Architekturansatz ComposabilityWarum modulare IT-Strukturen zur Chefsache werden
Ein Gastbeitrag von
Jeffrey Wong
4 min Lesedauer
Starre IT-Strukturen bremsen Unternehmen aus. Composability steht für einen Architekturansatz, der Systeme modular, austauschbar und zukunftsfähig macht. Damit wird sie vom technischen Konzept zur geschäftlichen Notwendigkeit – vorausgesetzt, die Organisation zieht mit.
Composability macht IT-Systeme flexibel und skalierbar. Wie modulare Architekturen und APIs Unternehmen zukunftsfähig machen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Viele Unternehmen stehen aktuell vor der Aufgabe, ihre IT-Strukturen an neue wirtschaftliche und technologische Bedingungen anzupassen. Klassische, monolithische Systeme stoßen dabei an ihre Grenzen: Sie lassen sich nicht nur schwer erweitern, reagieren träge auf Veränderungen und verkomplizieren den Zugang zu wichtigen Daten. Wer weiterhin auf geschlossene Lösungen mit starren Schnittstellen setzt, verliert sowohl technisch als auch organisatorisch an Flexibilität. Um digitale Souveränität zu garantieren, brauchen Unternehmen keine Komplettlösungen – sie brauchen modulare und austauschbare Komponenten. Composability bietet dafür das passende Modell.
Composability als strategischer Ansatz
Composability bedeutet, IT-Systeme aus modularen, kompatiblen Bausteinen zusammenzustellen, die sich je nach Bedarf austauschen und verändern lassen. Dahinter steckt die Erkenntnis: Technologien entwickeln sich weiter, Kundenbedürfnisse ändern sich, neue regulatorische Vorgaben kommen hinzu – und Unternehmen müssen entsprechend nachziehen. Anwendungen, Datenquellen und Services brauchen deshalb standardisierte Schnittstellen und eine Architektur, die Flexibilität ermöglicht.
Neu ist das Prinzip nicht, aber es gewinnt aktuell massiv an strategischer Bedeutung. Unternehmen stehen unter Druck, neue Technologien so schnell wie möglich einzubinden: KI-Modelle, Analyseplattformen oder spezialisierte Tools entwickeln sich in rasantem Tempo. Wer hier nicht mitkommt, verliert Zeit am Markt. Nur mit einer modularen Architektur lassen sich neue Komponenten nahtlos integrieren, ohne langwierige Projekte oder hohe Reibungsverluste.
Wichtig ist: Composability darf nicht auf technischer Ebene stehenbleiben. Das Konzept muss in der gesamten Organisation verankert werden – in Prozessen, Arbeitsweisen und nicht zuletzt im Denken. Vor allem auf Management-Ebene. Erst dann entsteht die notwendige Agilität, um Veränderungen gezielt und schnell umzusetzen.
APIs als Rückgrat moderner IT-Architekturen
APIs spielen in einer modularen Architektur eine zentrale Rolle. Sie sind nicht nur die technische Verbindung zwischen Systemen, sondern bilden auch die Grundlage für einen flexiblen Aufbau. Unternehmen sollten APIs als strategische Komponenten behandeln: Sie müssen gut dokumentiert, abgesichert und idealerweise mit einer logischen Abstraktionsschicht wiederverwendbar sein.
Ein Beispiel: Cloud-Speicherdienste gibt es viele. Wer jedoch einen abstrahierten API-Layer mit klar definierten Funktionen nutzt, kann den zugrunde liegenden Anbieter vergleichsweise schnell austauschen – mit minimalen Auswirkungen auf den Betrieb. Gründe dafür können Kostenvorteile durch Konsolidierung sein, aber auch neue Datenschutz- oder Compliance-Anforderungen.
