Windows 10 ist Geschichte, Windows 11 die neue Realität. Wer bis jetzt nicht gehandelt hat, steht vor enormen Herausforderungen – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch. Nachhaltige IT-Strategien bieten Wege, das Unvermeidliche in einen langfristigen Vorteil zu verwandeln.
Christian Knauer ist Head of Operations beim IT-Beratungsunternehmen Adlon Intelligent Solutions GmbH.
(Bild: Adlon)
Das Support-Ende für Windows 10 ist da. Spätestens im Oktober 2025 enden die Sicherheitsupdates – und wer bis jetzt noch nicht auf Windows 11 oder alternative Lösungen umgestellt hat, wird unmittelbar mit erheblichen Sicherheitsrisiken und regulatorischen Konsequenzen rechnen müssen. Doch der Blick zurück hilft jetzt nicht mehr weiter. Stattdessen müssen IT-Verantwortliche pragmatisch, schnell und vor allem nachhaltig nach vorne blicken.
Windows 11 und die Nachhaltigkeitsfrage
Die Realität ist klar: Viele Geräteflotten entsprechen schlicht nicht den Anforderungen von Windows 11. Canalys prognostizierte bereits, dass bis zu 240 Millionen Geräte weltweit inkompatibel sein könnten – und nun abrupt ausgemustert werden. Die Folge ist ein massiver Elektroschrott-Anstieg mit dramatischen Auswirkungen auf die CO₂-Bilanz und ESG-Compliance.
ESG steht für Environment, Social und Governance – drei Bereiche, nach denen Unternehmen zunehmend reguliert und bewertet werden. ESG-Compliance bedeutet, dass Unternehmen umweltbezogene (Environmental), soziale (Social) und unternehmensethische (Governance) Standards einhalten – z. B. CO₂-Reduktion, faire Lieferketten und transparente Beschaffung. Für IT heißt das: energieeffiziente Hardware, transparente Lebenszyklen und dokumentierte Nachhaltigkeitsziele.
Regulatorischer Druck: ESPR und CO₂-Bilanzpflichten
Die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) verlangt seit Juli 2024: langlebige, reparierbare, recyclebare IT-Produkte. Digitale Produktpässe sind Pflicht und müssen Informationen zu Lebensdauer, CO₂-Emissionen und Materialeinsatz enthalten. Unternehmen müssen ihre Geräteflotten dokumentieren, bewerten und strategisch optimieren.
Wer diese Anforderungen nicht erfüllt, riskiert nicht nur ESG-Defizite, sondern auch Reputationsschäden und Compliance-Verstöße.
Was bedeutet ESPR konkret für IT-Abteilungen?
Nur noch Geräte mit dokumentierter Reparierbarkeit und Lebensdauerbeschreibungen dürfen angeschafft werden.
Energieverbrauch und CO₂-Ausstoß müssen pro Gerät erfasst und in Nachhaltigkeitsberichte integriert werden.
Die Vernichtung funktionstüchtiger Hardware wird schrittweise regulatorisch untersagt – zunächst für andere Produktgruppen, bald auch für Elektronik.
ESG-Vorgaben werden in Ausschreibungen verpflichtend – IT-Beschaffung muss diese Parameter standardmäßig abbilden.
Diese Pflichten werden zunehmend kontrolliert. Unternehmen müssen entsprechende Dokumentationen jederzeit vorlegen können – die Zeiten freiwilliger Nachhaltigkeit sind vorbei.
Wer kurzfristig Nachhaltigkeit umsetzen will, sollte vor allem die vorhandenen Geräteflotten neu bewerten: Ein selektives Refurbishment – gezielte Upgrades von RAM, SSDs oder sogar BIOS-Updates – kann die Nutzungsdauer von Geräten erheblich verlängern. Analysten wie IDC und Gartner bestätigen, dass selbst Geräte aus den Jahren 2015 bis 2017 noch signifikante Leistungsreserven haben.
Die Folgen sind unmittelbar positiv messbar: eine Verlängerung des Hardware-Lifecycles reduziert den Ressourcenverbrauch drastisch, verbessert ESG-Kennzahlen und senkt die Investitionskosten. Allerdings erfordert dies schnelle Entscheidungen, professionelle Umsetzung und klare Priorisierung seitens der IT-Leitung.
