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Workshop: Monitoring mit Checkmk – Teil 4 Wie sieht eine gute Strukturierung in Checkmk aus?

Von Mirco Lang 6 min Lesedauer

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Gutes Monitoring fängt mit Planung an – etwa einem Konzept für die Strukturierung der Infrastruktur in Checkmk. Das bringt nicht nur bessere Navigation, sondern deutlich reduzierten Aufwand für die Konfiguration.

In diesem Checkmk-Workshop geht es um die Strukturierung der Infrastruktur in Checkmk.(Bild:  Micro lang - Checkmk)
In diesem Checkmk-Workshop geht es um die Strukturierung der Infrastruktur in Checkmk.
(Bild: Micro lang - Checkmk)

Checkmk spart nicht an Möglichkeiten, überwachte Geräte jeglicher Couleur zu strukturieren. Und dabei geht es nicht nur darum, sich Hosts im Monitoring anzusehen und entsprechend zu filtern. Viel interessanter ist die Struktur, um Hosts vernünftig konfigurieren zu können. Dennoch lässt sich jegliche Struktur natürlich auch später für Ansichten, Berichte oder Dashboards nutzen.

Bei der Konfiguration geht es eher darum, viele in Punkten ähnliche Hosts in einem Rutsch zu adressieren. Wenn beispielsweise 100 Windows-Hosts überwacht und sichergestellt werden sollen, dass auf allen eine aktuelle Antivirus-Software läuft, sollte das mit einer Einstellung möglich sein. Dafür muss Checkmk allerdings wissen, welche Hosts denn nun Windows-Hosts sind. Oder vielleicht sollen alle Hosts, die in der Niederlassung auf Hallig Hooge stehen, über die Weihnachtsfeiertage eine Monitoring-Auszeit bekommen, ganz gleich, um was für Hosts es sich handelt. In beiden Fällen lässt sich das problemlos über den Strukturierungsfunktionen von Checkmk realisieren.

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Nicht ganz so problemlos ist allerdings die vorher anstehende Strukturierung. Zum einen, weil es mehrere unterschiedliche Ansätze dafür gibt. Zum anderen, weil hier ein wenig theoretische Planung erforderlich ist. Dafür muss man zunächst die verfügbaren Tools kennen.

Features zur Strukturierung

Ordner
Die offensichtlichste Strukturfunktion sind natürlich die wohl bekannten Ordner (siehe Abbildung 1). Allerdings haben Ordner in Checkmk deutlich mehr zu bieten als zum Beispiel Windows-Ordner. Ordner können selbst Eigenschaften von Hosts haben, also beispielsweise die Angabe, ob Daten vom Checkmk-Agenten oder einer speziellen API-Integration geliefert werden. Oder ob es sich um IPv4- oder IPv6-Geräte handelt.

Diese Eigenschaften können auf alle Unterordner und enthaltene Hosts vererbt werden.

Vor allem aber können Ordner als Bedingung für beliebige Regeln herhalten. Nehmen wir das Beispiel von oben: Eine Regel zur Überwachung des Antivirendienstes kann mit der Bedingung verknüpft werden, dass sie für alle Hosts im Ordner „Windows“ gilt. Damit würde die Regel für alle Hosts in diesem Ordner greifen.

Ordner funktionieren also als Bedingungen für Regeln, ebenso aber auch als Filter in Monitoring-Ansichten.

Merkmale
Host-Merkmale (Tags) sind etwas komplexer, funktionieren allerdings ebenso als Bedingungen für Regeln und Filter für Ansichten (siehe Abbildung 2).

Host-Merkmale sind in Gruppen organisiert. Eine Merkmalsgruppe „Betriebssysteme“ könnte beispielsweise die Merkmale „Ubuntu 22.04“, „FreeBSD“, „Windows XP“ und „Windows 11“ enthalten. Jedem Host kann nur ein Merkmal aus einer Gruppe zugeordnet werden. Um dennoch mehrere Merkmale als Bedingung oder Filter zu nutzen, gibt es die sogenannten Hilfsmerkmale (Auxiliary Tags). Der Name ist etwas irreführend, weil es übergeordnete Merkmale sind, die wiederum den Merkmalen zugeordnet werden können – und entsprechend eigentlich vor den Merkmalen definiert werden sollten.

Klingt komplizierter als es ist: Ein Hilfsmerkmal könnte „Windows“ lauten und den Merkmalen „Betriebssysteme/Windows XP“ und „Betriebssysteme/Windows 11“ zugeordnet werden. Sollen also mehrere Merkmale als Bedingung/Filter genutzt werden, die logisch zusammenhängen, läuft das über ein solches Hilfsmerkmal.

Beispielsweise könnte das Hilfsmerkmal „Windows“ den Merkmalen „Betriebssysteme/Windows XP“ und „Betriebssysteme/Windows 11“ zugewiesen werden. Sollen alle Windows-Hosts gemeinsam adressiert werden, kann dies über das Hilfsmerkmal erfolgen.

Und um noch eine Schippe draufzusetzen: Merkmale und Hilfsmerkmale bieten jeweils die Option, ein „Topic“ zu setzen. Dieses Thema dient allerdings nur dazu, Merkmale in Filtermasken zu gruppieren, für mehr Übersicht.

