Der Erfolg des kommenden 6G-Standards hängt von zwei Faktoren ab. Erstens darf der Fokus nicht allein auf der Infrastruktur liegen – 6G erfordert die Zusammenarbeit eines breiteren Ökosystems von Branchenakteuren, um Innovationen voranzutreiben. Zweitens muss KI eine zentrale Rolle spielen.
Rimma Iontel ist Chief Architect Telco bei Red Hat und skizziert in ihrem Beitrag, was sie sich von 6G erwartet und welche Herausforderungen damit auf die Entwickler zukommen.
(Bild: Red Hat)
Bei 6G befinden wir uns derzeit in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung. Es wird noch darüber diskutiert, wie die Luftschnittstelle aussieht, ob sie völlig neu gestaltet wird oder ähnlich wie bei 5G bleibt. Dasselbe gilt für die Entscheidung über den 6G-Kern und die Wahl zwischen einer Weiterentwicklung des 5G-Kerns oder einem neuen Ansatz.
Da viele die Meinung vertreten, dass 5G nicht zu neuen Umsatzmöglichkeiten geführt hat, wird nachdrücklich gefordert, 6G als Software-Upgrade zu implementieren und bei neuen Anwendungsfällen die Generierung von Einnahmen in den Vordergrund zu stellen. Dies gilt insbesondere in Regionen, in denen der Fokus auf den Kosten liegt und Kapazität sowie Geschwindigkeit weniger wichtig sind.
Dies könnte bedeuten, dass eine ähnliche Luftschnittstelle wie bei 5G verwendet wird, wobei vorhandene Hardware wiederverwendet werden kann und der 5G-Kern verbessert wird. Der Cloud-native-Ansatz, der bereits die architektonische Basis von 5G bildet, wird bei einem solchen Übergang von 5G zu 6G eine entscheidende Rolle spielen, da er die Flexibilität, Skalierbarkeit und KI-Integration bietet, die für die nächste Generation der Mobilfunktechnologie unerlässlich sind.
Die Bedeutung der KI
KI wird ein Eckpfeiler von 6G sein und KI-Funktionen sollten von Anfang an integriert werden, im Gegensatz zu 5G, das nicht KI-nativ ist. 5G Advanced kann als Zwischenschritt angesehen werden, bei dem KI-Funktionen in das bestehende 5G-Framework integriert werden. Viele Regionen werden jedoch nicht in die Implementierung von 5G Advanced investieren und stattdessen direkt von 5G auf 6G umsteigen.
Das heißt, dass wir mit widersprüchlichen Anforderungen konfrontiert sind: Einerseits soll so wenig wie möglich geändert werden, andererseits sollen alle denkbaren 6G-Features voll ausgeschöpft werden. Anbieter wie Red Hat und seine Partner müssen sich damit auseinandersetzen, insbesondere wenn es darum geht, welche Funktionen einer Plattform hinzugefügt werden und wie Anwendungen erstellt werden – mit Blick auf die KI-Integration.
KI wird im 6G-Kontext mehrere Aufgaben übernehmen – von der Netzwerkverwaltung und -optimierung über Datensicherheit und -schutz bis hin zur Bereitstellung intelligenter Dienste und Anwendungen. KI ist daher kein Add-on, sondern von zentraler Bedeutung für die Art und Weise, wie Daten im Netzwerk gesammelt und verarbeitet werden. Sie wird es dem Netzwerk ermöglichen, auf der Grundlage seines aktuellen Echtzeitstatus selbstständig intelligente Entscheidungen zu treffen, ohne dass ein manuelles Eingreifen erforderlich ist.
KI kann auch eine wichtige Unterstützung für nachhaltige Innovationen bieten: von der Optimierung des Netzwerkbetriebs, damit die Day 0 bis Day 2 Operations – wie Bereitstellung, Erweiterung, Fehlerbehebung und Upgrades – effektiv ausgeführt werden, bis hin zur effizienteren Nutzung von Ressourcen, damit sie einer größeren Anzahl von Benutzern zur Verfügung stehen.
Die Aufgabe besteht dabei darin, den Stromverbrauch zu senken und gleichzeitig das gesamte Potenzial der KI zu nutzen. Die heutige KI ist energiehungrig, aber der KI-Bereich verändert sich so schnell, dass es fast unmöglich ist, vorherzusagen, wie er in zwei oder drei Jahren aussehen wird. Jüngste Entwicklungen haben gezeigt, dass mit weniger Ressourcen viel mehr erreicht werden kann, als bisher für möglich gehalten wurde. Die Telekommunikationsbranche etwa hat erkannt, dass große Sprachmodelle (LLMs) möglicherweise nicht sinnvoll sind, während kleinere Sprachmodelle (SLMs), die auf bestimmte Geschäftsfälle abzielen und ausgewählte relevante Datensätze verwenden, für ihre Zwecke besser geeignet sind. Ansätze wie Agentic AI für die Automatisierung oder vLLM (Virtual Large Language Model) für die optimierte Inferenz und Bereitstellung werden ebenfalls in Betracht gezogen. Mit einem vLLM können Berechnungen mit einem Inferenzserver schneller durchgeführt werden, beispielsweise durch eine effizientere Nutzung des GPU-Speichers. All dies kann sich positiv auf die Nachhaltigkeit auswirken.
