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Verivox-Analyse zur Internetversorgung in Deutschland Gigabit in Deutschland: Internetausbau unabhängig von der Parteifarbe

Von Bernhard Lück 4 min Lesedauer

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In Deutschland gibt es große Unterschiede bei der Internetversorgung. Regiert in besser ausgebauten Regionen womöglich öfter dieselbe politische Farbe? Eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt, dass ein solcher Einfluss kaum nachweisbar ist.

Der Ausbau der Glasfasernetze in Deutschland basiert vorwiegend auf dem Engagement einzelner Verantwortlicher mit dem Willen, Interessen und Ressourcen zu bündeln.(Bild:  © vegefox.com – stock.adobe.com)
Der Ausbau der Glasfasernetze in Deutschland basiert vorwiegend auf dem Engagement einzelner Verantwortlicher mit dem Willen, Interessen und Ressourcen zu bündeln.
(Bild: © vegefox.com – stock.adobe.com)

Zwischen der Versorgung mit schnellem Internet und der vor Ort regierenden politischen Partei gibt es auf Länderebene keine messbare Abhängigkeit. So werden etwa die beiden bei der Gigabit-Versorgung führenden Bundesländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen von unterschiedlichen Parteien regiert. Auch Auswertungen auf Kreisebene sehen keine politische Farbe signifikant vorn – selbst dort nicht, wo die jeweilige Partei schon viele Jahre in Verantwortung ist. Oft ist vielmehr das Engagement einzelner Verantwortlicher ausschlaggebend für die Situation vor Ort.

Bestversorgte Länder: zweimal CDU-, dreimal SPD-regiert

Verivox hat auf Basis des Breitbandatlas für alle Bundesländer sowie für die am besten und am schlechtesten mit Gigabit-Internet ausgebauten Kreise recherchiert, wer dort die politische Verantwortung trägt und seit wann. Unter den deutschen Flächenländern liegen die Spitzenreiter im Norden: Schleswig-Holstein ist am besten mit 1.000 MBit/s schnellem Internet versorgt (Abdeckung 92 %). Dort stellt seit 2017 die CDU den Ministerpräsidenten und regiert seit 2022 in einer Zweierkoalition mit Bündnis 90/Die Grünen. Die besten Werte nach Schleswig-Holstein erreicht das Bundesland Niedersachsen (86 %). Hier ist seit 2013 die SPD in Verantwortung, seit 2022 mit den Grünen. Einzige politikgebundene Auffälligkeit auf Länderebene: Von den neun bestversorgten Ländern haben sieben eine Beteiligung der Grünen.

Am besten ausgebaut sind die drei deutschen Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg. Alle drei erreichen bei der Verfügbarkeit von Gigabit-Internet eine Quote zwischen 95 und 97 Prozent. In den jeweiligen Landesregierungen sind insgesamt vier Parteien am Ruder – SPD und Grüne in Hamburg, CDU und SPD in Berlin sowie SPD, Grüne und Linke in Bremen. Sowohl in Hamburg als auch in Bremen sind die SPD-geführten Kabinette schon viele Jahre tätig. In Berlin hingegen regiert seit 2023 die CDU; zuvor wurden die Geschicke in der Hauptstadt über 20 Jahre lang von einer SPD-Regierung geleitet.

Langsamste Länder: dreimal CDU-, zweimal SPD-regiert

Die am schlechtesten mit Gigabit-Internet versorgten Länder liegen im Osten Deutschlands: Thüringen erreicht lediglich eine Quote von 56 Prozent. Die dortige CDU-geführte Landesregierung ist seit 2024 im Amt. Zuvor waren zehn Jahre lang die Linken am Ruder. Die Bundesländer Sachsen-Anhalt (CDU-regiert), Brandenburg (SPD) und Sachsen (CDU) erreichen Versorgungswerte zwischen 63 und 65 Prozent und rangieren damit ebenfalls am unteren Ende der Länderliste. Alle drei Landesregierungen befinden sich mindestens in der dritten Legislatur und damit langjährig in Verantwortung. Im Saarland (70 % Gigabit-Quote) regiert seit 2022 die SPD, zuvor führte die CDU das Land über mehr als 20 Jahre.

