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Die (R)Evolution der Rechenzentren; Teil 1

Wird jedes Rechenzentrum bald zur Private Cloud?

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Die gute Nachricht

Ein Unternehmen oder eine Behörde kann viele der Vorzüge, die immer wieder mit dem Begriff des Cloud Computings verbunden sind, auch durch konsequente Weiterentwicklung der DV-Infrastruktur erreichen, ohne sich auf Cloud Computing im engen Sinne einzulassen oder eine Private Cloud zu bilden (was vielfach gar nicht möglich sein wird), und zwar:

  • Elastizität durch die Eigenschaften der Virtuellen Infrastruktur
  • Skalierbarkeit, wenn die passenden Infrastrukturen geschaffen werden
  • Ausfallsicherheit (und zwar mit selbst kontrollierten Methoden)
  • Vollständige Abdeckung von Software as a Service (SaaS)
  • Einstieg in Web-Architekturen

Die Server-Virtualisierung haben wir in den letzten Jahren sorgfältig behandelt und werden dies auch besonders unter dem Gesichtspunkt der gesteigerten Realzeitfähigkeit und der Lösung von Sicherheitsproblemen weiterhin tun. Das alles verbindende RZ-Netz als Systembus der virtualisierten Umgebung ist ohnehin eines unserer Kernthemen.

Der Speicher wurde bisher aber eher stiefmütterlich behandelt. Das lag auch daran, dass auf diesem Bereich lange Zeit keine wirklich sinnbildenden Verwerfungen stattgefunden haben. Einschlägige Hersteller haben ihre Speichersysteme in Ruhe weiterentwickelt und vor allem dem Verwaltungsaspekt wesentlichen Raum gegeben. Dennoch hat sich die durchschnittliche Leistung eines Speichersystems z.B. bezogen auch die Zugriffsgeschwindigkeit in den letzten 10 Jahren grade einmal verdoppelt, ist also weit hinter der Entwicklung bei Prozessoren geblieben. Die Anforderungen des Speichersystems an das Netz konnten jederzeit durch die allgemeine Entwicklung der Netze abgefangen werden.

Eine vollkommen neue Situation

Diese Situation hat sich in den letzten Monaten dramatisch verändert. Physikalisch gesehen gibt es eine neue, ernst zu nehmende Netzklasse ohne bewegliche Teile, die SSDs. Die Lösung verschiedener Probleme der Silicon Storage Devices (auch Solid State Disks), die wir ja schon länger als „Flash“-Speicher kennen, trägt dazu bei, dass jetzt auch große SSD-Systeme wirtschaftlich gebaut und eingesetzt werden können. Alle führenden Hersteller beherrschen diese Technik mittlerweile und betten sie geeignet ein.

Dadurch entstehen aber auch neue, nie geahnte Probleme für das Netz. Die geeignete Anbindung von SSD-Batterien setzt ein Netz voraus, welches nicht nur breite Wege bietet, sondern auch eine sehr geringe Latenz. Ohne ein geeignetes Netz sind die Investitionen in die SSDs verloren, weil ihre Vorzüge nicht ausgeschöpft werden können. Alle führenden Hersteller von Netzwerkkomponenten haben darauf reagiert und bieten Komponenten an, die letztlich zu Netzstrukturen führen, die sich erheblich von dem unterscheiden, was wir bisher machen.

FC, FCoE, iSCSI & Co.

In diesem Bereich kann man viele Diskussionen führen, wie z.B. die, ob FC weiterentwickelt, mit FCoE integriert oder ganz verschwinden soll. Die Verbindung zwischen iSCSI und InfiniBand bzw. CEE bietet auch erhebliche Möglichkeiten. Oder die, wie jetzt nun die neuen Netze strukturiert werden sollen. Und schließlich, wie man das Ganze steuern, verwalten und bequem und sicher nutzen kann.

Letztlich sind diese Detailfragen aber nicht wirklich zielführend. Es geht sozusagen um „das Ganze“. Zurzeit arbeiten die Hersteller heftig an einer Positionierung, die ihnen auf dem Weg der nahtlosen Integration von Komponenten und Komponentenruppen erlaubt, statt Einzelteilen Gesamtlösungen anzubieten.

Die Strategie von Oracle, Software und passende Hardware als integriertes Paket anzubieten, hat hier Bewegung in den Markt gebracht. Zu einer Gesamtlösung fehlen ihnen aber Netz- und Sicherheitslösungen. IBM hat Netazza gekauft, um dem erschütternden Markterfolg von Oracles Exadata entgegenzuwirken, und sich durch BNT um die Netzwerkdimension ergänzt. HP hat eigentlich überall Produkte, aber eine sehr zurückhaltende Gesamtstrategie. Da musste ein neuer CEO her, um das zu richten.

Cisco, EMC und VMware bilden zusammen ebenfalls einen interessanten Block. In den nächsten Monaten werden wir noch einige Übernahmen sehen. In spätestens 12 Monaten wird nichts mehr so sein, wie es bis heute war.

Die Transformation des klassischen RZ zu einer Infrastruktur mit den Qualitäten einer Private Cloud ist nicht nur eine Frage der geschickten Provisionierung von Leistungen für die Benutzer oder ein organisatorisches Problem, es steckt auch eine Menge Technik dahinter.

Neben der Server-Virtualisierung ist auch die Speichertechnologie im Umbruch von drehenden Platten zu dreidimensionalen SSDs. Enterprise Content Management ist eine übergreifende Anforderung, die letztlich zu Virtualisierung und Automatisierung der Zuordnung unterschiedlicher Speicherklassen führt.

Server- und Speichervirtualisierung führen letztlich dazu, dass das Netzwerk wirklich zum Systembus der virtualisierten Umgebung wird. Das hat schwerwiegende Implikationen, weil es neben purer Leistung auch den Charakter eines Systembusses haben muss, vor allem hinsichtlich der Latenz.

Die neue Reihe „(R)Evolution der Rechenzentren“ behandelt ausführlich die wesentlichen Einflussfaktoren von der Server-Virtualisierung bis zur Entwicklung der Web-Technologien, die Basis-Technologien 10, 40 und 100 GbE, die Konvergenztechniken CEE, DCE, DCB und die Techniken zur Speicheranbindung wie iSCSI, FC und FCoE.

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