Die Use Cases
Es gibt verschiedene Visionen von Anwendungsfällen, die 6G unterstützen wird, von immersiven AR-, VR- und XR-Erlebnissen über fortschrittliche autonome Fahrzeuge (V2X) bis hin zur hohen Positionierungsgenauigkeit im 3D-Raum und integrierten Sensortechnologie. Auch eine energieeffizientere Integration des Internets der Dinge ist möglich, was die Bereitstellung von Dienstleistungen an abgelegenen und weit entfernten Orten fördern wird. Diese Use Cases können dazu beitragen, Smart Cities zu realisieren.
Stand: 08.12.2025
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Darüber hinaus ist die KI-gestützte Kommunikation ein interessantes Gebiet für die Transformation der Benutzererfahrung. Ein Beispiel dafür sind immersive Spiele, die Endbenutzer mit ihren Smartglasses spielen können. Dies wird durch die geringe Latenz und den hohen Durchsatz von 6G ermöglicht, wodurch komplexe Berechnungen für Entrauschen, Hochskalierung oder Rendering vom Gerät auf das Netzwerk verlagert werden können.
Allerdings werden unterschiedliche regionale Prioritäten bestimmen, in welche Richtung sich die Entwicklung bewegt. In einigen Ländern wurde viel in 5G investiert, in der Erwartung, dass der Unternehmensmarkt, insbesondere der Industriesektor, eine große Chance bieten würde. In Wirklichkeit wurden die Gewinne aber weiterhin mit dem mobilen Breitband für Verbraucher erzielt. Zudem hat sich gezeigt, dass der Markt für Private-5G-Netzwerke zwar wächst, sich viele Unternehmen aber eher an etablierte Private-5G-Geräteanbieter oder sogar an Public-Cloud-Anbieter als an Telekommunikationsanbieter gewandt haben.
Die massive Kommunikation und die extrem niedrige Latenz von 5G waren daher von untergeordneter Bedeutung. Wenn es um völlig neue 6G-Dienste geht, ist es folglich sinnvoll, Lösungen zu priorisieren, die sofort monetarisiert werden können und einen Mehrwert für Unternehmenskunden bieten. So können sie sich auf ihre Geschäftsergebnisse konzentrieren und müssen sich nicht mit dem Management ihrer Netzwerke beschäftigen.
Die Evolution der Netzwerktechnologien im Überblick.
(Bild: Red Hat)
Die Rolle von Open Source
Ein weiterer wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit 6G ist der Open-Source-Ansatz. Open Source treibt Innovationen in vielen Bereichen voran, so auch bei KI. Immer mehr Unternehmen erkennen die Vorteile der Arbeit mit Open-Source-Plattformen, -Tools und -Modellen, die auf vielen Beiträgen einer großen Community basieren. Ähnlich verhält es sich bei 6G, das mehr als nur eine Kommunikationsplattform sein soll. Innovationen im Zusammenhang mit neuen Diensten werden nicht nur von Telekommunikationsunternehmen, sondern von Firmen aus allen möglichen Branchen kommen.
Open Source bietet dabei eine Möglichkeit, transparent zusammenzuarbeiten und auf den Ideen der anderen aufzubauen, um schneller voranzukommen. Das bedeutet, dass wir ein breiteres Ökosystem von Akteuren aus der Industrie brauchen, die sich beteiligen. Wir sehen bereits einen deutlichen Trend zu mehr Offenheit und Zusammenarbeit, wobei Service Provider mehr Beiträge zu Open-Source-Projekten leisten als zuvor und proaktiver innerhalb von Communities auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.
Insgesamt wird 6G neue Möglichkeiten und Erfahrungen bieten, die wir uns heute vielleicht noch nicht einmal vorstellen können. Wenn wir aus den Erfahrungen mit 5G lernen, können wir davon ausgehen, dass 6G sowohl für Verbraucher als auch für die Industrie einen viel größeren Unterschied machen wird. Allerdings ist 6G noch immer eine rein akademische Diskussion mit vielen verschiedenen Standpunkten und einer Reihe innovativer Ideen, die derzeit geprüft werden.
Damit das große Potenzial von 6G als nachhaltigeres Netzwerk, das auf die Bedürfnisse von Menschen, Unternehmen und Gesellschaft ausgerichtet ist, ausgeschöpft werden kann, müssen wir als große und vielfältige Gruppe von Branchenakteuren frühzeitig zusammenarbeiten und häufig Iterationen durchführen. Nur so können wir eine klare Vision und gemeinsame Ziele mit möglichst großer Übereinstimmung entwickeln.
Über die Autorin
Rimma Iontel ist Chief Architect Telco bei Red Hat.