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Recycling statt nutzloser Elektroschrott Telekom baut DSL-Router aus alten Smartphone-Bauteilen

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Die Deutsche Telekom hat einen DSL-Router vorgestellt, der aus wiederverwendeten Smartphone-Komponenten besteht. Mit einem Zirkularitätsgrad von 70 Prozent soll der Prototyp Ressourcen schonen und CO₂-Emissionen senken. Das Projekt ist Teil einer Strategie zur Förderung der Kreislaufwirtschaft in der ICT-Branche und zeigt, wie sich ausgemusterte Elektronik sinnvoll weiterverwerten lässt.

Als Konzern hat sich die Deutsche Telekom auf die Fahne geschrieben, bis 2030 bei Technologien und Endgeräten nahezu vollständig kreislauffähig zu sein.(Bild:  KI-generiert)
Als Konzern hat sich die Deutsche Telekom auf die Fahne geschrieben, bis 2030 bei Technologien und Endgeräten nahezu vollständig kreislauffähig zu sein.
(Bild: KI-generiert)

Viele Geräte werden oft nur wenige Jahre genutzt, bevor sie ersetzt werden. Smartphones zum Beispiel haben eine durchschnittliche Lebensdauer von 2,5 bis 3 Jahren. Allein im Jahr 2022 wurden rund 5,3 Milliarden Mobiltelefone zu Elektroschrott verarbeitet, heißt es von der Deutschen Telekom – viele davon mit noch funktionsfähigen Elektrokomponenten. 

Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat die Deutsche Telekom gemeinsam mit Partnern einen Router entwickelt, der größtenteils aus wiederverwendeten Smartphone-Bauteilen besteht. Der Prototyp NeoCircuit Router erreicht laut Unternehmen eine Zirkularität von etwa 70 Prozent. Damit wäre ein Großteil der verwendeten Materialien recycelbar oder wiederverwertbar, wodurch sich der Bedarf an neuen Ressourcen erheblich reduzieren ließe: Die Hauptplatine, der Prozessor und die Speicherchips stammen aus alten Mobilgeräten, werden aufbereitet und in den neuen Router integriert. Dadurch wird nicht nur Elektroschrott vermieden, sondern auch der CO₂-Ausstoß, der durch die Neuproduktion solcher Bauteile entsteht, deutlich gesenkt.

Dieses Vorgehen hat mehrere Vorteile: Zum einen reduziert es die Umweltbelastung durch Elektroschrott, indem ausgediente Smartphones eine zweite Nutzung erhalten, anstatt auf Deponien oder in der Müllverbrennung zu landen. Damit werden potenziell schädliche Substanzen, wie Schwermetalle oder Kunststoffe, nicht unnötig freigesetzt. Zum anderen verringert es den Bedarf an neuen Rohstoffen wie seltenen Erden, die für die Halbleiterproduktion essenziell sind und oft unter umweltschädlichen sowie sozial problematischen Bedingungen abgebaut werden. Eine ressourcenschonendere Wiederverwertung solcher Bauteile trägt somit nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern reduziert auch die Abhängigkeit von geopolitisch sensiblen Lieferketten.

Besonders der CO₂-Fußabdruck der Geräteproduktion lässt sich durch solche Wiederverwendungsstrategien signifikant senken - laut Telekom wird vor allem durch die Weiterverwendung der bestehenden Prozessoren der entsprechende CO₂-Fußabdruck und damit die CO₂-Emissionen in der Größenordnung von circa 50 Prozent reduziert. Dies resultiert aus der Einsparung energieintensiver Herstellungsprozesse neuer Halbleiter und Leiterplatten sowie der geringeren Nachfrage nach Rohstoffen, deren Abbau und Verarbeitung erhebliche Mengen an Emissionen verursachen. Zusätzlich reduziert das Recycling von Bauteilen den Wasserverbrauch bei der Produktion neuer Chips erheblich.

Elektronikteile aus Alt-Smartphone werden in den Router-Prototypen eingesetzt.(Bild:  Deutsche Telekom)
Elektronikteile aus Alt-Smartphone werden in den Router-Prototypen eingesetzt.
(Bild: Deutsche Telekom)

Herausforderung: Kompatibilität und Performance

Die Wiederverwertung von Elektronik stellt Ingenieure vor technische Herausforderungen. Komponenten müssen nicht nur kompatibel mit der Infrastruktur eines DSL-Routers sein, sondern auch aktuelle Sicherheits- und Performance-Anforderungen erfüllen. Laut Telekom wurde das Konzept so entwickelt, dass die neu eingesetzten Smartphone-Bauteile eine ähnliche Rechenleistung wie herkömmliche Router-Hardware bieten.

Ein weiterer Aspekt ist die Softwareintegration: Da die Hardware aus verschiedenen Smartphone-Modellen stammt, musste eine anpassungsfähige Firmware entwickelt werden, die verschiedene Prozessorarchitekturen unterstützt. Die Telekom setzt hier auf ein modulares Betriebssystem, das die nahtlose Integration unterschiedlicher Komponenten ermöglicht und Sicherheitsupdates gewährleistet.

Die Telekom erprobt damit ein alternatives Hardware-Design, das künftig in der Massenfertigung Anwendung finden könnte. Sollte sich das Konzept bewähren, könnte es dazu beitragen, die Nutzungsdauer von Elektronikkomponenten erheblich zu verlängern und gleichzeitig die Nachhaltigkeitsziele der Branche voranzutreiben.

Perspektiven für die gesamte Industrie

Mit dem NeoCircuit Router möchte die Telekom einen neuen Standard für nachhaltiges Hardware-Design etablieren. Das Konzept könnte dazu beitragen, ein Umdenken zu initiieren. Wenn große Hersteller in der ICT-Branche recycelte Bauteile in ihre Produktionsketten integrieren, ließe sich der Ressourcenverbrauch erheblich reduzieren. Die Telekom sieht das Projekt als Blaupause für weitere Initiativen zur nachhaltigen Nutzung von Elektronikbauteilen.

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