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Q4 2025 Internet Disruptions Report von Cloudfare Weniger politische Eingriffe, mehr physische Schäden

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

Weltweite Internetausfälle gehen seltener auf staatliche Eingriffe zurück, treffen Nutzer aber weiterhin mit voller Wucht. Der aktuelle Internet Disruptions Report von Cloudflare für das vierte Quartal 2025 zeigt: Kabelbrüche, Stromausfälle, Extremwetter und militärische Angriffe bleiben die größten Risiken für die globale Konnektivität.

Messdaten von Cloudflare zeigen, wie stark Kabelschäden, Stromausfälle und Extremereignisse die Internetverfügbarkeit weiterhin beeinträchtigen.(Bild:  Cloudfare)
Messdaten von Cloudflare zeigen, wie stark Kabelschäden, Stromausfälle und Extremereignisse die Internetverfügbarkeit weiterhin beeinträchtigen.
(Bild: Cloudfare)

Im vierten Quartal 2025 registrierte Cloudflare weltweit nur einen staatlich angeordneten Internet-Shutdown. In Tansania wurde am 29. Oktober während gewalttätiger Proteste im Umfeld der Präsidentschaftswahlen der Internetzugang zeitweise eingeschränkt. In früheren Quartalen hatten mehrere Länder parallel zu diesem Mittel gegriffen. Der Q4 2025 Internet Disruptions Report deutet auf einen deutlichen Rückgang dieser Praxis hin.

Cloudflare bewertet die Entwicklung als bemerkenswert, betont jedoch, dass politische Abschaltungen weiterhin kurzfristig und lokal eingesetzt werden können. Die grundsätzliche Verwundbarkeit des Netzes verschiebt sich damit weniger in Richtung Regulierung, sondern stärker in Richtung physischer Infrastruktur.

Kabelschäden als Dauerproblem

Den größten Anteil an gravierenden Störungen machten erneut beschädigte Glasfaser- und Unterseekabel aus. In mehreren Ländern kam es zu teils massiven Einbrüchen des Internetverkehrs:

In Haiti führten gekappte Glasfaserkabel bei einzelnen Providern zu deutlichen Ausfällen. In Pakistan beeinträchtigte ein Defekt am PEACE-Unterseekabel die internationale Anbindung. Auch Kamerun war betroffen, nachdem Probleme am WACS-Kabelsystem die Konnektivität mehrerer Anbieter gleichzeitig einschränkten. In der Dominikanischen Republik kam es wiederholt zu kabelbedingten Störungen mit Verkehrseinbrüchen von teils mehr als 70 Prozent.

Der Bericht zeigt, wie stark Regionen mit wenigen alternativen Routen oder zentralen Netzknoten von einzelnen Defekten abhängig bleiben.

Wetterextreme treffen Strom- und Datennetze zugleich

Naturkatastrophen wirkten sich im Berichtszeitraum erneut massiv auf die Internetverfügbarkeit aus. Der Zyklon Senyar verursachte in Sri Lanka und Indonesien Überschwemmungen und Erdrutsche, die sowohl Glasfaserstrecken als auch die Stromversorgung beschädigten. In einzelnen Regionen brach der Internetverkehr zeitweise um bis zu 95 Prozent ein.

Auch in der Karibik hinterließen Extremwetterereignisse deutliche Spuren. In Jamaika ließ Hurrikan Melissa den Internetverkehr am 28. Oktober um rund 70 Prozent gegenüber der Vorwoche einbrechen. Cloudflare weist darauf hin, dass sich in solchen Szenarien die enge Kopplung zwischen Energieversorgung und digitaler Infrastruktur besonders deutlich zeigt.

Krieg bleibt ein digitaler Störfaktor

Militärische Angriffe wirkten sich weiterhin direkt auf die Konnektivität aus. Ein russischer Drohnenangriff auf Teile der ukrainischen Energieinfrastruktur am 12. Dezember führte regional zu einem Rückgang des Internetverkehrs von bis zu 57 Prozent.

Die Messdaten unterstreichen, dass selbst gut vernetzte Regionen bei Ausfällen der Stromversorgung schnell von digitalen Diensten abgeschnitten werden.

Stromausfälle und technische Fehler

Nicht alle Störungen waren auf äußere Einflüsse zurückzuführen. In mehreren Ländern führten großflächige Stromausfälle zu messbaren Einbrüchen des Datenverkehrs, etwa in der Dominikanischen Republik oder in Kenia. Hinzu kamen technische Probleme wie DNS- oder Routing-Fehler bei einzelnen Netzbetreibern, die ebenfalls zu temporären Störungen führten.

Cloudflare betont, dass solche Ereignisse zwar oft kürzer ausfallen als Kabel- oder Stromschäden, aber dennoch erhebliche Auswirkungen auf Nutzer und Dienste haben können.

Cloudflare Radar mit neuer Analysefunktion

Parallel zum Bericht hat Cloudflare seine Analyseplattform Cloudflare Radar erweitert. Eine neue „Cloud Observatory“-Ansicht zeigt die regionale Verfügbarkeit von Diensten über mehrere Hyperscaler hinweg, darunter AWS, Microsoft Azure, Google Cloud und Oracle Cloud Infrastructure. Die Funktion soll helfen, Cloud-Ausfälle und Performance-Unterschiede transparenter zu analysieren und miteinander zu vergleichen.

Ausblick

Kurzfristig spricht vieles für weniger „Total Blackouts“, aber mehr Targeting (Mobile-Blackouts, Drosselung, Plattform-Blocks). Das ist politisch leichter zu verkaufen und in Messdaten teils schwerer eindeutig zu trennen, weshalb Bias-Debatten (APNIC) und Multi-Source-Attribution (NetBlocks) wichtiger werden.

Technisch bleibt Resilienz eine Kostenfrage: mehr Redundanz (Routen, Backhaul), mehr lokales Peering, bessere Notstrom-Strategien.

Parallel wächst der Bedarf an Observability: Cloudflare hat in Radar den „Cloud Observatory“ gestartet, die regionale Verfügbarkeit und Performance über Hyperscaler-Clouds hinweg abbildet (AWS, Azure, Google Cloud, Oracle) – relevant, weil Cloud-Region-Ausfälle in der Praxis oft als „Internet kaputt“ wahrgenommen werden.

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