APIs schaffen zudem die Grundlage für mehr Eigenständigkeit in den Fachbereichen. Marketing-Teams etwa können über standardisierte Schnittstellen direkt auf Kundenprofile, CRM-Daten oder Transaktionsinformationen zugreifen – ohne jedes Mal die IT einbinden zu müssen. So lassen sich Kampagnen schneller planen und umsetzen. Voraussetzung ist ein durchgeplantes API-Design, das sowohl Sicherheit als auch Transparenz gewährleistet. Dazu gehören unter anderem API-Gateways, Authentifizierungsverfahren und zentrale Monitoring-Funktionen.
Composability braucht Kulturwandel
Unternehmen können Composability technisch mit iPaaS-Plattformen, API-Management-Tools und Microservices umsetzen. Die eigentliche Herausforderung liegt allerdings in der organisatorischen Umsetzung selbst. In vielen Betrieben arbeiten IT und Fachbereiche immer noch getrennt: IT-Abteilungen übernehmen die Rolle des Gatekeepers, während Fachabteilungen auf Unterstützung angewiesen sind – oft mit viel zu langen Abstimmungsprozessen.
Composability bricht diese Strukturen auf. Damit das gelingt, muss das Unternehmen mehr als nur Technologie einführen: Es muss auch die Zusammenarbeit neu denken. Drei Punkte sind dabei zentral:
Fachbereiche befähigen: Schulungen und geeignete Werkzeuge befähigen Fachabteilungen, digitale Prozesse eigenständig zu gestalten und umzusetzen.
API-Governance etablieren: Klare Regeln für Entwicklung, Nutzung und Wartung von Schnittstellen schaffen Struktur und verhindern Wildwuchs.
Technologieoffenheit fördern: Unternehmen sollten bewusst auf standardisierte, interoperable Lösungen setzen, statt sich an proprietäre Systeme zu binden.
Nur wenn Fachbereiche, IT und Management gemeinsam Verantwortung übernehmen, kann Composability ihr volles Potenzial entfalten.
Mehr Agilität – ohne Kontrollverlust
Viele Unternehmen befürchten, dass gesteigerte Flexibilität zu unklaren Strukturen und eventuell sogar zu Kontrollverlust führt. Doch wer Composability gezielt umsetzt, schafft genau das Gegenteil: mehr Übersicht, bessere Steuerbarkeit und höhere Zukunftssicherheit. Durch die Entkopplung einzelner Systeme lassen sich Abhängigkeiten reduzieren, redundante Prozesse vermeiden und Datenflüsse klarer nachvollziehen.
Stand: 08.12.2025
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Entscheidend ist, Schnittstellen, Abläufe und Zuständigkeiten zu standardisieren. So entsteht eine IT-Landschaft, die sich nicht nur flexibel anpassen, sondern auch zuverlässig betreiben und weiterentwickeln lässt – unabhängig davon, ob sie in der Cloud, hybrid oder on-Premises läuft. Auch neue Anforderungen, etwa durch den Einsatz von KI oder veränderte Compliance-Vorgaben, lassen sich so strukturiert und ohne größere Umwege integrieren.
Composability gehört inzwischen zum strategischen Fundament moderner IT. Sie ermöglicht es Unternehmen, schneller auf neue Anforderungen zu antworten, Abhängigkeiten zu reduzieren und Systeme gezielt weiterzuentwickeln. Wer APIs konsequent als zentrale Ressource nutzt, Silostrukturen aufbricht und Verantwortung zwischen IT und Fachbereichen neu verteilt, schafft die Grundlage für handlungsfähige und anpassbare IT-Strukturen. So können Unternehmen auch auf technologische Veränderungen, neue gesetzliche Vorgaben oder geänderte Marktbedingungen vorbereitet reagieren – verlässlich, strukturiert und mit klaren Zuständigkeiten.
Jeffrey Wong
(Bild: Snaplogic)
Über den Autor
Jeffrey Wong ist Director of Technical Product Marketing bei SnapLogic. Er unterstützt Unternehmen bei der Integration von Daten, Anwendungen und Workflows. Sein Schwerpunkt liegt auf API-Management, Datenintegration und dem Einsatz von KI-Agenten.