Bestversorgte Kreise: Nord-Süd-Gefälle auch hier sichtbar

Unter den zehn schnellsten Kreisen (mit einer Gigabit-Versorgung von mindestens 93 %) liegen vier in Schleswig-Holstein und sechs in Niedersachsen. Vier der zehn Top-Kreise sind SPD-geführt; jeweils drei haben einen CDU- bzw. parteilosen Landrat oder eine Landrätin. Besonders auffällig wird die Vorreiterrolle der nördlichsten Bundesländer, wenn man dezidiert auf die Glasfaserversorgung (bis ins Haus oder Gebäude) schaut: In Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist im Schnitt doppelt so oft Glasfaser verfügbar (67 bzw. 63 %) wie in Hessen, Sachsen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg (zwischen 27 und 32 %). Gegenüber dem Saarland und Thüringen (jeweils 20 %) liegen die Werte im Norden sogar dreimal so hoch.

„Dass die Glasfaserversorgung ausgerechnet im Norden Deutschlands so gut ist, hat mehrere Gründe“, sagt Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox. „So hat Schleswig-Holstein schon früh eine Vollversorgung der Haushalte angestrebt und die Zusammenarbeit der regionalen Akteure erfolgreich über ein Breitband-Kompetenzzentrum koordiniert. Zudem gibt es beim Netzausbau in weiten, flachen Landstrichen deutlich weniger topografische Hindernisse als in gebirgigen Regionen.“

Langsamste Kreise: Der ländliche Raum holt nur langsam auf

Die zehn langsamsten Landkreise liegen im Osten und in Rheinland-Pfalz – etwa im Westerwald, in der Eifel oder im Harz. Der am schlechtesten versorgte Landkreis Altenkirchen kommt nur auf 24 Prozent Gigabit-Internet, ebenso der zweitschlechteste (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Der Landkreis Elbe-Elster als drittschlechtester ist nur zu 25 Prozent mit Gigabit-Internet versorgt. Die drei Landkreise werden seit vielen Jahren von einer CDU-Regierung geführt. Keiner der langsamsten Kreise liegt in einem norddeutschen Bundesland.

„Die Versorgung in den Landkreisen ist vielfach ein Abbild der Entwicklung auf Länderebene“, sagt Schamberg. „Die Ausbauquoten im Norden Deutschlands sind meist um ein Vielfaches besser als im Süden oder Osten. So hat sich zwar seit 2022 etwa die Gigabit-Quote in Sachsen-Anhalt fast verdoppelt, dennoch erreicht das Land nur zwei Drittel der aktuellen Zahlen Hamburgs oder Schleswig-Holsteins. Auch mit einer sehr langen Regierungsbeteiligung bleibt der Einfluss begrenzt, wenn topografische Hindernisse ins Spiel kommen. Das zeigt sich etwa am CSU-dominierten Bayern, das im Ländervergleich der Gigabit-Entwicklung seit 2022 nur Platz zwölf erreicht.“

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Wie politisch ist der Gigabitausbau in Deutschland?

„Unsere Auswertung zeigt, dass weniger die politische Agenda einer Partei ausschlaggebend für die Ausbausituation vor Ort ist als das Engagement einzelner Verantwortlicher. Dazu zählt auch der Wille, Interessen sowie Ressourcen zu bündeln und die Fähigkeit, Stakeholder zusammenzubringen“, sagt Schamberg. „Als entscheidend bewerten wir eine ebenso frühe wie anhaltende Einigkeit aller Akteure – und natürlich die bundespolitischen Weichenstellungen.“

Um den Netzausbau voranzutreiben, hat der Bund für den Ausbau der Glasfaser- und Mobilfunknetze ein „überragendes öffentliches Interesse“ definiert – befristet bis Ende 2030. Der dazu notwendigen Änderung des Telekommunikationsgesetzes haben Bundestag und Bundesrat bereits zugestimmt.

Methodik

Die Verivox-Auswertung basiert auf den aktuellsten verfügbaren Daten des Breitbandatlas für Geschwindigkeiten von 1.000 MBit/s (Datenstand: Dezember 2024). Betrachtet wurden sowohl der Ausbaustand in den Bundesländern als auch in den zehn am besten sowie den zehn am schlechtesten versorgten Landkreisen. Um die Entwicklung auf Länderebene zu dokumentieren, wurde zusätzlich der Breitbandatlas von Dezember 2022 ausgewertet. Für alle betrachteten Regionen/Länder wurden die jeweils dort verantwortlichen politischen Parteien und die Dauer ihres Wirkens ermittelt.

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