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Open NMS hat Anfangserwartungen nicht erfüllt Ein Open-Source-Vorteil fehlt

Autor / Redakteur: Annette Stadler / Ulrike Ostler

Die Open Source Software (OSS) „Open NMS“ kämpft wie die großen kommerziellen Netzwerk-Management-Lösungen mit Problemen der Komplexität. Obwohl das Tool eine moderne Java-basierende Architektur besitzt, erfährt das länger existente OSS-Projekt „Nagios“ breitere Unterstützung.

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Das Enterprise-Management-System Open NMS ist ein umfangreiches Open-Source-Werkzeug, um Serverdienste im Netzwerk zu überwachen und mögliche Fehler vorab zu erkennen. Der Fokus liegt dabei auf Diensten wie Mail-, Web-, File-, Datenbank- und SAP-Services und Komponenten wie Router, Switches und Netzwerkdrucker.

So deckt Open NMS alle zentralen Funktionen eines Netzwerk-Management-Systems ab. Es erreicht in diesem Umfeld die Fähigkeiten kommerzieller Lösungen, wie die auf das reine Netzwerk-Management bezogenen Komponenten von, „CA Unicenter“ und „IBM Tivoli“ und „Openview“ von Hewlett-Packard.

Im Fokus

Drei Aufgabenbereiche stehen bei der Überwachung der Serverdienste und Komponenten im Vordergrund. Die Lösung ermittelt durch Serviceabfragen, ob Dienste verfügbar sind und erstellt Berichte. Sie sammelt, speichert und berichtet über Daten, die Netzwerkinformationen beinhalten und generiert Schwellenwerte. Ferner registriert sie interne und externe Ereignisse und benutzt diese für ein Benachrichtigungssystem.

Bezogen auf die Eigenschaften ist Open NMS mit dem Open-Source-Management-System Nagios vergleichbar. Obwohl Open NMS eine modernere Architektur besitzt und Java-basierend ist, greifen die Anwender aber lieber auf das leichter einzusetzende Nagios zurück. „Die Community ist hier weitaus größer und aktiver, so dass viel mehr Tools und Möglichkeiten zur Verfügung stehen“, berichtet Jochen Wöhrle, Systemarchitekt des Dienstleistungsunternehmens IT-Informatik in Ulm. „Open NMS war gerade in seiner Anfangszeit ein viel versprechendes Tool, jedoch hat es die in sich gesetzten Erwartungen nicht erfüllt“, ergänzt Wöhrle.

Besonders gefallen hat Wöhrle und seinen Kollegen das automatische Scannen der Netzwerkvorgänge auf SNMP-Basis, sobald es installiert ist. Dagegen muss man Nagios erst einmal beibringen, was es im Netzwerk machen soll. Aufgrund der SNMP-Fähigkeit (Simple Network Management Protocol) ist auch keine Client-Software notwendig.

Einschränkungen

Trotzdem ist Open NMS unter dem Strich im Vergleich zu Nagios viel komplexer und aufwändiger. Neben Java benötigen die Anwender zusätzliche Software wie „RRDtool“. RRD steht für Round Robin Database; RRD ist ein Werkzeug, mit dem sich zeitbezogene Messdaten wie Temperatur, Festplattenauslastung, Netzwerkverkehr auf kompakte Art und Weise in einer Datenbank speichern und visualisieren lassen.

In diesem Fall dient das OSS-Werkzeug zum Speichern der Open-NMS-Daten. Als relationale OSS-Datenbank für die Informationen über Netzwerkgeräte und Events, Benachrichtigungen und Ausfälle bietet sich „PostgreSQL“ ab Version 7.2 an.

Einsatzmöglichkeiten

Die hohe Komplexität begründet sich möglicherweise mit dem Ziel, Open NMS auch in sehr großen Netzwerken einsetzen zu können und mit den großen kommerziellen Netzwerk-Management-Tools mithalten zu wollen. Damit es für den Zweck der meisten potenziellen Open-Source-Anwender im mittelständischen Bereich mit bis zu 50 Servern aber überdimensioniert.

Großes Manko von Open NMS sind zudem die fehlenden Visualisierungsmöglichkeiten. Es ist weder die aktuelle Infrastruktur darstellbar, noch lassen sich Ergebnisse oder Bedienelemente grafisch aufzeigen. Zwar ist in der Roadmap mit der Version 2.0 die Unterstützung von Windows angekündigt, doch auf diese warten die Anwender bereits über ein Jahr.

Ergänzungen

Wer Open NMS bereits im Einsatz hat, kann fehlende Funktionen mit Tools aus dem Nagios-Fundus ergänzen. So ist es mit der aktuellen Version 1.2.8 möglich, Open NMS als zentrales Monitoring-Werkzeug zu nutzen und Nagios-Plugins zur Überwachung spezieller Tools zu verwenden, für die Open NMS keine Unterstützung bietet.

An der Weiterentwicklung und Version 2.0 von Open NMS arbeiten laut dem Dienstleistungsunternehmen The OpenNMS Group weltweit mehr als 20 maßgebliche Programmierer. Die Entwicklungsschwerpunkte liegen im Bereich einer serviceorientierten Architektur, die Middleware-Techniken wie Service Mix/Active MQ, OSS/J and JBoss Messaging nutzen kann.

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