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Prognose von Colt CIO-Prioritäten 2026: KI-Inferenz, NaaS 2.0 und Quantensicherung

Von Bernhard Lück 5 min Lesedauer

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Colt Technology Services sieht 2026 KI-Inferenz, eine weiterentwickelte NaaS-Generation und quantenbasierte Sicherheitsverfahren als zentrale Themen für CIOs. Das Unternehmen stützt sich dabei nach eigenen Angaben auf Kundeninformationen, Marktanalysen sowie eigene Umfragen.

Colt skizziert technologische Schwerpunkte, die die Agenda von CIOs im Jahr 2026 bestimmen werden.(Bild:  © Koushik – stock.adobe.com / KI-generiert)
Colt skizziert technologische Schwerpunkte, die die Agenda von CIOs im Jahr 2026 bestimmen werden.
(Bild: © Koushik – stock.adobe.com / KI-generiert)

„CIOs werden auch 2026 vor großen Herausforderungen stehen, wenn sie umfangreiche Transformationsprogramme – häufig KI-zentriert – mit Programmen zur Kostenreduzierung in einem sich stetig wandelnden regulatorischen Umfeld in Balance bringen müssen“, sagt Buddy Bayer, Chief Operating Officer, Colt Technology Services. „Gleichzeitig ergeben sich enorme Chancen: KI-Programme erreichen ein neues Reifestadium, digitale Infrastruktur verfügt über größere Kapazitäten denn je, und Lösungen wie NaaS entwickeln sich weiter und verändern digitale Erlebnisse grundlegend.“

Der Einschätzung von Colt zufolge werden die folgenden Technologietrends die IT-Planung im Jahr 2026 prägen:

Neue Wege zur Generierung von ROI aus KI

Unternehmen investieren weiterhin stark in KI, doch der Return on Investment (ROI), die Wertschöpfung und die Monetarisierung bleiben bislang schwer greifbar. Recherchen von Colt zeigen: Jedes fünfte Unternehmen weltweit gibt jährlich 750.000 US-Dollar für KI aus, während laut einer aktuellen MIT-Studie 95 Prozent der Befragten keinen ROI sehen. Diese Diskrepanz zwischen Ausgaben und messbaren Ergebnissen wird sich 2026 verringern, da KI-Projekte weiter reifen, Werte generieren und Unternehmen neue Wege finden, mit KI eine Wertschöpfung zu realisieren. Zudem werden mehr Anbieter Reifegradanalysen und strukturierte ROI-Modelle integrieren, um für Unternehmen Transparenz über den Wert ihrer KI-Tools zu schaffen.

KI-Inferenz und Agenten-KI

2026 erreicht KI-Inferenz ein neues Reifestadium: Unternehmen werden Inferenzmodelle verstärkt in ihre IT-Umgebungen integrieren, um Erkenntnisse zu gewinnen, Prognosen zu treffen und intelligente, kontextbezogene Entscheidungen in Echtzeit zu ermöglichen. McKinsey erwartet, dass KI-Inferenz bis 2030 die Mehrheit der KI-Workloads ausmachen wird. Die Entwicklung bleibt nicht auf Unternehmen beschränkt: Laut IEEE-Studien wird „Agenten-KI“, angetrieben durch Inferenz, alltägliche Aufgaben von Privatanwendern automatisieren – vom Privatsphäre-Management bis hin zu Gesundheitsdiensten oder der Organisation des Haushalts.

AI Wide Area Networking (AI WAN)

In vielen Gesprächen mit Kunden geht es um die Fähigkeit von digitaler Infrastruktur, die KI-Workloads hinsichtlich Performance, Latenz und Sicherheit zu optimieren. AI WAN führt diese Diskussion weiter: Softwaregesteuerte WAN-Architekturen, die speziell für KI-Anwendungen entwickelt wurden, steuern KI-Datenströme dynamisch, um Performance bei Lastspitzen zu gewährleisten, und sorgen für Sicherheit auf Anwendungsebene.

Veränderungen im Datenverkehr

KI-Workloads über transatlantische Leitungen werden 2026 weiter zunehmen. Der Anteil wird Prognosen zufolge von acht Prozent der Gesamtkapazität im Jahr 2025 auf 30 Prozent bis 2035 steigen. Damit wächst der Druck auf globale Netzwerkinfrastrukturen. Testläufe innovativer Technologie und globale Partnerschaften treiben die Entwicklung voran, um die Leistung zu steigern, ohne den Energieverbrauch oder die CO₂-Emissionen zu erhöhen.

Souveräne KI

Mit steigenden Investitionen in KI und neuen regulatorischen Anforderungen zur KI-Governance wächst die Bedeutung souveräner KI-Modelle. Staaten und Organisationen werden zunehmend eigene KI-Systeme auf Basis eigener Daten, Infrastruktur, Ressourcen und Governance-Modelle entwickeln. Souveräne KI wird höher auf der CIO-Agenda stehen, da Länder die Kontrolle über Technologie, den Schutz von Daten und Resilienz sicherstellen wollen.