Device-as-a-Service (DaaS): Nachhaltigkeit im Lifecycle-Management
Device-as-a-Service-Modelle bieten eine weitere Möglichkeit, Nachhaltigkeit aktiv umzusetzen. Indem Unternehmen Hardware und Lifecycle-Management an spezialisierte Anbieter auslagern, profitieren sie von standardisierten Prozessen für Wiederaufbereitung, Recycling und Refurbishment. Solche Modelle ermöglichen eine effektive Reduktion des Elektroschrotts und eine bessere Kontrolle des CO₂-Fußabdrucks, da Geräte systematisch länger genutzt und professionell verwertet werden.
Im Vergleich zur klassischen Beschaffung könnten sich durch DaaS-Modelle bis zu 30 Prozent der CO₂-Emissionen einsparen – durch verlängerte Nutzungszyklen, zentralisiertes Lifecycle-Management und optimierte Rücknahmelogistik. DaaS könnte auch die Austauschrate von Geräten signifikant reduzieren, so dass mittelständische Unternehmen durch DaaS ihre Gerätelebenszyklen im Schnitt um zwei Jahre verlängern können, ohne Performance- oder Supporteinbußen.
Stand: 08.12.2025
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Wichtig für die Umsetzung ist eine transparente Vertragsgestaltung. Unternehmen sollten Anbieter bevorzugen, die nach ESG-Kriterien wie EPEAT, Cradle to Cradle oder TCO Certified arbeiten und dies mit konkreten Metriken belegen – etwa Refurbishment-Quoten, CO₂-Bilanzen, Materialanalysen oder digitale Produktpässe. Um Abhängigkeiten zu vermeiden, sind auch offene Standards und Interoperabilität essenziell – sie erleichtern spätere Migrationen und sichern langfristige Flexibilität.
Der Erfolg nachhaltiger IT-Strategien hängt maßgeblich von der Transparenz und der klaren Messbarkeit ab. Unternehmen sollten daher ESG-Kriterien (Environmental, Social and Governance) klar definieren und in ihre IT-Beschaffungskonzepte integrieren. Device-as-a-Service-Angebote können dabei nur dann wirklich nachhaltig sein, wenn Anbieter konkrete Zahlen zu Refurbishment-Quoten, Recyclingprozessen und Lieferkettenstandards offenlegen.
Handlungsempfehlungen
Wer jetzt handelt, kann aus dem Ende von Windows 10 mehr machen als nur eine technische Migration. Die folgenden Empfehlungen helfen IT-Entscheidern, den Übergang strategisch, nachhaltig und zukunftsorientiert zu gestalten:
ESG-Reporting aufsetzen: Lifecycle-KPIs und Monitoring implementieren. Scope-3-Emissionen, Energieverbrauch, Reparaturzyklen – all das sollte messbar und berichtsfähig sein.
DaaS-Angebote nach Standards filtern: Nur Anbieter mit nachvollziehbaren Umweltzielen, transparenten Rücknahmeprozessen und standardisierten Refurbishment-Quoten berücksichtigen.
Refurbishment forcieren: Altgeräte gezielt prüfen, aufrüsten und dokumentieren. Auch Softwarekompatibilität und BIOS-Updates sollten hier mitgedacht werden.
Beschaffungsprozesse überarbeiten: ESG-Kriterien in Ausschreibungen integrieren und langfristige TCO- und CO₂-Bewertungen als Standard etablieren.
ESPR-Checkliste etablieren: Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit und Energieeffizienz bereits vor der Beschaffung prüfen und bewerten.
Übergang nicht aufschieben: Aktionsplan für Q3/Q4 aufsetzen, interne Meilensteine definieren und Verantwortlichkeiten klären. Kommunikation mit Einkauf, HR und Nachhaltigkeitsbeauftragten frühzeitig starten.
Fazit: Nachhaltigkeit beginnt mit Klarheit
Das Support-Ende von Windows 10 markiert eine Weggabelung: Wer sich jetzt für kurzfristig wirkende, aber langfristig tragfähige Lösungen entscheidet, gewinnt nicht nur ökologische Stabilität, sondern auch wirtschaftliche Planungssicherheit. Nachhaltigkeit ist kein Projekt, sondern ein Steuerungskonzept. Und der richtige Zeitpunkt zum Umdenken ist jetzt.