPv6 gleichzeitig zu nutzen: Dual Stack, Tunneling und Translation (siehe: Bildergalerie).
- Von Dual Stack ist die Rede, wenn derselbe Rechner eine Koexistenz von IPv4 und IPv6 erlaubt (siehe Bildergalerie: Abbildung 1).
- Tunnelling ist im Prinzip ein Kapseln der Pakete, jetzt von IPv6-Datenverkehr durch IPv4-Netzwerke, später von IPv4-Datenverkehr durch IPv6-Netzwerke. Dieses Verfahren wird notwendig, wenn alle Knoten zwischen den Endpunkten keinen Dual Stack besitzen. (siehe Bildergalerie: Abbildung 2)
- Wenn jedoch IPv6-only-Netze mit IPv4-only-Netzen kommunizieren sollen, ist eine Übersetzung notwendig – von IPv6-Datagrammen in IPv4-Datagramme (siehe Bildergalerie: Abbildung 3)
Der Aufwand und die Hürden werden überschätzt
Generell gilt jedoch der Leitsatz: „Dual-stack where you can; tunnel where you must.“ Noch besser sei jedoch die Umstellung auf ein IPv6-only-Netz. Denn erstens ei alles andere lediglich eine Hilfskonstruktion und mit entspechenden Einschränkungen behaftet und zweitens sei das Einrichten und der Betrieb heute uneingeschränkt möglich. Drittens werde der Aufwand zumeist überschätzt. „Das Umstellen unserer eigenen HPI-Site hat gerade einmal einen halben Nachmittag gedauert“, so der Professor.
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