Labels
Labels sind das dritte Feature, das als Bedingung für Regeln und Filter für Ansichten genutzt werden kann. (siehe Abbildung 3) Sie ähneln den Merkmalen sehr! Auch hier ist der Aufbau „Schlüssel:Wert“, also zum Beispiel „Betriebssystem:Windows“, was mit diesem Beispiel doppeltgemoppelt aussieht.

Aber es gibt zwei große Unterschiede. Zum einen sind Labels völlig frei nutzbar, man könnte ein und demselben Host die Labels „Betriebssystem:Windows“ und „Betriebssystem:Linux“ zuordnen – weil es im Gegensatz zu Merkmalen kein wohl definiertes Ordnungssystem ist, sondern eher eine Art freier Verschlagwortung.

Zum anderen sind Labels vor allem für die automatische Verwendung gedacht. Das betrifft einerseits ganz normale Hosts, denen automatisch Labels wie etwa „cmk/os_family:Linux“ zugeordnet werden. Andererseits werden damit vor allem Dinge wie automatisch erzeugte Container-Objekte (Nodes, Images etc.) verschlagwortet.

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Eine sinnvolle Struktur

Die interessante Frage ist nun, wie genau Ordner, Merkmale und Label eingesetzt werden. Klar, das ist auch eine Geschmacksfrage. Ein mittelgroßes Monitoring an nur einem Standort mit einer Handvoll Servern und Netzwerkgeräten und ein paar Dutzend Arbeitsplatzrechnern können Labels beliebig zugewiesen werden.

Wenn es größer wird, bietet sich folgender Ansatz an: An erster Stelle könnten Ordner sehr gut die Örtlichkeiten abbilden. Orte sind tendenziell deutlich überschaubarer als etwa technische Dimensionen wie Arten von Betriebssystemen oder Gerätegattungen. Und Übersicht bieten Ordner nur, wenn sich die Anzahl einigermaßen in Grenzen hält.

Ordner sind letztlich eine sehr menschliche Analogie, die auf Computern Einzug gehalten hat, um das gewohnte Gefühl von Aktenschränken und Leitz-Ordnern zu vermitteln. Sie sind zum Stöbern erfunden worden, nicht zum Abstrahieren!

Nach gegebenenfalls mehreren Hierarchiestufen für Orte, etwa „Deutschland/München“, bietet sich weitere technische Einordnung an. Hier könnten zum Beispiel gut nach Arbeitsplatzrechnern, Servern, Netzwerkgeräten, IoT-Geräten und so weiter unterscheiden werden – also wieder mit dem Gedanken, typisches menschliches Stöbern zu unterstützen.

Stöbern ist das eine, Konfiguration das andere. Hier bieten sich diverse Einordnungen über Merkmale an. Merkmale können zum einen sehr gut eingesetzt werden, um Hosts gemeinsam anzusprechen, die sich technische Eigenschaften teilen, etwa das Betriebssystem, Wartungsintervalle, Hardware und dergleichen. Hier könnte es etwa darum gehen, Versionen, Updates oder Temperaturen zu monitoren.

Häufig ist Monitoring aber auch auf Anwendungsebene interessant. Auch hier können Merkmalsgruppen helfen, vor allem, wenn sie nur ein Merkmal beinhalten: In diesem Fall ist das Verhalten minimal anders. Standardmäßig finden sich in Host-Eigenschaften die Merkmalsgruppen mit Merkmalen als Auswahlliste. Hat die Gruppe nur ein einziges Merkmal, wird dieses als Checkbox angeboten – es kann also nur ein Häkchen gesetzet werden. Was bietet sich also an? Eine Merkmalsgruppe mit der Anwendungsart, etwa „E-Mail“, und dem einzigen Merkmal „Ja“.

Freilich können Hosts beliebig viele Merkmale bekommen, schließlich ist es nicht gerade unüblich, dass auf einem Host Web- und Mail-Server laufen.

Und auch das spricht für die Nutzung von Ordnern für Orte und Merkmale für technische Eigenschaften: Hosts befinden sich immer nur an einem Ort und können nur in einem Ordner liegen. Funktionen und technische Merkmale können sie hingegen mehrere haben, was sich eben besser über Merkmale abbilden lässt. Und da sich Merkmale zudem auch als Eigenschaften für Ordner setzen, entsprechend vererben und dann als Bedingungen/Filter für Konfigurationen/Ansichten nutzen lassen, braucht es die Ordner dafür nicht unbedingt. Zum Stöbern aber sind sie nahezu unerlässlich.

Ernsthaft relevant ist das alles aber erst, wenn eine bestimmte Größe erreicht wird oder Wachstum möglich ist. Wenn einfach nur fünf Arbeitsplätze, zwei Server, ein Router, ein Drucker und zehn Webcams an einem Ort gemonitort werde, genügen auch zwei Ordner für „Rechner“ und „Sonstige Geräte“ völlig.

Ein letzter Punkt für die Gedankenspiele: Hosts und Ordner hin und her zu verschieben ist möglich, aber problematisch. Merkmale zu ändern ist hingegen trivial. Und Orte verändern sich wohl deutlich seltener als es die technischen Eigenschaften und Einsatzzwecke von Hosts tun. Noch ein Grund, Ordner für Orte zu nutzen.

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