NaaS 2.0

Der NaaS-Markt wächst weiter, getrieben durch Faktoren wie KI, Edge Computing, Cloud-Adoption und den Wunsch der Unternehmen nach mehr Flexibilität in dynamischen globalen Märkten. Laut einer Umfrage von Colt erhöhen 58 Prozent der 1.500 befragten CIOs ihre Nutzung von NaaS-Funktionen aufgrund steigender KI-Anforderungen. Ab 2026 wird NaaS eine neue Evolutionsphase erreichen, um die Bedürfnisse des KI-Zeitalters zu decken und über die klassische Funktion hinauszuwachsen, digitale Erlebnisse zu unterstützen. Die nächste Generation NaaS 2.0 wird intelligent, automatisiert und ergebnisorientiert sein. Sie bietet Echtzeitperformance, hohe Anpassungsfähigkeit und autonome Fähigkeiten für KI-getriebene Unternehmen.

Steigende Investitionen in Quantensicherung im Vorfeld des „Q Day“

CIOs stehen unter Druck, Daten und Infrastruktur vor neuen Risiken zu schützen. Mit wachsendem Verständnis seitens Regierungen und Unternehmen für die Potenziale und Bedrohungen des Quantencomputings steigt das Interesse an quantenbasierter Sicherheit. Laut dem Bericht „2026 Technology and Security Predictions“ von Forrester werden Unternehmen in diesem Jahr mehr als fünf Prozent ihres gesamten IT-Budgets für Quantensicherheit ausgeben. „The Quantum Insider“ schätzt zudem, dass der Markt bis 2030 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate – CAGR) von über 50 Prozent wächst und ein Volumen von zehn Mrd. US-Dollar erreicht. Da klassische Verschlüsselungsmethoden durch Quantentechnologie entschlüsselt werden könnten – der Zeitpunkt wird als „Q Day“ bezeichnet und derzeit für 2030 prognostiziert – gewinnen Technologien wie Post-Quantum Cryptography (PQC) und Quantum Key Distribution (QKD) stark an Bedeutung. Das Jahr 2026 wird Innovationen, Tests und Fortschritte in der quantensicheren Datenübertragung bringen.

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LEO-Satelliten und Quantentechnologie

2026 wird ein Schlüsseljahr für Low-Earth-Orbit-Satelliten (LEO). Neue Satelliten und Dienste werden gestartet. Sie werden ein wichtiger Teil der globalen Telekommunikationsinfrastruktur, denn sie bringen Konnektivität in abgelegenen Regionen und stärken als Backuplösung für die Infrastruktur die Resilienz von Unternehmen. Colt plant Tests für QKD-Übertragung über LEO-Satelliten, um verschlüsselte symmetrische Schlüssel sicher auszutauschen und die Reichweitenbeschränkungen terrestrischer Verbindungen zu überwinden. Gemeinsam mit Partnern wird Colt weltraumbasierte und unterwassergestützte Technologien erproben, um Quantensicherung in globalen Netzwerken umzusetzen.

Multi-Cloud-, Hybrid- und Edge-Ökosysteme

2026 werden Multi-Cloud-Modelle zum Standard. Unternehmen benötigen flexible, resiliente Infrastrukturen und wollen sich nicht länger an einen einzigen Anbieter binden. APIs und sichere Interconnects zwischen Hyperscalern werden zunehmend harmonisiert, wettbewerbsfähig bepreist und über Aggregatoren bereitgestellt.

Edge Computing wird 2026 und darüber hinaus weiter wachsen, getrieben durch KI-Inferenz, Echtzeitanalysen und Anforderungen an Datensouveränität. Cloud-Anbieter der nächsten Generation konzentrieren sich auf den Einsatz von Infrastruktur an der Edge, um die Daten dort zu verarbeiten, wo sie generiert werden. Hyperscaler fokussieren Skalierbarkeit und Rechenleistung in zentralisierten Umgebungen. Beide Strategien sind notwendig und ergänzen sich: Edge Computing erfordert eine weit verteilte lokale Infrastruktur die zentralisierte Cloud-Instanzen ergänzt und für komplexe Rechenleistung und Speicherung genutzt wird. Da der Bedarf an Edge Computing 2026 und darüber hinaus wächst – Prognosen schätzen eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 33 Prozent – ist zu erwarten, dass der Bedarf an verteilten Architekturen in neuen geographischen Gebieten zunimmt.

Strengere regulatorische Rahmenbedingungen

2026 treten zahlreiche Berichtspflichten, Regularien und Leitlinien mit Auswirkungen für CIOs in Kraft, insbesondere im Bereich KI und Cybersecurity. Wichtige Eckpunkte:

  • EU AI Act: Der Großteil der Pflichten tritt ab 2. August 2026 in Kraft – Anforderungen für KI-Hochrisikosysteme werden möglicherweise verschoben.
  • EU Cyber Resilience Act: Berichtspflichten werden ab September 2026 erwartet.
  • EU Data Act: Fortlaufende neue Anforderungen ab September 2026.
  • ISO/IEC 42001:2023: globaler Standard für KI-Governance – für den Digital Services Act und den Digital Marktets Act müssen CIOs und CAIOs KI-Governance in Unternehmensarchitekturen und Beschaffungsentscheidungen integrieren und Auswirkungen auf den Betrieb offenlegen.
  • Großbritannien: Cyber Security and Resilience Bill.
  • Asien: Japans AI Promotion Act; Umsetzung von Singapurs nationaler KI-Strategie NAIS 2.0.

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